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Home Sonderthemen Fläming Mehr Arzneimittel durch Corona-Folgen
13:18 08.06.2020
Die Abgabe von Arzneimitteln in den Apotheken ist im März in die Höhe geschnellt. FOTO: JAN WOITERS/ DPA

Kurz vor Eintritt der Kontaktbeschränkungen zu Beginn der Corona-Pandemie im März hatten die rund 19 000 Apotheken in Deutschland besonders viel zu tun. Mehr als sonst üblich wurden von Kunden Rezepte eingereicht. Auch die verordneten Packungsgrößen stellten das Gewohnte in den Schatten. Die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für Arzneimittel stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat um rund ein Viertel auf 3,84 Milliarden Euro.

Nahezu zeitgleich ging der Run auf Atemmasken und Desinfektionsmittel los. Über mangelnde Nachfrage konnten sich die Apotheken also nicht beklagen. Mit verschärften Hygienemaßnahmen, selbst hergestellten Desinfektionslösungen und zusätzlichen Botendiensten haben sie ihre Patienten zuverlässig und kompetent versorgt. „In Zeiten der Corona-Pandemie ist diese örtliche Versorgung besonders wichtig, zumal sich alle Apotheken gut vorbereitet haben, um ihre Beschäftigten und Patienten bestmöglich zu schützen“, sagt der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda), Friedemann Schmidt, anlässlich des morgigen Tages der Apotheke. Das Motto diesmal: „Unverzichtbar“. Die Corona-Pandemie habe auch „viele Apotheken vor neue Herausforderungen gestellt“, pflichtet die Sprecherin der Landesapothekerkammer Brandenburg, Julia Bang, bei. Dennoch sei die Versorgung der Patienten zu jeder Zeit gesichert gewesen, und in Brandenburg habe keine Apotheke wegen einer angeordneten Quarantäne schließen müssen, so Bang.

Genauso schnell wie die Pandemie zunächst für Umsatzzuwächse in den Apotheken sorgte, ging der Absatz aber wegen der Ausgangsbeschränkungen auch wieder zurück. Marktdaten für April zeigen stark rückläufige Arzneimittelumsätze. Das lässt darauf schließen, dass viele chronisch kranke Patienten reguläre Arztbesuche mit Verschreibungen vorgezogen hatten und sich anschließend auch von Apotheken eher fernhielten.

Doch das Leistungsspektrum der Pharma-Häuser kennt nicht nur den Krisenmodus, sondern auch den Versorgungsalltag, der ebenfalls herausfordernd ist. Den will die Abda zum alljährlichen Tag der Apotheke am 7. Juni auch in den Mittelpunkt stellen.

Ein Thema neben der Entwicklung der Arzneimittelausgaben dürfte der Rückgang der Medikamentenhäuser sein. Mit einem Minus von 1,8 Prozent um insgesamt 348 Apotheken verzeichnete die Branche 2019 den bislang höchsten Rückgang in einem Kalenderjahr überhaupt auf nur noch 19 075 Apotheken.

Noch stärker sank die Zahl der Apothekeninhaber, die als freie Heilberufler einen Betrieb mit jeweils bis zu drei Filialen unterhalten dürfen. Ihre Zahl ist um 409 auf 14 473 gefallen. „Noch können sich die Patienten in Deutschland auf eine flächendeckende Arzneimittelversorgung verlassen, aber das wird bald vorbei sein, gewenn nichts passiert“, gibt Abda-Präsident Friedemann Schmidt zu bedenken. Die Situation werde sich nur stabilisieren lassen, „wenn die Apotheken mehr Planungssicherheit und einen vernünftigen ordnungspolitischen Korridor bekommen“.

Von Gerald Dietz

Mehr Geld für Arzneien

Die Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind 2019 gegenüber dem Vorjahr um 6,0 Prozent auf 38,4 Milliarden Euro gestiegen. Das ergeben erste Berechnungen des Deutschen Apothekerverbandes (DAV).

Während sich die Anzahl der GKV-Versicherten im Jahresdurchschnitt um 300 000 auf 73,1 Millionen erhöhte, stieg auch die Zahl der verordneten Arzneimittel um 0,6 Prozent auf 718 Millionen.

Mehr und ältere Versicherte sowie der medizinische Fortschritt sorgen laut DAV im Gesundheitswesen für höheren Aufwand und damit auch für höhere Kosten. Allerdings landet nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Ausgaben bei den Apotheken.

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