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Home Sonderthemen Havelland Per Knopfdruck verdunkelt
07:47 03.07.2018
Mit elektrochromem Glas kann der Lichteinfall gesteuert werden. FOTOS: EPR/SCHWÖRERHAUS, FOTOLIA

Von Ulrich Nettelstroth 

Nicht einmal eine Minute dauert es, dann hat sich die vorher klare Scheibe verdunkelt. Hindurchschauen ist weiter möglich, aber vor allem die Infrarotstrahlung wird herausgefiltert, so dass es im Raum trotz starker Sonneneinstrahlung angenehm kühl bleibt. Potsdamer Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP in Golm haben das bereits seit längerer Zeit bekannte Verfahren Elektrochromie weiter verfeinert. Das Prinzip: In Gießharz eingebaute Kunststoff-Moleküle verbinden sich beim Anlegen einer Gleichspannung zu einem lichtundurchlässigen Groß-Molekül, einem sogenannten Polymer. Wird der Stromkreislauf unterbrochen, kehrt sich der Vorgang um.

Das in Potsdam entwickelte Verfahren verbessert die Technik und macht sie vielseitiger anwendbar. Bislang dauerte es bei großen Scheiben bis zu 20 Minuten, bis die Abschattung aktiviert wurde, mit der neuen Technik geht es in Sekundenschnelle. Außerdem erzeugten die Gläser beim Verdunkeln immer eine Blaufärbung, jetzt sind auch andere Farbtöne möglich, etwa Rot oder Lila. Ein weiterer Vorteil: Schon ein Verbund aus zwei Scheiben reicht aus. Das senkt die Materialkosten. Zusammen mit der Tilse Formglas GmbH in Nennhausen (Havelland) soll das Verfahren zur Marktreife entwickelt werden. Dabei geht es unter anderem um den Einsatz im Bootsbau, in dem elektrochrome Gläser bisher nur schwer einsetzbar waren.

Für Bürogebäude sind die auf Knopfdruck zu verdunkelnden Scheiben schon länger gefragt, aber auch bei Wohnhäusern verbreiten sie sich immer mehr. Schließlich sind große Fenster beliebt, weil sie viel Licht in die Räume lassen – setzen aber eine effiziente Verdunklung voraus. Das kann sehr aufwendig sein. Mit elektrochromen Fenstern dagegen funktioniert es vollautomatisch. Im Sommer lässt die steuerbare Tönung nur wenig Wärme in die Räume. Im Winter wiederum sind die Scheiben klar.

Noch ist die neue Technik teuer. Als Alternative stehen Bauherren Beschattungssysteme zur Verfügung, bei denen im Zwischenraum zwischen den Glasscheiben eines Isolierglases ein Sonnenschutz integriert ist, etwa in Form einer schmalen Jalousie. Im Vergleich zu klassischem außenliegenden Sonnenschutz sind solche Systeme wirkungsvoller und praktisch wartungsfrei. Wer solche Jalousien verwendet, kann diese eventuell mit einer Tageslichtlenkung verbinden. Dabei wird das Sonnenlicht durch ein meist im Oberlichtbereich des Fensters angebrachtes Lenksystem entweder in den Raum gestreut oder gezielt an eine möglichst gut reflektierende Decke gelenkt und von dort aus in die Raumtiefe transportiert.

Sonniges Brandenburg

Mit 660 Sonnenstunden lag Brandenburg im Sommer 2017 an vierter Stelle unter den Bundesländern, nach Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen.

Am wenigsten Sonnenschein gab es in den nordwestlichen Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mit 560 Stunden.

In Falkensee (Havelland) wohnen und in Berlin arbeiten – das kann sich laut Postbank Wohnatlas lohnen. Grund sind die niedrigeren Wohnkosten, denen gegenüber die Ausgaben für das Pendeln kaum ins Gewicht fallen. Bei Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist der Kaufpreisvorteil erst nach 28,9 Jahren aufgebraucht, bei täglicher Fahrt mit dem Auto nach zwölf Jahren. Falkensee hat von allen untersuchten Berliner Umlandgemeinden das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis für Pendler. Das Hamburgische Weltwirtschaftinstitut hat für die Postbank eine Modellrechnung entwickelt, mit der sich die Kosten für den Arbeitsweg erstmals beziffern lassen. Verglichen wird jeweils der Kauf einer 70-Quadratmeter- Wohnung in Berlin und in den Umlandkreisen. Ähnlich positiv wie in Falkensee stellt sich für Pendler auch in Teltow (Potsdam-Mittelmark) und Blankenfelde- Mahlow (Teltow-Fläming) das Verhältnis dar. Dort übersteigen nach 26,8 beziehungsweise 23,4 Jahren die Wegekosten die Kaufpreisdifferenz. In Oranienburg (Oberhavel) sind es 11,1 Jahre und in Königs Wusterhausen 15,0 Jahre. Bei Pkw-Nutzung sind die Zeitspannen überall deutlich kleiner.

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