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Home Sonderthemen Brandenburg/Havel Dorftreff, Gehweg und Sekretärin auf dem Prüfstand
14:20 02.03.2020
Die Zukunft des Bücknitzer Dorfgemeinschaftshauses ist in der SVV Ziesar infrage gestellt worden.
FOTO: BÜRSTENBINDER

Ziesar. „Wir können das Rathaus auch abschließen.“ Mit sichtlicher Verärgerung reagierte Bürgermeister Dieter Sehm (SPD) auf den neuesten Sparvorschlag von CDU und FBB (Freie Bürger und Bauern).

Für beide Fraktionen hatte Bernd Gobel (CDU) den Abzug der Sekretärin aus dem Büro des Stadtoberhauptes gefordert. Dort hilft Monika Jänicke vom Amt Ziesar jeden Donnerstag für drei Stunden aus, wenn Sehm seine Sprechstunden abhält.

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Mögliches Einsparvolumen für Ziesars angespannten Haushalt: 6000 Euro. „Die Stadt zahlt eine Amtsumlage. Alles andere ist eine Zweckentfremdung von Geldern“, meinte Gobel, der die sofortige Streichung der Stunden forderte – für den Bürgermeister eine unvorhergesehene Kampfansage. Denn eigentlich sollte die Beschlussfassung zum Haushalt 2020 reibungslos über die Bühne gehen. Im Hauptausschuss war über die Ein- nahmen und Ausgaben umfassend und am Ende einmütig diskutiert worden. Doch in der Stadtverordnetenversammlung kam alles anders.

Für CDU und FBB war eine Abstimmung über das Aus für die Hilfe im Rathaus plötzlich zu einer Bedingung für die Zustimmung zum Etat geworden. Für SPD-Fraktionschef Dietmar Varchmin ein Unding: „Ich bitte doch um Vernunft. Wir reden hier über die vierte oder fünfte Stelle nach dem Komma.“ Auch Uwe Roßner konnte sich nur wundern. Alles sei im Hauptausschuss abgestimmt gewesen. Er gehe da nicht mit“, stellte der SPD-Abgeordnete klar. FBB-Fraktionschef Mathias Laube hält es dagegen für legitim, auch über kleine Ausgabeposten nachzudenken: „Wir verschieben seit Jahren Reparaturen an unseren Gehwegen in Glienecke.“

Der Bürgermeister ließ abstimmen – und hatte Glück. Mit knapper Mehrheit sprach sich die Stadtverordnetenversammlung für eine weitere stundenweise Besetzung des Sekretariats aus. Doch das war nur eine Nagelprobe für den Haushalt mit einem Gesamtvolumen von knapp zehn Millionen Euro.

Eine Gehwegsanierung in Bücknitz wurde dagegen auf Antrag von CDU und FBB mehrheitlich auf Eis gelegt. Die Absenkungen in Bücknitz seien nicht zu vergleichen mit den teilweise katastrophalen Zuständen in Ziesar. „Wie wollen wir Bürgern in der Lindenstraße oder im Mühlentor erklären, dass sie noch länger warten müssen“, gab CDU-Fraktionsvorsitzender Mertens zu bedenken.



Die Abgeordneten müssen auch an die Ortsteile denken.

Tobias Danker Ortsvorsteher Bücknitz


Die Entscheidung führte zu Protesten des Bücknitzer Ortsvorstehers Tobias Danker. Nach dem viel Geld in die Stadtsanierung geflossen sei, müssten die Abgeordneten auch an die Ortsteile denken, mahnte Danker an. Ihn beschäftigt außerdem eine weitere Forderung von CDU und FBB. So sollten sich die Bücknitzer Gedanken über die Zukunft der beiden kommunalen Gemeinschaftshäuser im Dorf machen. Es sei ein Gebot der Sparsamkeit, in jedem Ortsteil nur eine kommunale Begegnungsstätte zu unterhalten, mahnte Bernd Gobel an.

So werden sich die Glienecker vom alten Gemeindebüro trennen und sich allein auf das Sportzentrum und dessen Umbau konzentrieren. Das Köpernitzer Gemeindehaus ist längst verkauft.

Als Treffpunkt dienen angemietete Räume. In Bücknitz gibt es die einstige Gemeindeverwaltung mit Räumen für öffentliche Sitzungen, Veranstaltungen und Treffen von Vereinen. Dort sind gerade die Sanitäranlagen erneuert worden. Dann gibt es noch die ehemalige Kita, die vom Feuerwehrverein getragen wird. Die Kritiker befürchten dennoch für die Zukunft Kosten für die Stadtkasse. Entschieden ist jedoch nichts.

CDU und FBB akzeptierten den Ausgang der Einzelabstimmungen. Am Ende wurde der vom Amt Ziesar vorgelegte Haushaltsentwurf einstimmig angenommen. Kämmerin Marlene Ludloff geht von einer insgesamt positiven Entwicklung aus. Das betrifft insbesondere den Gemeindeanteil an der Einkommensund Umsatzsteuer (770 000 Euro in 2019), höhere Schlüsselzuweisungen und eine abgesenkte Kreisumlage. Andererseits kämpft Ziesar außerhalb des Sanierungsgebietes mit einem Modernisierungsstau. Aus vielen Straßen kommen Klagen über marode Gehwege. Einen großen Befreiungsschlag wird es auch 2020 nicht geben.

Laut aktueller Finanzplanung ist die Lindenstraße als großer Brocken für 2021 vorgesehen. Nicht weniger wichtig ist jedoch das Mühlentor, wo regelmäßig Grundstücke geflutet werden.

Ob und wann es zumindest kleinteilige Reparaturen gibt, soll noch entschieden werden. In der Bahnhofstraße werden im Zuge des anstehenden Straßenbaus auch die Gehwege erneuert. Einen konkreten Baustart gibt es noch nicht. Zu den großen Ausgabeposten zählen der Sportplatzneubau (439 000 Euro) und die abschnittsweise Erneuerung der Kleinsportanlage in der Gartenstraße.


TV-Experte erklärt Weltklima

Wissenschaftswoche am Gymnasium in Bad Belzig

Bad Belzig. „Ist das noch Wetter – oder der Klima-Wandel?“ lautet der Titel eines Vortrags von Karsten Schwanke. Er hält ihn am Mittwoch, 4. März, in Bad Belzig. Der aus der ARD bekannte Meteorologe versucht, die globale Problematik darzustellen.

Anlass ist die Wissenschaftswoche im Fläming-Gymnasium. Neben den Lehren und Schülern sind Familien und Freunde eingeladen, wenn renommierte Experten aus Naturwissenschaft, Technik und Gesellschaft mit ihren Erkenntnissen aufwarten.

„Die Tradition musste ein wenig wiederbelebt werden“, bestätigt René Mertens. Der Schulförderverein habe sich der dafür ins Zeug gelegt, einschließlich einer organisatorischen Veränderung. So werden nicht mehr verschiedene Vorträge an einem Abend präsentiert, sondern von Montag bis Donnerstagabend jeweils einer.

Der Elternsprecher hat sich um die Gewinnung der Referenten bemüht. „Zu Familie Schwanke habe ich persönlich guten Kontakt“, berichtet er. Der Fernseh-Wetterfrosch stammt bekanntlich ebenfalls aus Ziesar.

Interessant sind auch die weiteren Vorträge. Am Montag spricht Sandro Dahlke über die Expedition des Forschungsschiffes „Polarstern“. „Der Fläming ist 1200“, heißt es am Dienstag. Clemens Bergstedt vom Burgmuseum Ziesar präsentiert Erkenntnisse aus der Heimatgeschichte. Am Donnerstag ist mit Sebastian Konrad von der Freien Universität Berlin ebenfalls ein Historiker zu Gast.

Info Die Vorträge finden in der Mensa des Gymnasiums statt. Beginn ist jeweils 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen: www.gymbel.de.