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Home Sonderthemen Potsdam Königsgabe und Heilmittel
13:16 21.12.2018
Typisches Weihrauchgefäß bei einem Gottesdienst in der katholischen Kirche. FOTO: PETER STEFFEN/DPA

Von Brigitta Sonntag 

Potsdam. Warum eigentlich brachten die Heiligen Drei Könige Gottes Sohn Gold, Weihrauch und Myrrhe? „Dort ist nicht von Königen die Rede, sondern von Magiern oder Priestern eines fernen Reiches, die die Himmelszeichen deuten. Sie kommen mit ihren Gaben, um Jesus die Ehre zu erweisen“, erklärt Johann Ev. Hafner, Professor für Religionswissenschaft mit dem Schwerpunkt Christentum an der Universität Potsdam. „Es sind Geschenke, die in den Ländern, aus denen sie kamen, besonders wertvoll und damit auch kostbar waren.“


Der Weihrauch in der Weihnachtsgeschichte des Matthäusevangeliums kam vermutlich aus den damaligen Kernanbaugebieten Äthiopien und Südarabien. Heute gedeihen die eher kleinwüchsigen kostbaren Gewächse in den kargen Regionen Afrikas, Arabiens und Indiens. Je nach Herkunft ist das Harz grobkörnig bis stückig und von durchscheinend braun-gelber bis rötlich-brauner Farbe.

Während in der evangelisch-lutherischen Kirche kein Weihrauch-Rauch aufsteigt, wird das Harz in der orthodoxen und katholischen Liturgie nach wie vor verwendet, „wobei das Zweite Vatikanische Konzil 1965 die Liturgieregeln lockerte. Seitdem steht den Geistlichen das Ritual offen“, erläutert Professor Hafner. „Wenn ja, werden die Christussymbole, also Altar, Kreuz und Evangelienbuch, sowie die Gläubigen inzensiert. Zudem symbolisieren die Weihrauchstöße das Aufsteigen des Gebets in den Himmel.“ Der Religionswissenschaftler verweist darauf, dass in dem an einer Kette befestigten zweiteiligen Gefäß kein reiner Weihrauch verbrennt, sondern stets spezielle Hölzer und Blüten beigemischt werden, damit der Heilige Rauch den ganz eigenen balsamig-würzigen, manchmal auch süßlich- milden Duft verbreitet.

Die Heilkraft des wertvollen Baumharzes ist lange bekannt. „In der indischen Naturheilkunde Ayurveda wird das Weihrauch schon seit über 5000 Jahren eingesetzt, insbesondere bei entzündlichen Krankheiten“, fasst die promovierte Heilpraktikerin Barbara Groß zusammen, die in Potsdam und Wildenbruch praktiziert. Wurde einst vor allem ein Trockenextrakt des Harzes in Pulver, Öle oder Pflaster beigemischt, verwendet Barbara Groß Weihrauch als ätherisches Öl, das durch die Wasserdampf-Destillation gewonnen wird. „Es ist ein hochgeschätztes Mittel, das entzündungshemmend und schmerzstillend wirkt“, so die Heilpraktikerin, die es bei rheumatischen und arthritischen Beschwerden einsetzt, aber auch zur Linderung der Symptome bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn oder bei Hautkrankheiten wie Neurodermitis und Schuppenflechte nutzt.

Johann Evangelist Hafner lehrt und forscht an der Universität Potsdam. FOTO: UNI POTSDAM
Johann Evangelist Hafner lehrt und forscht an der Universität Potsdam. FOTO: UNI POTSDAM

„Nicht so bekannt ist, dass Weihrauch den emotionalen Ausgleich fördert, deshalb bei Ängsten und Depressionen verwendet wird“, erklärt die Heilpraktikerin. Spezielle Mischungen von ätherischen Ölen – wie beispielsweise Weihrauch mit Lavendel, Thymian, Eukalyptus oder auch Zitrone, Kiefer oder Zimt - entfalten ihre Wirkung in der Kombination miteinander. Längst ist der Weihrauch auch für Naturwissenschaftler interessant. Es ist eben ein ganz besonderer Stoff, den die Heiligen Drei Könige vor vielen, vielen Jahren in ihrem Gepäck hatten ...

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