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08:13 09.05.2019
Verluste werden in der Einkommensteuererklärung vermerkt. FOTOS: FRANZISKA KOARK/DPA; DPA

Von Falk Zielke und Gerald Dietz  

Bemühungen um einen neuen Job, die aufs Geld gehen, Investitionen in die Ausbildung oder auch die Renovierung einer vermieteten Immobilie – in manchen Jahren übersteigen Ausgaben die Einnahmen. Doch derartige Verluste lassen sich teilen, denn sie können die Steuerlast mindern. „Das Finanzamt zieht den Verlust in anderen Jahren bei der Berechnung des Einkommens ab“, sagt Uwe Rauhöft vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL). Das funktioniert entweder als Verlustrücktrag oder -vortrag.

Doch für wen lohnt ein solcher Verlustabzug? Der Klassiker seien sicher Studierende, so Rauhöft. Sie hätten meist wenig Einnahmen, aber hohe Ausgaben für die Ausbildung. Zumindest bei einer Zweitausbildung würden Studienkosten in der Regel als Werbungskosten anerkannt. Bei Studierenden im Erststudium erkennt das Finanzamt aktuell die Studienkosten lediglich als Sonderausgaben an, ein Verlustvortrag ist damit also derzeit noch nicht möglich. Ein Urteil in einem vor dem Bundesverfassungsgericht laufenden Verfahren steht noch aus.

Auch Arbeitslose, die sich um einen Job bemühen müssen und Kosten für Bewerbungen oder Fortbildungen haben, könnten Verluste geltend machen, weiß Rauhöft. Ebenso private Vermieter, die in ihre Immobilie investieren und mehr Kosten als Einnahmen haben, hätten die Möglichkeit, Ausgaben als Werbungskosten geltend zu machen.

Konkret wird der Verlustabzug über die Einkommensteuererklärung umgesetzt. Die Formulare werden im Grunde genauso ausgefüllt wie bei positiven Einkünften. Bei der Ausfüllung des Mantelbogens müssen dann aber gleich zu Beginn zwei Kreuze gemacht werden: In dem Kästchen „Einkommensteuererklärung“ und in dem zur „Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrages“. Ein Arbeitnehmer etwa, der sich um einen neuen Job bemüht hat, müsse seine Bewerbungsausgaben in diesem Fall in die Anlage N eintragen. erklärt Rauhöft. Im Unterschied zu Berufstätigen stehe auf der ersten Seite der Anlage N dann eventuell bei den Einnahmen aber eben nichts.


"Das Finanzamt zieht den Verlust bei der Berechnung des Einkommens ab."

Uwe Rauhöft
Bundesverband
Lohnsteuerhilfevereine


Der Fiskus versucht diesen Verlust zunächst ein Jahr zurückzutragen, also etwa für 2018 nach 2017. Wurde im Vorjahr eine Steuer festgesetzt, kann durch den Verlustabzug so eine nachträgliche Erstattung drin sein. Falls sich der Verlustabzug im Vorjahr nicht oder nicht in vollem Umfang steuermindernd auswirkt, könne in der Steuererklärung auf der Seite vier des Mantelbogens beantragt werden, dass der Rücktrag ganz oder teilweise unterbleiben soll, so der Steuerexperte. Dann wird der verbleibende Verlust gesondert bescheinigt und in das Folgejahr, also in diesem Fall für 2019, vorgetragen.

Falls im Folgejahr wiederum Verluste zu verzeichnen sind, rechnet das Finanzamt den vorgetragenen Verlust mit dem neuen Verlust, im Beispielfall also aus dem Jahr 2019, zusammen und erstellt eine neue Bescheinigung über den verbleibenden Verlustvortrag zum 31. Dezember 2019. Dieser Verlust steht dann wiederum für den Abzug im Jahr 2020 zur Verfügung. Nach der Steuererklärung verrechnet der Fiskus, soweit möglich, den Verlust mit positivem Einkommen. Ist das nicht möglich, wird ein erneuter Bescheid über den verbleibenden Verlust ausgestellt, und das Verfahren setzt sich dann fort. (mit dpa)


Die Anrechnungsbeträge für Umzüge wurden erhöht. FOTO: DPA
Die Anrechnungsbeträge für Umzüge wurden erhöht. FOTO: DPA

Wer aus beruflichen Gründen umziehen muss, kann nach Auskunft von Fachleuten der Arag-Versicherung mittlerweile mehrfach erhöhte Kostenpauschalen von der Steuer abziehen. Diese steuerliche Anrechnungsmöglichkeit ist demnach sogar rückwirkend möglich.

Die aktuell seit dem 1. April gültigen Pauschalen betragen für Ledige 811 Euro, für Ehepaare 1622 Euro und für jedes weitere Haushaltsmitglied – unabhängig davon, ob nun Kind oder Oma – 357 Euro. Die jeweiligen Beträge waren bereits im März 2018 gegenüber den früheren Werten auf 787, 1573 und 347 Euro angehoben worden. Für Umzüge ins Ausland sind höhere Beträge festgelegt.

Doch das ist nach Angaben der Arag-Experten noch nicht alles. Denn neben dem Pauschalbetrag für sogenannte sonstige Umzugskosten – wie zum Beispiel Zeitungsanzeigen, Gebühren für die Ummeldung oder ein neues Kfz-Kennzeichen – können zusätzlich nicht nur die Einzelkosten für Makler, Fahrtkosten und die Kosten für eine Spedition steuerlich geltend gemacht werden. Unter Umständen werden sogar die Kosten der Nachhilfe für ein Kind berücksichtigt, das durch den Umzug die Schule wechseln musste und in der neuen Klasse nun nicht den Anschluss verpassen soll.

Dabei werden demnach jährlich Aufwendungen bis zu einem Höchstbetrag von 1984 Euro pro Kind berücksichtigt. Auch dies ist rückwirkend bis zur ersten Anhebung im März 2018 möglich.


Für privat Krankenversicherte kann es steuerlich nachteilig sein, Arztrechnungen nicht einzureichen, um dadurch in den Genuss einer Beitragsrückerstattung zu kommen. Darauf weisen Fachleute der Arag-Versicherung hin.

In einem konkreten Fall zahlte ein privat Versicherter sämtliche Arztrechnungen selbst und bekam im darauffolgenden Jahr einen Teil seiner gezahlten Beiträge von seiner Krankenversicherung zurück. Als das Finanzamt davon erfuhr, verrechnete es allerdings demnach die Erstattung mit den steuerlich als Sonderausgaben abziehbaren Beiträgen. Daraufhin versuchte der Versicherte, die selbst getragenen Arztkosten als außergewöhnliche Belastung geltend zu machen. Doch dies erkannte der Fiskus nicht an.

Info FG B-B, Az.: 11 K 11327/16


Wer nebenberuflich als Übungsleiter tätig ist, kann Verluste steuerlich geltend machen. Das hat der Bundesfinanzhof entschieden. Demnach ist der Steuerabzug auch möglich, wenn die Einnahmen den Übungsleiterfreibetrag von 2400 Euro pro Jahr nicht übersteigen. Im verhandelten Fall hatte der Kläger als Übungsleiter 108 Euro Einnahmen. Dem standen 608 Euro Ausgaben gegenüber. Die Differenz (500 Euro) machte er in der Steuererklärung als Verlust aus selbstständiger Tätigkeit geltend.


Bisher wühlten sich im Mai viele durch Rechnungen, Belege und Steuerformulare: Bis Ende des Monats musste die Steuererklärung vorliegen. Ab diesem Jahr haben Steuerpflichtige zwei Monate länger Zeit. Abgabeschluss für die Steuererklärung ist jetzt der 31. Juli. Wer sich von einem Steuerberater helfen lässt, hat sogar noch mehr Zeit: bis Ende Februar 2020. Wer zu spät einreicht, muss mit Zuschlägen von mindestens 25 Euro pro angefangenem Monat rechnen.

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