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Home Sonderthemen Rathenow Neubau mit historischem Extra
16:06 30.11.2020
Der 35 Tonnen schwere Denkstein für Generalfeldmarschall Friedrich Carl von Preußen wurde bei den Bauarbeiten im Erdreich entdeckt. Fotos: Jessica Kliem

Die in hellen Brauntönen gehaltenen zehn mal zehn Zentimeter großen Bodenfliesen in der Küche sind mit farbigen Ornamenten in historischer Optik geschmückt. An den Decken in Wohnzimmer und Flur befinden sich schlichte Stuckleisten. Und die Lochbleche der gen Süden weisenden Balkone, die einen Blick in Richtung der geschichtsträchtigen Rathenower Zieten-Kasernen erlauben, spiegeln sich mit den verbauten Stücken an ebenjenen roten Backsteinbauten aus dem 19. Jahrhundert, einst für das Husarenregiment „von Zieten“ erbaut.

In dem von der Rampf Immobilien GmbH errichteten neuen Wohnhaus in der Bahnhofstraße 1D mit insgesamt sechs Dreiraumwohnungen wurden auf spielerische Weise historisch anmutende Details eingebunden. Die Stuckleisten etwa, weil sie die Räume einfach schöner machen würden, wie Liza Rampf findet. Manche baulichen Elemente des dreigeschossigen Neubaus, in den soeben die ersten Mieter eingezogen sind, gehen allerdings auch auf die Wünsche der örtlichen Denkmalschützer zurück. Die verbauten Holzfenster und der terracottafarbene Fassadenanstrich des neuen Gebäudes sollen sich gut an die traditionsreichen Bauten in der Umgebung anpassen. Das Dach des Gebäudes wurde zudem aus Zinkblech in Stehfalzbauweise hergestellt. Eine Reminiszenz an frühere Bautrends: Um das 19. Jahrhundert herum war es recht üblich, Zinkdächer in kunstvoller Falztechnik aufzubringen. Erste Zeugnisse dafür finden sich beispielsweise an den Bauten des bekannten preußischen Baumeisters und Architekten Karl Friedrich Schinkel.

Bei aller Liebe für historisch inspirierte Bauelemente – die neuen Mieter der 97 Quadratmeter großen Wohnungen mit jeweils eigenem Balkon oder Terrasse müssen auf modernen Wohnkomfort nicht verzichten Es gibt einen Fahrstuhl und Fußbodenheizung. In allen Wohnungen befindet sich ein separater Abstellraum mit Waschmaschinenanschluss. Und der robuste Fliesenboden in Wohnzimmer und Flur besticht durch nahezu täuschend echte Holzoptik.

Besonders deutlich zeigt sich das zeitgemäße Bauen aber in den Bädern. „In den Duschbereichen haben wir mit einer großen Keramikplatte gearbeitet, was relativ unüblich ist“, sagt Max Rampf von der Rampf Immobilien GmbH. Die 1,20 mal zwei Meter großen, braungemaserten Platten in den bodengleichen Duschen kommen ohne die bei Fliesenbädern sonst übliche Vielzahl an Fugen aus. Und lassen damit keinen Platz für Schimmel oder braune Verfärbungen. „Das ist sehr schön, weil es pflegeleicht ist“, so Max Rampf. Zudem findet sich in den Bädern zusätzlich zu der in allen Wohnungen vorhandenen Fußbodenheizung separat regulierbare Elektroheizkörper. Eine praktische Angelegenheit für alle, die sommers wie winters warme Handtücher bevorzugen, sagt Liza Rampf. Auch bei den WCs wurde auf neueste Modelle zurückgegriffen. Die spülrandlosen Toiletten sind leichter zu reinigen – und sollen auch sonst besonders hygienisch sein.

Eine weitere Besonderheit des mit Fernwärme beheizten Neubaus in der Bahnhofsstraße hat dann aber doch wieder einen historischen Hintergrund. Beim Ausheben der Baugrube wurde nämlich ein großer Gedenkstein für den einstigen Kommandanten der Zietenhusaren, Generalfeldmarschall Friedrich Carl von Preußen, entdeckt. Gefunden wurde der Gedenkstein für den 1885 in Klein Glienicke verstorbenen preußischen Prinzen vor allem, weil sich der Rathenower Ehrenbürger Günter Thonke erinnern konnte, als Kind den offenbar später im Erdreich versenkten Stein auf dem ehemaligen sowjetischem Militärgelände gesehen zu haben – und die Bagger auf seinen Hinweis hin außergewöhnlich vorsichtig zu Werke gingen.

Eine glückliche Fügung. Der 35 Tonnen schwere Stein mit größtenteils erhaltener Inschrift thront nun auf einem Granitsockel gut sichtbar vor dem bereits vollständig vermieteten Neubau. Die Rampf Immobilien GmbH hat ihn im eingezäunten Bereich des Fundorts neben dem Neubau sicher untergebracht. Hier passt sich der Gedenkstein gemeinsam mit dem modernen Wohngebäude gut in die traditionsreiche Umgebung ein. Von Jessica Kliem