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Innovationspreis Berlin Brandenburg 2021

„Sie bringt ein Veränderungspotenzial mit sich und deckt einen Bedarf“

Die Preisträger aus Berlin

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Der Logistiker Frank Gillert. foto: TH Wildau

Innovationen gelten schon seit geraumer Zeit nicht nur ökonomisch, sondern auch gesellschaftlich als Schlüsselbegriff für das Ziel einer umfassenden Modernisierung. Viele ausgeschriebene Preise und auch politische Parteien hantieren mit dem Begriff. Wir sprachen darüber mit Frank Gillert, Professor am Fachbereich Ingenieur- und Naturwissenschaften der Technischen Hochschule Wildau, Logistikfachmann und langjähriges Mitglied der Jury des Innovationspreises Berlin Brandenburg. Übersetzt aus dem Lateinischen bedeutet Innovation nicht viel mehr als „Erneuerung“. Wie würden Sie den Begriff übersetzen? Frank Gillert: Eine Innovation ist nicht nur eine Erneuerung im Sinne eines neuen Produkts, sondern auch durch den Einsatz neuer Mittel oder aber im Hinblick auf einen neuen Zweck. Sie bringt ein Veränderungspotenzial mit sich und deckt gleichzeitig einen bestehenden oder aber sich entwickelnden Bedarf.

Der Logistik-Fachmann Frank Gillert sieht die Innovation nicht nur in der Ökonomie

Was macht eine Sache zur Innovation?

Eine neue Zweck-Mittel-Kombination, die auch einen Markt hat. Eine Erfindung etwa ist noch keine Innovation. Erst wenn sie sich zu einem marktfähigen Produkt entwickelt und gefragt wird, kann von einer Innovation gesprochen werden.

Was unterscheidet eine Innovation von einer Idee?

Die Tatsache, dass ein real existierender oder zumindest absehbarer Bedarf gedeckt wird und ein Markt dafür existiert.

Handelt es sich vorwiegend um ein Produkt oder kann es auch ein Prozess, eine Produktionsfunktion sein?

Nein, Innovationen sind nicht auf Waren beschränkt. Es kann ein Produkt oder aber ein Prozess sein. Gerade im Bereich der Produktion und real erfolgten Änderungen dort hat sich das gezeigt.

"Eine Erfindung etwa ist noch keine Innovation."

Frank Gillert, TH Wildau

Wie kommen Innovationen zustande?

Wesentlich am Innovationsprozess ist auch die Managementkomponente. Es müssen Ideen gefiltert und dann gezielt gefördert werden. Dabei sollte es einen Pull-Prozess geben. Das heißt, der Bedarf sollte den Innovationsprozess treiben. Die konkrete Nachfrage hat Einfluss auf die Entwicklung. Marketingmaßnahmen werden auf die Endkundenschaft konzentriert. Oft wird der Fehler gemacht, eine technische Entwicklung zu pushen. Das gelingt selten.

Haben Innovationen etwas Temporäres, hängen also von aktuellen Entwicklungen ab?

Da sie einen Bedarf decken, muss dieser auch gegeben sein. Das kann sich natürlich ändern.

Sind sie zwangsläufig neu oder kann es sich auch um eine Wiederholung handeln?

Das kann dann der Fall sein, wenn ein Produkt etwa nicht neu ist, aber zu einem neuen Zweck eingesetzt wird.

Geht es nur um Erneuerung um der Erneuerung willen oder welche Kriterien sollten noch eine Rolle spielen?

Im Sinne der Produktionslebenszyklus-Theorie ist Innovation Teil des Geschäftsmodells. Zum Beispiel erwarten die Kunden von neu herausgebrachten Smartphones auch Neuerungen. Dann zeigt sich aber manchmal, dass die neue Generation nicht viel Neues bietet. Das wird beispielsweise häufig bei Apple-Produkten diskutiert. Kostendruck oder auch Nachhaltigkeitsanforderungen sind Treiber, die Innovationen befördern. Zudem können neue Materialien oder Verfahren Innovationen auslösen.

Waren Innovationen immer mit Wandlungen zum Positiven verbunden?

Nein.

Kommen Innovationen ausschließlich in der Ökonomie, also im Wirtschaftsleben vor?

Nein. Es gibt sie in allen Bereichen. Oft wird von Sozialen Innovationen gesprochen, die der Zivilgesellschaft dienen, ohne dabei Gewinnmaximierungsaspekte zu betreffen.

Warum engagieren Sie sich für Innovationen?

Als Ingenieur und Logistiker ist die Veränderung zur Steigerung von Leistung, Effizienz oder Nachhaltigkeit Teil der DNA. Aus wirtschaftlicher Sicht sind Innovationen wettbewerbsrelevant. Interview: Gerald Dietz 
    

Die Preisträger aus Berlin

Sechs Projekte wurden insgesamt mit dem Innovationspreis geehrt – drei klassische Preise und eine Sonderauszeichnung gingen wie auch schon im Vorjahr an Berliner Nominierte.

DeepSpin GmbH: Das Berliner Start-up entwickelte ein gegenüber dem Marktpreis 20-fach günstigeres und portables Magnetresonanztomographie-System. Die hochwertige Technologie macht das Diagnose-Verfahren nun weltweit zugänglich.

HPS GmbH: Die von HPS Home Power Solutions entwickelte „picea“ ist das weltweit erste Produkt, das eine ganzjährig CO2-freie, unabhängige Stromversorgung für Einfamilienhäuser per Solarenergie und Wasserstoff mit allen Komponenten wie Batterie, Brennstoffzelle, Elektrolyse ermöglicht.

Knauer GmbH: Die Wirksamkeit der mRNA-Impfstoffe gegen Corona ist auf eine Verkapselung der Botenstoffe für die Protein-Erzeugung in Nanopartikeln angewiesen. Knauer Wissenschaftliche Geräte ist es mit einer Pharmafirma gelungen, flexible Anlagen für die Produktion mehrerer Millionen Impfdosen pro Woche zu entwickeln.

Codary GmbH: Die mit dem Sonderpreis ausgezeichnete Codary ist ein digitaler Bildungsanbieter für die Programmierausbildung. Studentische Coaches bringen Kindern spielerisch Programmiersprachen bei. gd