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Home Sonderthemen Fläming Wolfgang Spieß, IHK Potsdam: „Wachstum und Zukunft“
21:07 26.05.2020
Ein renommiertes Ausbildungsunternehmen ist die ESB Schulte GmbH & Co. KG am Standort Luckenwalde, die auch in diesem Jahr verschiedene Ausbildungsplätze anbietet. FOTOS: MARGRIT HAHN; DPA; IHK

Rund 67 000 Unternehmen gibt es in Brandenburg, die meisten in den um das Kfz-Gewerbe kreisenden Branchen Handel, Instandhaltung und Reparatur. Rund ein Viertel widmet sich dem Zukunftsthema Ausbildung. Die MAZ sprach darüber mit dem Geschäftsführer Bildung der Industrie- und Handelskammer Potsdam (IHK), Wolfgang Spieß.

Welche Bedeutung hat das Thema Ausbildung bei der Bewertung eines Unternehmens?

Wolfgang Spieß: Ein vorbildliches Unternehmen sollte Jugendlichen berufliche Perspektiven in der Region bieten. Insofern ist die Ausbildung eines der wichtigsten Kriterien, denn das Thema Qualifizierung bedeutet auch für den Standort Wachstum und Zukunft.

Genießt die Ausbildung denn diesen Stellenwert bei den Firmen der Region?

Da gibt es sicherlich noch Potenzial. Denn wir haben in den Unternehmen das demografische Problem der Überalterung, das ohne Ausbildung nicht gelöst werden kann. Fachkräfte fallen nicht vom Himmel. Aber ich habe den Eindruck, dass das Bewusstsein dafür wächst.

Bilden genügend Unternehmen in Brandenburg aus?

Sicherlich gibt es da noch Luft nach oben. Von knapp den 67 000 Firmen mit mindestens einem Beschäftigten im Land bildet gut ein Viertel aus. Das ist höher als der ostdeutsche Durchschnitt von insgesamt 23 Prozent, aber niedriger als der westdeutsche von 30 Prozent.

Welche Gefahren drohen der Ausbildung durch die Corona-Pandemie?

Aktuell ist es natürlich vor allem in der Dienstleistungsbranche – also besonders in Gastronomie-, Veranstaltungs- und Reise-Unternehmen – schwierig Ausbildungsinhalte in der Praxis zu bieten. Da gilt es Lösungen über Kooperationen zu finden. Ich hoffe natürlich nicht, dass Unternehmen sich ganz aus der Ausbildung verabschieden. Aktuell haben wir bei den neuen Ausbildungsverträgen ein Minus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das ist ein negatives Signal, aber noch nicht dramatisch.

Welche Möglichkeiten gibt es gegenzusteuern?

Wir appellieren an die Unternehmen offene Ausbildungsstellen unbedingt auch in der IHK-Lehrstellenbörse (www.ihk-lehrstellenboerse.de) zu veröffentlichen. Aber wir müssen uns auch insgesamt noch mehr um den Stellenwert der Ausbildung bemühen. Wir versuchen das unter anderem mit dem IHK-Wettbewerb „Top-Ausbildungsbetrieb“, bei dem wir jedes Jahr einige Betriebe verteilt über das Land direkt vor Ort für besonderes Engagement bei der Schaffung attraktiver Ausbildungsplätze auszeichnen.



"Fachkräfte fallen nicht vom Himmel. Aber ich habe den Eindruck, dass das Bewusstsein dafür wächst."

Wolfgang Spieß
Geschäftsführer Bildung der IHK Potsdam


Worin kann denn ein solches besonderes Engagement bestehen?

Das wird geprägt durch die Qualität der Ausbildung, die Fähigkeit auch das Sozialverhalten junger Menschen weiterzuentwickeln, die Bereitschaft mit den Schulen zu kooperieren und Auslandspraktika anzubieten. Aber auch solche Sachen wie die Unterstützung der Mobilität oder das Angebot etwa von Mietzuschüssen für Auszubildende spielen eine Rolle. Insgesamt geht es darum, die Attraktivität der dualen Ausbildung zu fördern.

Viele Jugendliche streben aber ein Studium statt einer dualen beruflichen Ausbildung an.

Ja, derzeit ist das etwa die Hälfte der Schulabgänger. Hier ist unter anderem der Zusammenhang zwischen Ausbildung und Weiterqualifizierung im Unternehmen wichtig. Junge Menschen gehen in die Ausbildung, wenn man ihnen eine berufliche Perspektive aufzeigt. Da spielt auch die Gleichwertigkeit etwa hinsichtlich der Entlohnung von Abschlüssen eine Rolle. Fachwirte und Meister, die ja weitere Stufen der beruflichen Qualifizierung sind, wurden Anfang des Jahres mit dem im Studium zu erreichenden Bachelor gleichgestellt. Der Betriebswirt ist dem Master gleichrangig.

Genießt die Weiterqualifizierung in den Unternehmen den richtigen Stellenwert?

Auch das ist noch ausbaufähig. Für Weiterqualifizierungen wird Zeit benötigt. Dafür sollten Unternehmen Qualifizierungspläne erarbeiten und die Möglichkeiten von Freistellungen schaffen. Interview: Gerald Dietz


Was ein Leitbild leisten kann

Kaum ein Großunternehmen verzichtet heutzutage noch auf ein Leitbild. In diesem wird festgeschrieben, wofür die Firma steht, welche Ziele sie verfolgt und nach welchen Grundsätzen sie operiert. Das Unternehmensleitbild dient dabei nicht nur der Kommunikation mit Kunden, Geschäftspartnern und Auftraggebern, sondern stellt auch eine Handlungsanweisung für die Mitarbeiter dar. Im Idealfall lassen sie sich von der Strategie motivieren und identifizieren sich mit den Zielen. Auch potenzielle Mitarbeiter bekommen durch ein Unternehmensleitbild einen Eindruck davon, ob das Unternehmen für sie in Frage kommt beziehungsweise ob sie zu dem Unternehmen passen.

Schließlich sorgt ein Leitbild auch dafür, sich von der Konkurrenz zu unterscheiden. Oft ist ein möglichst eingängiges Motto oder ein Slogan Bestandteil des Leitbildes und diesem vorangestellt. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam hat sich beispielsweise „Wirtschaft. Mach es in Brandenburg“ auf die Fahnen geschrieben. Damit kommt bereits die Vision zum Ausdruck, dass die IHK ihren Mitgliedern „exzellente Leistungen“ bieten und „die Interessen der Wirtschaft für ein starkes Brandenburg“ bündeln will.

Unternehmen, die nach einem Leitbild suchen oder ein bereits angestaubtes neu formulieren möchten, sollten Mitarbeiter aus allen Hierarchieebenen dazu hören. Im Idealfall wird eine Gruppe gebildet, die sich dem Thema gemeinsam widmet.

Wichtig ist es für jedes Leitbild, dass sich allen voran das Management beziehungsweise die Geschäftsführung an die aufgestellten Regeln, Werte und Grundsätze hält. Andernfalls besteht die Gefahr, dass es zur reinen Worthülse verkommt. So zeigt es nicht nach innen und in der Folge auch nicht nach außen eine Wirkung. cbr

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