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Home Sonderthemen Oberhavel Plädoyer an Kunden: Fahr nicht fort, kauf am Ort
14:16 27.04.2020
In der Bernauer Straße in Oranienburg ist die Zwangspause für die meisten Läden vorbei.
FOTOS: KNUT HAGEDORN/STEFAN BLUMBERG

Die Fesseln sind gelöst – wenn auch nur ein bisschen. Die ersten Unternehmer in der Oranienburger Innenstadt nahmen das Angebot an, ihre Türen am Mittwoch zu öffnen. Während der Corona-Pandemie hatten sie sehnsüchtig darauf gewartet, wieder für die Kunden da zu sein, allerdings schwang beim Geschäftsstraßenmanager der Citygemeinschaft Oranienburg, Stefan Wiesjahn, eine gewisse Skepsis mit. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass so viele ihre Geschäfte sofort aufschließen würden. Aber ich habe mich getäuscht.“ Lediglich zwei Inhaber teilten ihm mit, „dass sie die Sicherheitsstandards nicht sofort erfüllen können“. Sie müssen erst Umbaumaßnahmen ausführen. Allerdings haben nicht alle der 47 Mitglieder der Citygemeinschaft auf Wiesjahns Umfrage reagiert. Klar ist, dass 18 Geschäfte seit Mittwoch wieder für ihre Kunden da sind – neben denen, die ohnehin offen bleiben durften.

In der mehrwöchigen Auszeit wider Willen bewiesen die Unternehmer aus Oberhavel Kreativität. Je nach Branche wurde versucht, das eigene Produkt an die Frau oder an den Mann zu bringen. Vor allem der Lieferservice rückte dabei in den Mittelpunkt. Andere versuchten es mit Gutscheinverkäufen. In Neuglobsow wurde das Café Glasklar über Nacht in einen Dorfladen umfunktioniert. Betreiber von Buchläden machten in der Zeit der Schließung nach außen Werbung der anderen Art: Es wurde kein Produkt vorgestellt, dafür aber die eigene Arbeitsweise: „Wir sind weiter mehrere Stunden im Geschäft, gehen ans Telefon und lesen unsere E-Mails. Wir können Sie so weiter beraten und Ihre Bestellungen entgegennehmen. Im Stadtgebiet können wir Sie gern kostenlos beliefern.“ Die Geschäfte, die schon vorher im Onlinehandel aktiv waren – in Oranienburg zum Beispiel „Nanis Kinderparadies“ – befanden und befinden sich klar im Vorteil. Dort ging der Verkauf weiter. Der erste zaghafte Schritt in Richtung Normalität ist getan.



"Wir werden noch monatelang nicht da sein, wo wir vor der Schließung waren."

Stefan Wiesjahn, Geschäftsstraßenmanager Oranienburg


Im Stadtgebiet können wir Sie gern kostenlos beliefern.“ Die Geschäfte, die schon vorher im Onlinehandel aktiv waren – in Oranienburg zum Beispiel „Nanis Kinderparadies“ – befanden und befinden sich klar im Vorteil. Dort ging der Verkauf weiter. Der erste zaghafte Schritt in Richtung Normalität ist getan. Aber mit Sicherheitsstandards und Beschränkungen müssen Unternehmer und Kunden noch lange leben. „Denn wir werden noch monatelang nicht da sein, wo wir vor der Schließung der Geschäfte waren“, sagt Stefan Wiesjahn. Die Betreiber der Geschäfte können zwar wieder Kunden empfangen – aber alles in gebremster Weise. „Ich habe versucht, einen Sicherheitsleitfaden zu entwerfen und ihn unseren Mitgliedern an die Hand zu geben, an dem sie sich orientieren können“, sagt Stefan Wiesjahn. Darin enthalten ist selbstredend der Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern, der weiterhin eingehalten werden muss. Das zieht nach sich, dass Kunden nur dosiert in Geschäfte kommen. Manche Läden halten eine begrenzte Zahl von Einkaufskörben bereit. Wenn die vergriffen sind, muss der nächste Kunde warten. Es gibt in Oberhavel auch Arztpraxen, bei denen die Patienten vor der Praxis in ihren Autos warten müssen und einzeln aufgerufen werden.

Die Händler und Dienstleister der Citygemeinschaft Oranienburg sind auf die einheimischen Kunden angewiesen. Sie bitten sie darum, ihnen die Treue zu halten und den Rücken zu stärken: „Fahr nicht fort – kauf am Ort!“ lautet die Devise. Von Stefan Blumberg
  

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