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Home Sonderthemen Oberhavel Hennigsdorf: Waldfriedhof vom Star gestaltet
07:24 12.09.2020
Der Waldfriedhof Hennigsdorf entstand nach der Idee von Ludwig Lesser, wurde im Laufe der Jahrzehnte aber auch umgestaltet. FOTO: ARCHIV-Marco Paetze

Der Hennigsdorfer Hauptfriedhof – der Waldfriedhof – hat eine besondere Geschichte. Entworfen wurde er von Ludwig Lesser. Auch wenn der Name dem Otto-Normal-Verbraucher nicht zwingend ein Begriff ist – Lesser gilt als der erste freischaffende, ausschließlich planerisch und beratend tätige Gartenarchitekt Berlins. Laut anderen Quellen war er sogar in ganz Deutschland der erste Freiberufler in dieser Branche.

Der an der Parkstraße befindliche Waldfriedhof wurde im Jahre 1925 auf einem natürlichen Dünenzug angelegt. Bei der Planung wurde der Anlage der Charakter eines Waldfriedhofes zur harmonischen Einbindung in das anschließende Waldgebiet gegeben. Lesser gehörte zu jener Generation junger Gartenarchitekten, die die von den Hochbauarchitekten eingeläutete Reform der Gartenkunst durchsetzte. Dabei trat er stets für eine gute Zusammenarbeit zwischen Architekt und Gartengestalter ein, die eine enge Verzahnung des Gebäudes mit dem umliegenden Garten ermöglichen sollte. Und er war Vorreiter in der Volksparkidee, heißt es in der Broschüre „Ludwig Lesser (1869 bis 1957)“.

Lesser entwarf verschiedenste landschaftliche Flächen: Kleingärten, Villengärten, Friedhöfe, Heilstättenparke, Siedlungen. Noch heute sind in und um Berlin zahlreiche Spuren seines Wirkens zu finden. 1933 wurde sein Planungsbüro geschlossen, sechs Jahre später emigrierte er.

Aufgrund der Auflösung seines Planungsbüros 1933 – als Jude erhielt er Berufsverbot – und der darauf folgenden Emigration im Jahr 1939 nach Schweden sind die Erkenntnisse über seine Werke weitgehend verloren gegangen. Viele seiner Entwürfe verschwanden mit ihm. Allerdings hinterließ er insbesondere in Berlin viele Spuren: Vorplatz S-Bahnhof Hermsdorf, Gartenstadt Staaken, Hammarskjöldplatz auf dem Messegelände, Friedhof Frohnau.

Auf dem Hennigsdorfer Friedhof – übrigens auch auf dem zweiten städtischen Friedhof in Stolpe Süd – werden sowohl Erdgräber für Sargbeisetzungen als auch Urnengräber angeboten. Beide lassen sich jeweils unterscheiden in Wahlgräber (Standortwahl und Verlängerung möglich) und Reihengräber mit fester Laufzeit, die nicht verlängert werden können.

Neben den Friedhöfen in der Parkstraße und in Stolpe Süd gibt es in Hennigsdorf die Ehrenfriedhöfe am Rathenaupark und in Stolpe Süd. Es werden fast 95 000 Quadratmeter – bestehend aus Grünflächen, Wald, Wegen und Grabanlagen – gepflegt, darunter 10 000 Quadratmeter Wege und befestigte Flächen, 800 Quadratmeter Gehölz- und Staudenflächen. 6500 Meter Hecke werden auf beiden Flächen ständig in Form gebracht.

2013 wurde Ludwig Lesser von der Deutschen Gartenbaugesellschaft, die ihn 1933 aus dem Amt des Präsidenten entlassen hatte, posthum zum Ehrenpräsidenten ernannt. Inzwischen sind je eine Straße in Potsdam und Bad Saarow-Pieskow nach ihm benannt. Und in Hennigsdorf auch. Von Stefan Blumberg

Über Ludwig Lesser

Landschaftsarchitekt Ludwig Lesser wurde am 3. Februar 1869 in Berlin geboren. Er starb am 25. Dezember 1957 im schwedischen Vallentuna.

Er ist der Enkel des gleichnamigen Schriftstellers.

Ab 1903 war er der erste selbstständige Gartenarchitekt in Berlin. 1908 wurde Lesser zum Gartendirektor der Berliner Terrain-Centrale und der Zehlendorf-West-Terrain-A.G. des Fürsten Donnersmarck berufen.

Er wurde mit vielen landschaftsarchitektonischen Aufträgen zahlreicher Gemeinden, Garten- und Friedhofsverwaltungen betraut.

Er war ab 1913 Dozent für Gartenkunst und Gartenbau an der Freien Hochschule Berlin.

Ludwig Lesser war verheiratet mit Anna, geb. Steinmeister. Das Ehepaar hatte drei Söhne: Richard, Lutz und Rudolf. Der älteste Sohn Richard wurde ebenfalls Gartenarchitekt.

Die Urenkelin Katrin Lesser wurde später ebenfalls Landschaftsarchitektin und ist in Berlin tätig. wiki

Idee: Friedhof für Andersdenkende

In Glienicke entstand 1952 eine Alternative zur kirchlichen Bestattung

Glienicke hat zwei Friedhöfe: den kirchlichen Friedhof in der Hauptstraße und den Waldfriedhof im Weg zum Friedhof. Auf beiden Arealen befinden sich Kapellen. Beide Friedhöfe haben eine unterschiedliche Geschichte.

Der evangelische Friedhof gilt als der ältere, er wurde 1890 eingeweiht. Im Jahre 1932 tauchten in der Gemeindeverwaltung Bestrebungen der SPD- und KPD-Fraktion auf, aus weltanschaulicher Sicht im Ort einen nichtkirchlichen Friedhof zu erschaffen. Gegenüber der Kirchengemeinde sollte geklärt werden, „dass bei Bestattung oder Beisetzung Andersdenkender den Angehörigen der Verstorbenen gestattet ist, anstelle eines Pfarrers einen Redner in der Halle als auch am Grab zuzulassen“. Es dauerte.

1944 kam nochmals die Forderung auf, einen neuen Waldfriedhof anzulegen, diesmal veranlasst „durch die zunehmende Einwohnerzahl und … aus Rücksicht auf größeren Anfall von Leichen Infolge Fliegerangriffen …“. Alle Bestrebungen fanden aber erst 1952 Erfüllung. Pikant: Bereits zwei Jahre vorher wurde die Kapelle nach den Plänen des Glienicker Architekten Paul Feustel fertiggestellt. Auf beiden Friedhöfen werden Konfessionslose und Kirchenmitglieder beerdigt. sb
     

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