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Home Sonderthemen Fläming Mehrere Wege der Abgabensenkung
07:40 23.07.2020
Über die Folgen der Mehrwertsteuersenkung herrscht in der Fahrrad- Branche noch Uneinigkeit. Fotos: Florian Schuh/dpa

Anfang des Monats trat die Senkung der Mehrwertsteuer auf 16 beziehungsweise fünf Prozent in Kraft. In Diskussion ist die Umsetzung im Einzelhandel schon länger. Zweifel bestehen daran, ob die Herabsetzung auch beim Verbraucher ankommt. Zusätzliche Kaufanreize bleiben ohnehin fraglich. Die Fahrradbranche hat bislang von der Corona-Krise profitiert. Hersteller gehen unterschiedlich mit der Steuersenkung um.

Der deutsche Premium-Bike-Produzent Riese & Müller ließ nach Angaben des Pressedienst-Fahrrad bereits Anfang Juni verlautbaren, dass die Mehrwertsteuersenkung komplett an Kaufinteressierte weitergereicht werde. Dafür wurden die Brutto-Preisempfehlungen entsprechend verringert, die Netto-Preisempfehlungen blieben unverändert. „Wir halten es in unserer Branche, die einen Boom erlebt, für richtig, dass diese Maßnahme zu 100 Prozent bei den Fahrern unserer E-Bikes ankommt“, begründet das Unternehmen den Schritt.

Einen anderen Weg geht der fränkische Mountainbike-Hersteller YT Industries. Der Online-Anbieter hat sich entschieden, die Verkaufspreise unverändert zu lassen und den Steuervorteil an ausgewählte Bike-Interessenverbände zu spenden. Das sorgte für Gegenwind. „Dessen waren wir uns bewusst, weil es auch unser Prinzip ist, für kontroverse Diskussionen zu sorgen“, so Marketing-Manager Sebastian Maag. Mittlerweile hätten sich auch 30 Projekte um Zuwendungen beworben. Der gängige Weg in der Branche scheint ein anderer: „Unsere unverbindlichen Preisempfehlungen bleiben bestehen“, sagt Pressesprecher Alexander Kraft vom Liegeradhersteller HP Velotechnik.

Der Steuervorteil werde vom Fachhandelspartner gewährt, der einen Rabatt von 2,5 Prozent auf den Listenpreis gibt. Ein Weg, den laut Pressedienst-Fahrrad auch Zubehörhersteller gehen. „Wir haben unsere Preislisten nicht geändert, weil der Aufwand sehr hoch ist. Wir haben es dem Händler freigestellt“, so Sarah Baukmann vom Luftpumpenhersteller SKS Germany. Auch beim Lichtexperten Busch & Müller habe man zwar eine Empfehlung ausgesprochen, aber die Entscheidung liege beim Fachhandel – der nicht verpflichtet ist, die Änderung weiterzugeben. Für Dietmar Knust, Vorsitzender beim Verband des Deutschen Zweiradhandels, ist die Weitergabe Selbstverständlichkeit: „Die meisten unserer Mitglieder geben die Steuersenkung an den Endverbraucher weiter.“

Ob die Steuerersparnis weitere Kaufanreize bringt, steht dahin. Selbst bei einem Komplettfahrrad fallen die Preisunterschiede kaum ins Gewicht. Bei Zubehör sind die Einsparungen noch deutlich geringer und liegen teils im Cent-Bereich.

Deshalb stehen auch Verbraucherschützer der Maßnahme kritisch gegenüber: „Wir hätten uns andere Entlastungen als sehr viel wirkungsvoller vorstellen können. Das Hin und Her für ein halbes Jahr lässt viel vom eigentlichen Effekt verpuffen“, findet etwa Verbraucherschützerin Mechthild Winkelmann. gd  


Heiße Phase beim Fiskus beginnt

Viele Bürger haben ihre Steuererklärung in diesem Jahr besonders früh eingereicht – weil sie ungewohnt viel Zeit hatten, vor allem wohl aber, weil in der Corona-Pandemie jeder Cent Erstattung dringend gebraucht wird. Trotzdem steht den Finanzämtern die heiße Phase noch bevor, denn am 31. Juli endet die Frist zur Abgabe der Einkommenssteuererklärung für 2019 – ohne Beratung. Wer sich professionelle Hilfe beim Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein holt, bekommt sieben Monate Aufschub. So gilt nach Angaben des Verbraucher-Portals Finanztip grundsätzlich der letzte Februartag des übernächsten Jahres als Abgabefrist.

Insgesamt könnte die Bearbeitung in diesem Jahr etwas länger dauern, warnten einzelne Finanzämter schon im April – zu wenig Personal und zu viele zusätzliche Aufgaben im Zusammenhang mit der Krise. Ob die vielen Ämter im Gegenzug auch kulanter bei Verspätungszuschlägen sind, wird sich zeigen.

Im kommenden Jahr dürfte die Steuererklärung für viele komplizierter werden – vor allem für all diejenigen, die vom Küchentisch, vom Kinderschreibtisch oder aus dem Heim-Arbeitszimmer gearbeitet haben. Die Kilometerpauschale für den Weg zur Arbeit fällt für die Zeit des Homeoffice natürlich weg. Allerdings lassen sich etwa mit Kinderbetreuungskosten eventuell Steuern sparen.
   

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