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Home Sonderthemen Fläming Verzögerungen großzügig einplanen
08:39 03.03.2020
Rainer Deutschmann und Ellen Seidl von der Kreishandwerkerschaft Havelland erwarten kein baldiges Ende des Baubooms.
FOTO: JESSICA KLIEM

Von Jessica Kliem 

Maler, Dachdecker, Elektriker – wer sein Haus sanieren oder gar neu bauen möchte, der braucht vor allem Handwerker. Und die sind derzeit Mangelware. Die Handwerkskammer Potsdam weist in ihrem Konjunkturbericht aus dem Herbst 2019 für das Bauhauptgewerbe der Region eine durchschnittliche Auslastung von 96 Prozent aus. Das ist ein Spitzenwert unter den einzelnen Handwerksbranchen, der erklärt, warum insbesondere Bauherren mit besonders langen Wartezeiten rechnen müssen. Rainer Deutschmann von der Kreishandwerkerschaft Havelland spricht von Vorlaufzeiten von sechs bis zwölf Monaten bei größeren Aufträgen. „Im Baugewerbe ist es schon wirklich hart an der Grenze“, so der Geschäftsführer des Zusammenschlusses der havelländischen Handwerksinnungen mit rund 2300 Mitgliedsbetrieben. „Neue Kunden stehen händeringend da und suchen Auftragnehmer. Da kann man wirklich nur Geduld zeigen und natürlich Verständnis.“

Verständnis vor allem deshalb, weil die Baubranche nicht nur volle Auftragsbücher hat, sondern auch vom Fachkräftemangel betroffen ist. Für Verbraucher ist die hohe Auslastung der Betriebe aufgrund der heißgelaufenen Baukonjunktur dennoch schwierig, auch wenn Deutschmann versichert, dass in einer Notsituation niemand im Regen stehen gelassen wird. „Reparaturen werden natürlich nach wie vor von den Firmen kurzfristig durchgeführt. Sturmschäden oder ähnliches können nicht aufgeschoben werden. Die werden dann zwischendurch behandelt“, so der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Havelland mit Sitz in Nauen. „Dafür sind immer noch Kapazitäten vorhanden. Die halten sich die Handwerker auch frei für solche speziellen Sachen wie Notreparaturen. Das sehe ich als weniger großes Problem.“

Wer allerdings nicht nur Schäden ausbessern lassen möchte, sondern auf viele verschiedene Gewerke angewiesen ist, sollte lange Wartezeiten unbedingt in seine Planung einbeziehen.


Reparaturen werden natürlich nach wie vor von den Firmen kurzfristig durchgeführt.

Rainer Deutschmann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Havelland


„Der Tischler zum Türeneinbauen kommt erst, wenn der Maler fertig ist. Oder eine Fußbodenheizung muss vor dem Estrich verlegt werden. Das hat alles seine Abfolge, die eingehalten werden muss. Und wenn dann die ersten Gewerke schon ins Stocken kommen, dann zieht sich das durch, wie ein roter Faden.“ Bauherren, die bis zur Fertigstellung ihrer Immobilie noch zur Miete wohnen, rät Deutschmann daher, ihren Mietvertrag nicht zu früh zu kündigen. Wer etwa in ein Hotel ziehen muss, weil das Haus nicht bezugsfertig ist, hat mit hohen Extrakosten zu rechnen. Und wie machen Bauherren nun trotz langer Wartezeiten einen passenden Handwerker ausfindig? Deutschmann empfiehlt den Griff zum Telefonhörer. „Um den richtigen Handwerker erstmal zu finden, ist natürlich der günstigste Weg, bei uns anzurufen und sich ein Innungsmitglied nennen zu lassen. Wir haben vom Baubereich über Sanitär und Heizung bis zur Elektrik jedes Gewerk bei uns ansässig.“ Bei Innungsmitgliedern könne man zudem davon ausgehen, dass die Leistungen in Ordnung sind. Bei der Aufnahme eines Betriebes würde die Innung auch auf den Ruf des Unternehmens achten.

Zudem empfiehlt Deutschmann auf Bewertungen von Unternehmen zu achten. „Ich gucke mir erstmal im Internet an, was der Betrieb für Kritiken hat und ob man sich auf den verlassen kann. Dann versuche ich innerhalb meines Bekanntenkreises Informationen einzuholen und informiere mich letztendlich über die Kreishandwerkerschaft oder die Innung.“ Einen schnelleren Termin für die Handwerksarbeiten bekommt man so zwar auch nicht. Weitere Verzögerungen lassen sich aber durch die Wahl zuverlässiger Betriebe mindern. Ein Ende des Baubooms sieht Deutschmann im Übrigen erstmal nicht. Bauherren werden wohl auch künftig mit Wartezeiten rechnen müssen.

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