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Home Sonderthemen Fläming Maurermeister Kevin Schulz: Der Pendler zwischen Handwerk und Kunst
15:02 30.03.2020
Der Maurermeister Kevin Schulz ist Ausbilder am Lehrbauhof Oranienburg. Hier werden mehr als 100 Lehrlinge in vier Gewerken geschult. FOTOS: FRIEDRICH BUNGERT (5), FELIX WEIß (1)

Oranienburg. Kevin Schulz hat ein einfaches Erfolgsrezept: „Wer Leistung bringt, braucht sich nie Sorgen zu machen, ob er Arbeit hat.“ Er selbst ist das beste Beispiel dafür. Er ist schon seit einigen Jahren Maurermeister. Er ist Ausbilder beim Lehrbauhof Oranienburg (Oberhavel). Engagiert sich bei einem Auslandsprojekt für Auszubildende. Und gehört zum Trainerstab des Nationalteams Deutsches Baugewerbe. Dabei ist Kevin Schulz gerade einmal 30 Jahre alt. In seinem Berufsleben hat er noch nie eine Bewerbung geschrieben, wie er sagt. Er sei immer gefragt worden, weil er sich mit Leistung empfohlen hat.

So ist er auch zu seinem Job am Lehrbauhof Oranienburg gekommen. Der Maurermeister erinnert sich noch ganz genau daran, wie er mit Anfang 20 Ausbilder wurde und viele seiner Lehrlinge älter waren als er. Einer der Lehrlinge hat ihn auch direkt gefragt: „Haben Sie überhaupt Ahnung von dem, was Sie hier erzählen?“ Des Meisters trockene Antwort: „Ahnung? Nein. Aber gib mir mal die Kelle rüber.“ Nachdem er zwei Reihen Klinker gemauert hatte, waren alle Fragen geklärt. Dem Meister wurde fortan die Tür aufgehalten.

Kevin Schulz stammt aus Leegebruch und hat eine blitzsaubere Maurerkarriere hingelegt – an deren Anfang der Berufswunsch Koch stand. „Aber ich war damals einfach zu faul, mir einen Praktikumsplatz zu suchen.“ Sein Schullehrer vermittelte ihm ein Praktikum am Lehrbauhof. Der Schüler Kevin Schulz musste mauern. Gleich am ersten Tag. Von dem Zeitpunkt an wusste er, was er werden wollte. Dann musste er nur noch ein vierwöchiges Praktikum beim Baubetrieb Mommert in Borgsdorf überstehen und die bohrende Frage beantworten: „Rauchst du?“ „Nein.“ Der Chef nahm ihn als Azubi – ohne dass er eine Bewerbung schreiben musste. Kevin Schulz ist ihm heute noch dankbar für die sehr gute Ausbildung.

Als Ausbilder des Lehrbauhofs hat Kevin Schulz auch die Möglichkeit, Mitglieder des Nationalteams des Deutschen Baugewerbes zu trainieren.
Als Ausbilder des Lehrbauhofs hat Kevin Schulz auch die Möglichkeit, Mitglieder des Nationalteams des Deutschen Baugewerbes zu trainieren.

Als Geselle wurde er 2010 Landessieger der Maurer. Bei den Deutschen Meisterschaften belegte er Platz 7. Das war für den ehrgeizigen Handwerker eine kleine Enttäuschung. Später – mit dem Meistertitel in der Tasche und dem Einstieg in die Ausbildung – setzte er sich das Ziel, „meine Leute bei solchen Wettbewerben besser zu platzieren“. Die Meisterschaften der Maurer haben mit dem normalen Berufsalltag nur wenig zu tun, erklärt der Experte: „Das ist mehr Kunst.“ Es geht darum, aufwendige Formen schnell und akkurat zu mauern. Wer hier bestehen will, braucht spezielle Trainings. Kevin Schulz ist nach wie vor regelmäßiger Besucher der Deutschen Meisterschaften. Seit 2015 ist er immer mit Lehrlingen unterschiedlicher Gewerke aus dem Lehrbauhof dabei. 2018 coachte er den Maurer Pierre Holze zum Landessieger und Gewinner der Deutschen Meisterschaften.


"Wer Leistung bringt, braucht sich nie Sorgen zu machen, ob er Arbeit hat."

Kevin Schulz, Maurermeister


Der 30-jährige Maurermeister arbeitet gern in der Kleidung seiner Zunft. Das ist für ihn eine Frage der Berufsehre.
Der 30-jährige Maurermeister arbeitet gern in der Kleidung seiner Zunft. Das ist für ihn eine Frage der Berufsehre.

Am Lehrbauhof werden etwas mehr als 100 Lehrlinge in vier Gewerken geschult. „Wir haben generell hohe Anforderungen“, sagt Kevin Schulz. Er selbst nutzt die Leidenschaft der besonders Talentierten, um die ganze Klasse mitzuziehen. „Ich versuche in der Ausbildung, die Konzentration so lange wie möglich hoch zu halten.“ Der Meister weiß, dass er von seinen Jungs gern mal „Schleifer“ genannt wird. Aber nur so kämen Erfolge zustande.

Das Mauern kann auch zu einer Kunst werden. Bei Wettkämpfen zum Beispiel müssen Maurer aufwendige Formen akkurat und schnell mauern.
Das Mauern kann auch zu einer Kunst werden. Bei Wettkämpfen zum Beispiel müssen Maurer aufwendige Formen akkurat und schnell mauern.

Wer Leistung bringt, hat auch die Möglichkeit, für drei Wochen ein gefördertes Auslandspraktikum zu absolvieren. Der Lehrbauhof Oranienburg unterstützt im italienischen Mantova den Wiederaufbau eines Klosters, das durch ein Erdbeben zerstört wurde. Kevin Schulz fährt jedes Jahr mit einer Gruppe von etwa zehn Azubis zum Mauern in denkmalgeschützter Umgebung. Mit von der Partie – und das nun schon seit mehr als 25 Jahren – ist Wolfgang Klemenz. Der ehemalige Lehrmeister bei den Fliesenlegern ist zwar inzwischen im Ruhestand, aber für das Projekt in Italien engagiert er sich noch immer ehrenamtlich. „Es ist gigantisch, was unsere Jungs dort leisten“, sagt er. Anfangs gab es in dem Gebäudeensemble Platz für 75 Schüler. Dank der Aufbauarbeit der Oranienburger könnten dort jetzt 550 Schüler betreut werden, sagt Kevin Schulz. Bei den Italienern haben sich die Brandenburger einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Kevin Schulz wurden hier sogar schon Jobs angeboten. Doch er sieht sich im familiären Umfeld des Lehrbauhofes sehr gut aufgehoben. Hier ist er von arrivierten Lehrmeistern „super eingearbeitet“ worden, wie er sagt. Hier gibt man ihm auch die Chance, Mitglieder des Nationalteams des Deutschen Baugewerbes zu trainieren.

Hier sind Zunftzeichen der Maurer dargestellt: Kelle, Zirkel, Hammer – alles umrahmt von einem Zeichendreieck.
Hier sind Zunftzeichen der Maurer dargestellt: Kelle, Zirkel, Hammer – alles umrahmt von einem Zeichendreieck.

Das Team hatte ihn 2017 angesprochen, ob er nicht mit einsteigen und sich um das Training der Maurer kümmern wolle. Er wollte. Schließlich haben die Jungs genauso viel Leidenschaft fürs Handwerk wie er. Mit dem Team erlebt der Brandenburger Wettkämpfe wie die WorldSkills, die so etwas wie die Weltmeisterschaften sind. Im vergangenen Jahr im russischen Kazan kamen zur Eröffnungsfeier etwa 44 000 Besucher ins Stadion. Eine gigantische Atmosphäre, von der Kevin Schulz noch heute schwärmt. Von Ute Sommer 

Das Programm Erasmus+ eröffnet Auszubildenden und Meisterschülern bis zu zwölf Monate nach Abschluss die Chance einer Teilnahme an Auslandspraktika. Sie lernen dabei andere Arbeitsprozesse kennen und entwickeln ihre sprachlichen sowie persönlichen Kompetenzen.

Die Handwerkskammer Potsdam beteiligt sich seit mehr als 20 Jahren an den EU-Projektausschreibungen in diesem Programm, um jungen Handwerkern ein Stipendium für einen betrieblichen Lernaufenthalt in der Europäischen Union zu ermöglichen.

Die Höhe des Stipendiums richtet sich nach EU-Land und der Anzahl der Praktikumstage.

Über die Mobilitätsberatung der Kammer werden Bewerber und Betriebe bei der Organisation eines Praktikums unterstützt. Jedes Auslandspraktikum wird zeitlich und inhaltlich individuell abgestimmt und organisiert.


"Geschafft! Der Weg war rußig, mühsam, manchmal schwer, doch jetzt gibt‘s einen Schorni-Meister mehr."

Jens Bruder (31), Schornsteinfegermeister, Berlin
 

Silvio Knorr
Lutherstadt Wittenberg (Sachsen-Anhalt)

Ingo Köppen
Rathenow (Havellland)

Benjamin Krell
Berlin

Stephan Ratzmann
Berlin

Maximilian Ryll
Wiesenburg/Mark (Potsdam-Mittelmark)

Robert Schenkendorf
Berlin

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Fahrland (Potsdam)

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Schönefeld (Dahme-Spreewald)


Schornsteinfeger

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Mühlenbecker Land (Oberhavel)

Melvin Röhr
Berlin

Florian Schröder
Kloster Lehnin (Potsdam-Mittelmark)


Tischler

FOTO: ADOBE STOCK/KATHRIN39
FOTO: ADOBE STOCK/KATHRIN39

Fabian Johst
Borkheide (Potsdam-Mittelmark)

Kevin Kähler
Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) 
 
 
 

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