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09:54 25.10.2021
Auch viele junge Menschen würden Angehörige pflegen. fotos: Daniel Reinhardt/dpa; dpa; DAK;

Etwa zwei Drittel der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 16 und 39 Jahren in Deutschland würden Angehörige pflegen, wenn es in ihrer Familie zu einem Pflegefall kommen sollte. Das ist das Ergebnis des Pflegereports 2021, den die Krankenkasse DAK kürzlich vorgestellt hat. Kinder und Enkel von Pflegebedürftigen machen ihre Unterstützung demnach neben moralischen Erwägungen vor allem davon abhängig, wie verbunden sie sich mit der zu pflegenden Person fühlen. „Der Pflegereport zeigt, dass die junge Generation bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und sich für ihre Familienangehörigen einzusetzen“, sagte DAK-Vorstandschef Andreas Storm anlässlich der Publikation.

Unter denen, die sich eine Betreuung nicht vorstellen gegenüber möglichen seelischen Belastungen. Häufig stehen aber auch berufliche Gründe im Weg, etwa weil sich die Pflege nicht mit der eigenen Tätigkeit vereinbaren lassen würde. Die Bereitschaft, Betreuung zu übernehmen, ist bei Frauen etwas höher als bei Männern.

Gegenüber dem Engagements und der hohen Bereitschaft junger Menschen sieht die DAK aber eine man­gelnde Wertschätzung der Politik. „Pflegende Angehörige wurden bei der jüngsten Pflege­reform der Bundesregierung zu wenig berücksichtigt und das, obwohl ihr Einsatz gerade in der Pandemie unverzichtbar ist“, so Storm. Es müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit junge Menschen die pflegende Tätigkeit mit der Ausbildung, de, Studium und dem Beruf vereinbaren können. Sonst werde es in Zukunft letztlich immer weniger Menschen geben, die Angehörige zu Hause pflegen wollten und auch könnten.



"Der Report zeigt, dass die junge Generation bereit ist Verantwortung zu übernehmen."

Andreas Storm, DAK-Vorstandschef


Laut Statistik hat bereits ein Drittel der 16- bis 39-Jährigen Familienangehörige, die auf Pflege oder Hilfe im Alltag angewiesen sind. Mit 83 Prozent ist ebenso ein Großteil der Befragten der Meinung, die Politik müsse mehr für die Pflege tun.

Die DAK erwartet nun von der nächsten Bundesregierung unter anderem, einen Pflegegipfel einzuberufen und weitere Reformen anzustoßen. Insbesondere die Vereinbarkeit der häuslichen Pflege mit Beruf und Kinderbetreuung müsse verbessert werden – etwa durch einen gesetzlichen Anspruch auf Haushaltshilfe und Kinderbetreuung für bis zu 30 Tage im Jahr.


83 Prozent der Befragten fordern mehr Engagement der Politik


Auch der Leiter der von der DAK initiierten Studie, Thomas Klie, forderte eine Stärkung pflegender Angehöriger. „Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels werden wir bald an die Kapazitätsgrenzen in Pflegeheimen stoßen“, so Klie. Man müsse jetzt aktiv werden, sonst werde in Zukunft „die Situation der Pflege weiter eskalieren“.

Auf die Unterschiede zwischen Betreuung durch Angehörige und fachmännischer Pflege weist indes der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch im Zusammenhang mit der Studie hin. „Das wird dem Knochenjob der pflegenden Angehörigen nicht gerecht“, so Brysch. Er forderte eine „Dynamisierung des Pflegegeldes“ von der neuen Bundesregierung. gd 
 

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