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Home Sonderthemen Fläming Motivation zum Impfen nimmt zu
14:11 22.10.2019
Die Ausgaben für Impfstoffe haben zuletzt stark genommen. FOTOS: ARNE DEDERT/DPA

Von Gerald Dietz 

Die Impfmüdigkeit grassiert weiter in Deutschland, aber es gibt Anhaltspunkte, dass sie nachlassen könnte. Offenbar gelingt es doch, Andersdenkende und Zweifler zu überzeugen, dass beim Kampf gegen viele Infektionskrankheiten Unterstützung für das eigene Immunsystem hilfreich sein kann. Das zeigen etwa Berechnungen des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), der aktuelle Zahlen des Deutschen Arzneiprüfungsinstituts (DAPI) ausgewertet hat.

Während demnach 2018 die Ausgaben der Krankenkassen für Impfstoffe nur um 4,5 Prozent auf 1,284 Milliarden Euro angestiegen waren, gab es im ersten Quartal 2019 bereits ein Plus von 13,7 Prozent. Im Mai 2019 – dem letzten Monat der aktuellen Berechnung – betrug der Anstieg sogar 38,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Grund für den Ausgabenanstieg ist vor allem der vermehrte Einsatz von Impfungen gegen Gürtelrose (Varizella Zoster), Hirnhautentzündungen – besonders in der speziellen Form der Frühsommer Meningoenzephalitis (FSME) und humane Papillomaviren (HPV), die von Warzen bis hin zum Gebärmutterhalskrebs zahlreiche Tumore besonders im Genitalbereich hervorrufen können.

Die besonders in den letzten Wochen ansteigenden Grippeschutzimpfungen hatten dabei noch wenig Einfluss auf die Berechnungen des Apothekerverbandes. Aber aktuelle Meldungen könnten auch hier die Impfmotivation steigern. In der Saison 2017/2018 mit einer besonders starken Grippewelle in Deutschland hat es demnach die höchste Zahl an Todesfällen in den vergangenen 30 Jahren gegeben. Durch die sogenannte Influenza starben damals nach jüngsten Schätzungen des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI) mehr als 25 000 Menschen.

Der Anstieg der FSME-Impfungen dürfte auf die verstärkte öffentliche Wahrnehmung von Zeckenpopulationen und Erkrankungszahlen im abgelaufenen Jahr 2018 zurückzuführen sein.

Zu Impfungen gegen die Gürtelrose hatte die ständige Impfkommission (STIKO) besonders Menschen ab 60 Jahren aufgerufen, weil in reiferen Jahren das Erkrankungsrisiko steigt.

Die früher nur für Mädchen empfohlene Papillomaviren-Impfung ist nun auch für Jungen zwischen neun und 14 Jahren ein Bestandteil des Leistungskatalogs der Krankenkassen. Die Impfquote von 31 Prozent (2015) bei den 15-Jährigen in Deutschland sei im Vergleich der Industrieländer gering, hatten erst kürzlich Fachleute aus Gesundheitswesen, der Forschung und Politik bei einer Veranstaltung des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg zu HPV-assoziierten Krebserkrankungen gewarnt. Sie müsse innerhalb der nächsten fünf Jahre auf mindestens 70 Prozent wachsen.

Die Bundesregierung hat zudem ein Gesetz zur Masernimpfpflicht auf dem Weg gebracht, nach dem Eltern ab März 2020 vor der Aufnahme ihrer Kinder in eine Kita oder Schule nachweisen müssen, dass diese geimpft sind. Eine Zustimmung des Bundestages steht aber noch aus.

Der DAV ruft im Zusammenhang mit den laufenden Diskussionen wieder dazu auf, den eigenen Impfpass zu prüfen. „Gegen Tetanus oder Masern sollte natürlich jedermann geimpft sein“, sagt Stefan Fink, Mitglied im Vorstand des Apothekerverbandes. Darüber hinaus gebe es je nach Alter, Saison oder Region weitere Impfungen, die unbedingt empfehlenswert sind. Jeder Reisende sollte sich zudem informieren, welche Impfungen in den Zielregionen nötig sind.

Mit dem Herbst startet die Grippezeit. Ideal für eine Impfung sind die Monate Oktober und November. Doch die Impfquoten bei Grippe, auch Influenza genannt, sinken seit Jahren deutschlandweit. Sogar bei Risikogruppen wie älteren Menschen sind sie niedrig.

Ließ sich im Jahr 2008 geschätzt noch etwa jeder dritte Bundesbürger impfen, war es 2018 lediglich jeder fünfte. Und das, obwohl Grippeviren schwere Erkrankungen wie eine Lungenentzündung auslösen und im Extremfall sogar tödlich enden können.

Anders als ein grippaler Infekt (Erkältung) setzt eine Grippe schlagartig ein mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopf-, Rücken- und Gliederschmerzen.

Grippeimpfungen sollten jährlich erneuert werden, da die zur Erkrankung führenden Virenstämme sich ständig verändern.

Die Darmflora stärkt das Immunsystem.          FOTO: STOCK.ADOBE.COM
Die Darmflora stärkt das Immunsystem.          FOTO: STOCK.ADOBE.COM

Allergien sind in Deutschland auf dem Vormarsch: Nach neuesten Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) leidet rund jeder Dritte im Laufe seines Lebens an einer Allergie. Heuschnupfen, Asthma und Neurodermitis sind dabei die häufigsten Erscheinungsformen. Immer öfter betroffen sind Heranwachsende, nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ein Viertel aller unter 18-Jährigen.

Seit Jahren sucht die Medizin nach Wegen, um Allergien zu therapieren oder sogar zu verhindern. Neueste wissenschaftliche Forschungen weisen auf einen engen Zusammenhang mit der Ernährung und dem Immunsystem hin. Demnach könnten kurzkettige Fettsäuren, die im Darm entstehen, in den kommenden Jahren zu einem entscheidenden Schlüssel im Kampf gegen Allergien werden – gerade auch bei Kindern.

Voraussetzung dafür, dass dem Organismus genügend kurzkettige Fettsäuren zur Verfügung stehen, ist die ausreichende Verfügbarkeit von Ballaststoffen aus Pflanzenfasern. Bei vielen Mitteleuropäern hat die moderne, ballaststoffarme Ernährungsweise dazu geführt, dass wichtige zum Immunschutz zählende Darmbakterien nicht mehr in ausreichender Zahl vorkommen. In der Folge werden nicht mehr genügend kurzkettige Fettsäuren von der Darmflora produziert.

„Kurzkettige Fettsäuren könnten dazu beitragen, Allergien zu therapieren oder gar zu verhindern“, heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie. Kurzkettige Fettsäuren, das sind Essig-, Butter- und Propionsäure. „Bei allergischen Kindern zeigt sich immer wieder, dass es ihnen gerade an den Bakterien fehlt, die für die Produktion kurzkettiger Fettsäuren verantwortlich sind“, sagt auch der Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Pathobiochemie und Molekulare Diagnostik am Universitätsklinikum Marburg, Harald Renz.

Hintergrund sind unter anderem Forschungen in der Schweiz. Wissenschaftler dort analysierten die Stuhlproben von mehr als 300 einjährigen Kindern. Die Forscher stellten dabei zum einen fest: Es gibt einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Gehalt an kurzkettigen Fettsäuren und der Ernährung.

Zum anderen fanden sie heraus: Kinder mit den höchsten Propionat- und Butyratwerten – den Salzen der kurzkettigen Fettsäuren Propion-Buttersäure – haben ein deutlich geringeres Allergierisiko und erkranken in späteren Jahren erheblich weniger an Asthma. Die Forscher hoffen nun auf eine „ernährungsbasierte Präventionsoption für allergische Erkrankungen bei Kindern“. Auch andere Studien belegen, dass es zwischen dem Mikrobiom im Darm – der auch ernährungsbedingten Zusammensetzung und Menge der Bakterienstämme – und dem Immunsystem einen direkten Zusammenhang gibt. gd


Die Erkrankung ist schmerzhaft, ansteckend und unter Umständen mit Komplikationen verbunden. Rund 24 000 Menschen in Brandenburg erkranken jährlich an Gürtelrose. „Da Gürtelrose vor allem bei älteren Personen einen schweren Verlauf nehmen kann, sollten diese eine Schutzimpfung in Betracht ziehen“, sagt Gabriela Leyh, Landesgeschäftsführerin der Barmer-Krankenkasse. Seit Mai diesen Jahres ist für Personen ab 60 Jahren eine Gürtelrose-Impfung Kassenleistung.

Gürtelrose kann jeden treffen, der schon einmal an Windpocken erkrankt war. Die für beide Erkrankungen verantwortlichen Varizella-Zoster-Viren verbleiben nach einer Windpockenerkrankung unbemerkt im Körper und nisten sich in den Nervenwurzeln ein. Ist das Immunsystem geschwächt, etwa im Alter oder durch Stress, können sich die Viren wieder vermehren und entlang des betroffenen Nervs zu einer schmerzhaften Entzündung, Hautausschlag sowie Fieber führen.

Wer diese Symptome bei sich feststellt, sollte einen Arztbesuch nicht hinauszögern, da möglichst schnell eine antivirale Therapie eingeleitet werden sollte. Während eine Gürtelrose bei jungen Menschen meist relativ unkompliziert verläuft, sind Patienten in reiferen Jahren deutlich häufiger von Komplikationen betroffen.


Trockene Haut ist in Herbst und Winter ganz normal. Betroffene sollten aber sehr trockene Stellen pflegen. Ansonsten können sich schnell schmerzhafte Entzündungen, sogenannte Trockenheitsekzeme bilden. Betroffen sind vor allem Unterschenkel, Rumpf, Arme und Kopf, bei Älteren eher als bei Jüngeren. Im Alter hat die Haut Probleme, Fett und Feuchtigkeit zu binden. Die Entzündungen sind als Hinweis auf ein funktionierendes Immunsystem eigentlich ein gutes Zeichen. Die Ekzeme entstehen, wenn sich in sehr trockener Haut Risse bilden, durch die Bakterien oder Pilze eindringen.


Wandern ist gesund – selbst wenn es jeden Tag nur ein kurzes Stück ist. Wer nur eine halbe Stunde pro Tag zügig geht, tut bereits einiges für seine Gesundheit, raten Gesundheitsfachleute. Das gilt vor allem dann, wenn es dabei nicht nur über Asphalt geht, sondern über Stock und Stein: Das Gehen auf unebenen, abwechslungsreichen Untergründen stärkt den Bewegungsapparat und das Herz-Kreislauf-System. Zudem profitiert das Immunsystem von frischer Luft und der Stoffwechsel gerät in Schwung.

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