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22:49 22.03.2021
Immer noch schlucken Millionen Bundesbürger Magensäureblocker. fotos: Susann Prautsch/dpa; dpa

Säureblocker gehören zu den verbreitetsten Medikamenten. Millionen Bundesbürger schlucken die auch Protonenpumpen- Inhibitoren (PPI) genannten Präparate täglich wohl vor allem, um Sodbrennen zu unterdrücken. In Brandenburg ist jetzt erstmals ein Rückgang der Verordnungen der umstrittenen Pillen zu verzeichnen. Das geht aus aktuellen Analysen der Barmer Krankenkasse hervor. Demnach ist die Zahl der Patienten mit einem PPI-Rezept von rund 425 000 noch 2016 auf rund 394 000 drei Jahre später gesunken. Das entspricht nach jahrelangem Anstieg einem Rückgang von sieben Prozent.

Auch bundesweit ist demnach eine Trendwende zu spüren. Hier ging die Zahl der Patienten mit mindestens einer entsprechenden Verordnung im Jahr im gleichen Zeitraum von 13,6 auf 12,3 Millionen zurück. Ein Absinken gab es auch bei der durchschnittlichen Zahl der Verordnungen.

„Es ist ein gutes Zeichen, dass die Brandenburger Ärzteschaft weniger Magensäureblocker verordnet“, sagt Gabriela Leyh, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Brandenburg. Die langjährige Debatte um die Sinnhaftigkeit und die Nebenwirkungen der PPI-Präparate scheine „endlich Wirkung zu zeigen“.

Bekannt geworden sind die in niedriger Dosierung auch frei verkäuflichen Tabletten zuletzt eher als Knochenbrecher. Menschen, die regelmäßig Protonenpumpenhemmer einnehmen, sind eher anfällig für Knochenbrüche und Darminfektionen, haben Untersuchungen ergeben. Der Körper nimmt einige Nährstoffe schlechter auf. Durch Kalziummangel steigt das Risiko, Knochenbrüche zu erleiden. Zu den Nebenwirkungen zählen neben erhöhtem Osteoporoserisiko auch Nierenerkrankungen, Magnesiummangel und eine höhere Anfälligkeit für Darminfektionen. Untersuchungen weisen darauf hin, dass PPI das Herzinfarktrisiko und die Gefahr für Leber- und Nierenschäden erhöhen.


"Es ist ein gutes Zeichen."

Gabriela Leyh, Barmer-Geschäftsführerin


Wenn sich der Organismus an die PPI gewöhnt hat, kann es außerdem zur Abhängigkeit kommen. Denn das Absetzen des Medikaments kann eine Überproduktion von Magensäure auslösen. Patienten bekommen wieder Magenschmerzen oder Sodbrennen und greifen erneut zu Magensäureblockern.

Die Blocker kommen neben Sodbrennen häufig bei Bauchschmerzen, Blähungen und Übelkeit zum Einsatz. In vielen Fällen werden sie auch nach Operationen und gemeinsam mit Schmerzmitteln verschrieben, die oft die Magenschleimhaut reizen.

Während die Verordnungen zwar allgemein rückläufig sind, stellt die Barmer dagegen bei Heranwachsenden einen entgegengesetzten Trend fest. Demnach stieg die Anzahl der Verordnungen in der Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen seit 2006 bald um das Doppelte an. Damit bekamen, hochgerechnet für Deutschland, im vorvergangenen Jahr rund 42 500 Kinder und Jugendliche Magensäureblocker verordnet. „Der Grund für die hohe Zahl junger Menschen mit PPI-Verordnung könnte sein, dass sie sich häufig unter Druck fühlen, der ihnen buchstäblich auf den Magen schlägt,“ vermutet Gabriela Leyh. Von Gerald Dietz

Mittel gegen Sodbrennen

Sodbrennen ist ein unangenehmes und oft auch schmerzhaftes Gefühl hinter dem Brustbein. Tritt es immer wieder auf, kann Sodbrennen vor allem bei älteren Patienten zu Blutungen, Verengung oder Vernarbung der Speiseröhre führen und in seltenen Fällen sogar in Krebs münden.

Ursache ist ein unzureichender Verschluss des Mageneingangs. Ist der Schließmuskel erschlafft, fließt Magensaft immer wieder in die Speiseröhre und verätzt sie.

Betroffene sollten leicht erhöht schlafen, damit es nicht zu diesem Rückfluss kommt. Übergewichtige sollten abnehmen, um den Druck auf den Magen zu reduzieren.

Bewegung für den Rücken

Gesellschaft für Orthopädie erstellt 30-Minuten-Plan

Nahezu ein Drittel der Brandenburger Frauen und ein Fünftel der Männer waren mindestens einmal wegen Rückenschmerzen in ärztlicher Behandlung. 85 Prozent der Bundesbürger haben es mindestens einmal im Leben im Kreuz. Das geht aus Krankenkassen- Studien hervor. Bewegungsmangel ist eine Hauptursache. Denn Bewegung stärkt die Rückenmuskulatur, entlastet die Wirbelsäule. Das verhindert Rückenschmerzen, die durch mangelnde Aktivität verursacht werden. „In unserem alltäglichen Leben spielt Bewegung eine immer geringere Rolle, besonders jetzt im Lockdown“, so Dieter C. Wirtz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Die DGOU gibt Tipps für 30 Minuten Bewegung pro Tag: die „3- mal-10-Rückenfit-Formel“.

■ Das 10-Minuten-Plus am Morgen: Suchen Sie sich einen freien Platz in der Wohnung, an dem Sie etwa ein großes Handtuch platzieren können. Hier machen Sie immer zur gleichen Zeit gleich nach dem Aufstehen 10 Minuten Gymnastik und Dehnübungen.

■ Das 10-Minuten-Plus tagsüber: Eine entspannte Sitzhaltung beugt Verspannungen vor, zeitweises „Lümmeln“ ist erlaubt. Wichtig ist, immer mal wieder die Sitzposition zu ändern. Regelmäßig sollten Fünf-Minuten-Pausen eingelegt werden. Schon zwei- bis dreimal pro Stunde für fünf Minuten aufstehen und sich strecken, reicht. Beim Telefonieren laufen statt sitzen.

■ Das 10-Minuten-Plus am Abend: Nehmen Sie sich abends zehn Minuten Bewegungszeit und machen nach dem Abendbrot einen Spaziergang durchs Viertel oder Workout-Übungen zuhause.