Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Anzeige
Ostergrüsse

Süß und wertvoll

Süß und wertvoll Bildunterschrift anzeigen Bildunterschrift anzeigen

Fotos: Bernd Gartenschläger, adobe stock/svetamart, adobe stock/Ermolaev Alexandr Alexandrovich

Bald schon werden sie wieder im Park Sanssouci grasen und Landschaftspflege betreiben. 150 Schafe, dreimal soviel wie in den Vorjahren, sollen ab Mitte Mai in Nachbarschaft des Schlosses Parkwiesen mit ihrem Kot düngen und gleichzeitig kurzhalten. Die Ausschreibung für die „Schafbeweidung“ umfasse eine Fläche von 15 Hektar, teilte die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) jetzt mit. In den vergangenen Jahren waren es fünf Hektar. Seit 2018 trifft die Stiftung begleitet durch Arbeitsgruppen der Universität Potsdam und den Botanischen Garten entsprechende Arrangements mit Schäfern zur „lebendigen und umweltfreundlichen Wiesenpflege“. Ersetzt werden so laute Traktoren mit Schlegelmähwerk und eventuell künstliche Düngestoffe. Zugleich fördern die Tiere die Artenvielfalt und erfreuen Spaziergänger.Doch nicht nur auf einst feudalen Wiesen wie in Sanssouci oder in Paretz und in Charlottenburg im benachbarten Berlin werden die Eigenarten der Säugetiere genutzt, die weit über den Service des Mähens und der Wachstumsförderung hinausgehen. In anderen Regionen sind Schafe vielfach etwa im Deichschutz im Einsatz oder sorgen in der Agrarwirtschaft für bessere Erträge – wie die Vierbeiner von Mike Ebert.   

Schafe sind nicht nur im Park Sanssouci gefragte Dienstleister

Wenn der Hirte „komm her, komm“ ruft und dazu pfeift, wissen seine mehr als 400 Schwarzkopf- und Suffolk-Schafe schon Bescheid: Sie setzen sich trottend in Bewegung zu einer anderen Futterweide rund um den Spargelhof Sonnenberg in Rauschendorf (Oberhavel). „Mit dem Pfeifen merken sie, dass auch die Hunde im Spiel sind“, sagt Ebert mit Blick auf seine Schäferhunde und den Schafspudel. Der Zabelsdorfer ist schon seit seinem 16. Lebensjahr Schäfer und leitet als Meister seit Dekaden einen eigenen Betrieb. Zu dieser Jahreszeit ist der 52-Jährige mit seiner Herde auf den Sommerweiden am Spargelhof aktiv.

In der grünen und waldreichen Landschaft sind die Schafe nicht nur mit ihrem Kot zur Düngung beliebt. „Ihr goldener Tritt“ sorge auch dafür, dass die Grasnarbe der Böden gestärkt und die Gefahr von Erosionen gesenkt wird, weiß Ebert. „Da wurde ja so viel vergessen mit der Zeit“, sagt er zu den lange vernachlässigten und nun wieder mehr gefragten Diensten der Tiere. Auch in den anderen Gegenden, in denen die Herde des Hirten das Jahr über unterwegs ist, „sind die Bauern froh, dass wir da sind“.

Gegenwärtig hat Ebert noch einiges zu tun mit der Lammzeit. Die Böcke hält er zwar das ganze Jahr über in der Herde, aber der Winter und das Frühjahr sind mit teils bis zu 200 neuen Lämmern jährlich doch die Hauptzeit des Gebärens und damit die arbeitsreichsten Wochen auch eines Schäfers. Erst geht es darum, die zuweilen doch etwas aufgedrehten Muttertiere zu beruhigen. Später wird er teils zum Geburtshelfer. Etwa wenn ein Jungtier rückwärts in der Gebärmutter liegt oder andere Schwierigkeiten hat, auf die Welt zu kommen und auch dort zu bleiben.

Dann muss dafür gesorgt werden, dass die Lämmer gut Milch zu trinken bekommen und auch selbst in der Lage sind, ordentlich zu saugen. Sonst geht es daran, für Ersatz und sogenannte Kolostralmilch mit der Flasche zu sorgen. Zuweilen gibt es auch verwaiste Lämmer, um die sich Ebert zu kümmern hat.

Auch seine Lämmer landen gelegentlich auf der Tafel als Braten. Sie gehen sowohl an einen Schlachtbetrieb im Berliner Süden als auch in den Privatverkauf. Eine einmal jährlich wiederkehrende Einnahmequelle ist zudem die Schur, für die Ebert einen Trupp aus Thüringen engagiert hat, der im August kommt. Das Schafsfell seiner Tiere wird nicht etwa zu Wolle für Textilien, sondern zu Dünger: „Den kompostiere ich selbst nach dem Rezept eines Wissenschaftlers einer Berliner Hochschule.“

Ebert weiß um die Nöte mit Blick auf den Schäfer-Nachwuchs. „Bei 365 Tagen Arbeit im Jahr ist kaum einer zu finden, der das machen will“, sagt er, der zu DDR-Zeiten noch in einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) als Schäfer begonnen hat. Die bekannten Zahlen über neue Ausbildungsbetriebe für den Tierwirt Schäferei lassen weitere Rückgänge befürchten. Derzeit sind es in Brandenburg ganze zwei Azubis und in Berlin einer. Ursache ist nicht ein Mangel an Ausbildungskapazitäten, sondern auch an entsprechenden Berufsschulen. Gerald Dietz