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13:54 18.06.2021
Weiß mit ihrem Puppenspiel Emotionen zu wecken: Julia Zeman. Fotos: Andreas Ernst/IKK BB; dpa

Leo bittet schon mal um Hilfe beim Zumachen der Schnürsenkel. „Das kann ich noch nicht so richtig“, gibt er dann ein wenig kleinlaut zu. Auch seine kleinen Gefährten Anna und die etwas betagteren Gerda und Alfred animieren oft dazu, ein wenig Unterstützung zu bekommen. Das ist ein wesentlicher Aspekt, wenn Julia Zeman mit ihrem Puppen-Quartett in einer Pflegeeinrichtung aktiv ist und Senioren in eine Szenerie einbindet. Die Bewohner, die sonst in der Regel auf die Hilfe des Pflegepersonals angewiesen seien, „können mal wieder selbst Unterstützung geben“, sagt die Therapeutin.

Seit zehn Jahren ist die heute 46-Jährige mit ihren Puppen in Pflegeheimen unterwegs. Dem Personal dort führt sie unter anderem bei Besuchen der Senioren oder in größeren Gruppenterminen sowie in Workshops vor, wie die Betreuten so zu motivieren und animieren sind, dass sie emotional engagiert bei den Szenerien mitgehen. „Wie mit Leichtigkeit und Humor Geborgenheit und positive Gefühle vermittelt werden können“, wie die frühere Schauspielerin es formuliert. Unter anderem in Wittenberge, Friesack, Nauen, Werder und anderen Orten Brandenburgs war Zeman schon mit ihren Gefährten unterwegs.

Vielfach auch, um im Auftrag der Innungskrankenkasse Brandenburg und Berlin (IKK BB) Personal in Pflegeheimen im Rahmen des kostenlosen Programms „Sag´s durch die Puppe“ zu zeigen, wie mit dem Einsatz der spielerischen Charaktere der emotionale Zugang zu den zu Betreuenden immens erleichtert werden kann. Ziel ist natürlich, dass Mitarbeiter in den Einrichtungen selbst zu Animateuren mit Puppenteam inmitten der Bewohner werden.

Zwei Schulungstage dauert der von der IKK angebotene Kurs, zwei Handpuppen gibt es als Dauerleihgabe. „Puppen gibt es vielfach schon in den Pflegeeinrichtungen, aber es gibt bislang nur wenige, die sie benutzen“, sagt Zeman. Meist sind sie eher ohne eigenes Leben auf Sofas oder Ähnlichem drapiert. Das könnte sich vielleicht langsam ändern. Mit dem von ihr gegründeten Institut für Therapiepuppenspiel (www.sagsdurchdiepuppe.de) in Berlin will die frühere Schauspielerin ab dem kommenden Jahr auch zusätzliche Trainerinnen und Trainer ausbilden.

Interaktives Puppenspiel hilft dabei, die psychosoziale Gesundheit von Pflegebedürftigen zu stärken. Mit ihrem emotionalen Zugang können die Charaktere eine aktivere Teilhabe der Senioren fördern, Abwechselung und Freude in den Alltag bringen, Niedergeschlagenheit, Antriebsarmut und Mutlosigkeit vertreiben. Besonders wirksam ist das auch bei an Demenz Erkrankten. „Die Puppe ist ein anderes Gegenüber als die Pflegekräfte, sie kann ganz andere Rollen darstellen“, so Zeman. Allein der Anblick und dann kurze, gezielte Rollenspiele mit den kuschelig-fröhlichen Begleitern bringen Abwechslung und Spaß. Sie fördern Erinnerungen und emotionale Beziehungen. „Mit dem lebensnahen Puppenspiel-Angebot bereiten wir die Mitarbeitenden darauf vor, sich selbst und den Menschen in den Pflegeeinrichtungen Freude zu bereiten“, meint auch Astrid Böhme, Vertragsbereichsleiterin Prävention bei der IKK BB.

Seit kurzem können erste Präventions- und Schulungsprojekte in weitreichend geimpften Einrichtungen wieder vorsichtig ihre Arbeit vor Ort aufnehmen. Inzwischen erreichen die IKK BB auch wieder zunehmend Anfragen von Pflegeheimen. Sie wollen vermehrt Schulungen und Programme „von außen“ in ihre Häuser einladen, sobald ein Großteil, meist über 80 Prozent, der Bewohner und des Pflegeteams geimpft sind. Gerald Dietz

Techniken und Praxi

Die Puppen-Schulung umfasst zwei Tage, (10 bis 16:30 Uhr) und ist kostenlos. Der zweite Tag nach der Einführung kann auch zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden. Für die Fortbildung werden Handpuppen zum Üben bereitgestellt.

Die Einführung in die Spieltechnik mit Übungen wird ergänzt durch Anleitungen zum Umgang mit Stimme und Sprache, zur Dialogtechnik und Improvisationen.

Zudem gibt es Infos zu Rollen und Funktionen von Therapiepuppen in Pflegeeinrichtungen, der Unterscheidung des Therapiepuppenspiels für Menschen mit und ohne demenzielle Veränderungen, dem Schaffen guter Rahmenbedingungen und der Verknüpfungen mit Biographiearbeit und Gedächtnistraining. Interessenten können sich bei www.sagsdurchdiepuppe.de informieren.

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