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06:49 01.12.2020
Betankt ein E-Auto in einer Viertelstunde mit Strom für 300 Kilometer: die ME Energy-Ladesäule.

Für Alexander Sohl gibt es einen guten Grund, warum das von ihm mitgegründete Unternehmen ME Energy in Wildau (Dahme-Spreewald) zu den Ausgezeichneten des diesjährigen Innovationspreises Berlin Brandenburg zählt: „Weil wir ein sehr, sehr akutes Problem der voll in den Zeitgeist passenden nachhaltigen Mobilität angehen.“ In der Tat hat die vor knapp zwei Jahren gegründete ME Energy – Liquid Electricity GmbH mit ihren selbst entwickelten Elektroladesäulen eine in letzter Zeit häufig diskutierte Herausforderung angenommen. Es wird zwar viel über die Nachhaltigkeit von E-Automobilen geredet, sie mit genügend Strom aufzutanken, birgt aber weiter so manche Schwierigkeit.

Gründeten ME Energy: Alexander Sohl und Inès Adler. fotos: ME ENERGY
Gründeten ME Energy: Alexander Sohl und Inès Adler. fotos: ME ENERGY

Eine davon ist, dass bisherige Ladesäulen auf eine aufwendige Infrastruktur des elektrischen Netzes angewiesen sind, von dem sie die Energie beziehen. Nicht so die Schnellauftankstationen des Unternehmens ME Energy, das erst kürzlich auch den ersten Preis beim Start-up-Pitching „Next Round: Brandenburg“ erzielt hatte und nun ebenso Landessieger des Gründer-Award der KfW-Förderbank wurde. Sie produzieren ihren eigenen Strom aus Biomethanol und vermögen einen durchschnittlichen Mittelklassewagen in einer Viertelstunde mit so viel Energie aufzutanken, dass er rund 300 Kilometer Fahrstrecke zurücklegen kann. Die Energieerzeugung der Säule mittels einer Art Generator, der mit aus Agrar-Reststoffen und anderen Abfallprodukten hergestelltem Biomethanol angetrieben wird, ist dabei CO2- neutral.

Das Unternehmen nimmt damit nicht nur einen Zukunftstrend der brandenburgischen Wirtschaft Richtung E-Mobilität auf, der mit der Ansiedlung der Tesla-Fabrik in Grünheide nur einen weiteren Höhepunkt gefunden hat. Es fügt sich mit den Stationen, die jeweils bis zu vier Fahrzeuge betanken können, sozusagen auch in die Siedlungsstruktur des Bundeslandes ein. „Prädestiniert ist die Ladesäule für ländliche Regionen mit wenig elektrischer Infrastruktur“, sagt Sohl. Damit wird sie auch Ansprüchen gerecht, auf Fernstrecken ein E-Automobil ohne aufwendige Starkstrom-Leitungen aufladen zu können. Ohne diese Notwendigkeit wird die Aufstellung der Säulen auch für Betreiber lukrativer. Denn die sonst notwendigen Investitionen ins Netz gegengerechnet, kann sich der Preis der ME Energy-Ladestation von gut 100 000 Euro sehen lassen.

So baut der frühere Bosch-Ingenieur Sohl nach dem vorgesehenen Start der Serienproduktion 2021 zunächst darauf, noch im ersten Jahr 50 Säulen herzustellen, zu vermarkten und die Kapazitäten ab 2022 jährlich zu verdoppeln. Die Zahl der Mitstreiter soll von aktuell zwölf kontinuierlich steigen. Anfragen zu Ladestationen gibt es nicht nur aus der Tankstellen-Branche, sondern auch aus dem ÖPNV und von Betreibern von Automobilflotten.

Gegründet hat der 30-jährige Sohl ME Energy zusammen mit der 62-jährigen früheren Daimler-Entwicklerin Inès Adler in einer Halle auf dem Areal des Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Wildau. Zurück geht die Geschäftsidee der beiden, die sich über gemeinsame Freunde kennengelernt haben, auf eigene Erfahrungen mit E-Autos.

Partner des Gründungsprozesses war neben privaten Investoren der zur Investitionsbank des Landes gehörende Venture-Capital- Fonds Brandenburg Capital. Mit der Technischen Hochschule (TH) Wildau und der Hochschule Eberswalde wurden Kooperationen vereinbart. gd

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