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Home Sonderthemen Zossen Pauschalen reichen nicht
10:57 21.09.2020
Die Kindermedizin (der Warteraum einer Klinik) braucht eine bessere Finanzierung.Fotos: F. Molter/dpa

Die Finanzierung der Kinder- und Jugendmedizin soll verbessert, die bestehenden Fallpauschalen bei der Abrechnung mit den Krankenkassen sollen abgeschafft werden. Dafür plädieren nicht nur mehrere Bundesländer, sondern auch die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). In Kooperation mit Kinderorthopäden und -chirurgen wird eine entsprechende Bundesratsinitiative Mecklenburg-Vorpommerns unterstützt. Das vorhandene Pauschalenmodell, „Diagnosis Related Groups“, diagnosebezogene Fallgruppen (DRG) genannt, muss laut DGOU so angepasst werden, dass auf Kinder spezialisierte Zentren erhalten bleiben.

„Wir brauchen ein Finanzierungsmodell, das die besonderen Bedürfnisse von Säuglingen, Kleinkindern, Schulkindern und Jugendlichen berücksichtigt und damit kostendeckend ist“, sagt DGOU-Präsident Dieter C. Wirtz. Kinderfachärzte sprechen sich für eine konsequente Umgestaltung der Finanzierung aus: Sie schlagen eine direkte Kostenerstattung vor, beziehungsweise einen nach Alter gestaffelten Aufschlag auf die Fallpauschalen bei der Behandlung von Kindern. Gerade in jungen Jahren ist demnach eine exzellente Behandlungsqualität erforderlich, da mit lebenslangen Folgen zu rechnen ist. 

Kinder-Fachdisziplinen etwa der Orthopädie oder Traumatologie leiden unter einem besonders starken ökonomischen Druck. Der Aufwand für die Therapie von Krankheiten im Kindesalter wird in 95 Prozent der Fälle wie eine Behandlung von Erwachsenen berechnet. Dabei ist die Personalintensität bei der Versorgung von Kindern wesentlich höher und die Behandlung zeitaufwendiger.

Auch die Zeit für aufklärende Elterngespräche ist im Rahmen der DRG-basierten Krankenhausfinanzierung kaum möglich. Ein weiterer Kostenfaktor ist die benötigte spezielle Ausstattung: Die verwendeten Platten, Schrauben, Nägel und andere Implantate für Kinder sind wesentlich teurer.

Der Kostendruck führt auch dazu, dass die Behandlung von Heranwachsenden nicht im Sinne einer Spezialisierung gebündelt, sondern von vielen Häusern quasi nebenbei miterledigt wird. Zudem wurden in letzter Zeit zunehmend kinderchirurgische und -orthopädische Stationen verkleinert oder geschlossen. „Durch das systematische Kleinhalten von Fallzahlen aus wirtschaftlichen Gründen wird im Bereich der Kinderorthopädie eine Spezialisierung auf Kinder mit Krankheiten im Bereich des Bewegungsapparates systematisch verhindert“, so Robert Rödl von der DGOU-Vereinigung für Kinderorthopädie. Verschärft werde dies dadurch, dass die über 400 verschiedenen kinderorthopädischen Erkrankungen meist seltene Leiden sind, sodass Fachärzte nur wenige Male eine solche Diagnose behandeln und somit immer wieder vollkommen unerfahren sind. Von Gerald Dietz


Sepsis auf dem Vormarsch

Impfungen gegen Erreger möglich

In Deutschland werden nach Angaben der Sepsis-Stiftung jährlich 320 000 Sepsis-Fälle von Hospitälern gemeldet. Über 70 000 Menschen sterben an diesen Blutvergiftungen. Oft wird von der häufigsten vermeidbaren Todesursache gesprochen. Ein Grund für die hohe Sterberate ist, dass die Krankheit häufig nicht früh genug erkannt und somit erst spät behandelt wird.

Ursachen sind unterschiedlich. Vor einigen Auslösern, wie den lebensbedrohlichen Meningokokken, die durch Tröpfcheninfektionen übertragen werden, sind Impfungen möglich. Meningokokken-Erkrankungen sind selten (2019 in Deutschland 256 Fälle), können aber schnell lebensgefährlich werden.

Die Symptome einer Sepsis können unspezifisch sein, sich in Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Schwindel äußern. Wenn die Krankheit unerkannt fortschreitet, kann es zu Hauteinblutungen, Blutdruckabfall und Organversagen kommen. Besonders gefährdet sind Babys und Kleinkinder, da ihr Immunsystem noch nicht voll ausgebildet ist. Mögliche Impfungen sollten mit dem Kinderarzt abgesprochen werden.

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