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Home Sonderthemen Prignitz Neue Chancen für gestrandete Auszubildende Ostprignitz-Ruppin
11:49 30.06.2020
Anfällig gegenüber Folgen von Corona: Ausbildung zum Koch. FOTOS: JAN-PETER KASPER/DPA, DPA, WESER

Der sogenannte Lockdown im Zuge der Corona-Pandemie – also die Quarantäne-Maßnahmen zwischen Ende März und Ende Mai – hat nicht nur zahlreiche Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht. Zum Teil mussten Ausbildungsverträge aufgelöst werden. So waren auch in Brandenburg ausbildende Firmen gezwungen, Insolvenz anzumelden. „Doch es haben sich andere Betriebe solidarisiert und gestrandete Lehrlinge übernommen“, sagt der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Potsdam (IHK), Wolfgang Spieß.

Ein Beispiel ist etwa das Hotel & Restaurant Am Alten Rhin in Alt Ruppin (Ostprignitz-Ruppin), das zwei Auszubildende von einer in arge Bedrängnis geratenen Marina im Landkreis übernimmt. Eine Hotelfachkraft und ein Koch könnten nun ihre Qualifikation in der Gastronomie fortsetzen, schildert Bert Krsynowski aus der Geschäftsleitung des Hotels.

Dabei hatte die Herberge mit Restaurant zunächst selbst Schwierigkeiten mit der vorübergehenden Schließung im Zuge der Quarantäne. Aber die acht eigenen Auszubildenden hätten ihre Lehre vorübergehend in einer Verbundlösung mit einer Konservenfabrik in Neuruppin weiterführen können, so Krsynowski. Er will nun prüfen, inwiefern die angekündigten Azubi-Prämien der Bundesregierung (siehe Infokasten) in die Aufrechterhaltung des eigenen Ausbildungsniveaus eingebunden werden können.

„Die könnten in der Tat nötige Unterstützung bringen“, meint Spieß. Obwohl hier die notwendigen Anwendungsbestimmungen noch näher ausgeführt werden müssten. Neben dem staatlichen Subventionsprogramm helfen auch Ausbildungsberater der IHK Betrieben, die im Qualifizierungsbereich Probleme auf sich zukommen sehen. So seien Unterstützungsangebote des Landes etwa zu Verbundausbildungsmöglichkeiten vermittelbar.



"Betriebe haben sich solidarisiert."

Wolfgang Spieß
IHK-Geschäftsführer


Auch künftig seien Herausforderungen zur Aufrechterhaltung des Ausbildungsniveaus in einzelnen Sparten nicht auszuschließen, erwartet Spieß.

Allerdings halten sich die Probleme in der Ausbildung in Brandenburg noch in Grenzen. Im quasi die gesamte westliche Hälfte des Landes umfassenden Zuständigkeitsbereich der IHK Potsdam rechnet Spieß derzeit mit etwa 15 Prozent weniger neuen Ausbildungsverträgen im Vergleich zum vergangenen Jahr. Beim Abschluss von Qualifizierungskontrakten könne es derzeit auch noch zu einzelnen Verzögerungen kommen, da im Zuge des vielfachen Homeoffice in den vergangenen Monaten Vorstellungsgespräche schwierig gewesen seien, ergänzt Spieß.

Allein die IHK habe derzeit rund 1000 offene Ausbildungsplätze in ihrer Lehrstellenbörse. 8000 Azubis sind demnach aktuell in betrieblicher Ausbildung. Teilweise – wie etwa in der Logistik, in Bereichen des Handels und auch des Baus – ist laut Spieß sogar mit einem regelrechten Boom zu rechnen. Rund 11 000 Jugendliche hätten jetzt ihre Zeugnisse bekommen. Von Gerald Dietz

Prämien für Erhalt von Lehrstellen

Das Bundeskabinett hat „Azubi-Prämien“ für kleine und mittelständische Unternehmen auf den Weg gebracht, die in der Corona-Krise in Schwierigkeiten geraten sind und trotzdem weiter ausbilden. Die staatlichen Prämien betragen bis zu 3000 Euro pro Ausbildungsplatz.

Die Zahlungen sollen auch Unternehmen zugutekommen, die Azubis von anderen Firmen übernehmen, wenn diese pandemiebedingt Insolvenz anmelden müssen. Das Programm wird insgesamt schätzungsweise rund 500 Millionen Euro kosten und soll helfen, Ausbildungsplätze in der Pandemie zu erhalten.

Man wolle dafür sorgen, „dass kein Schulabgänger von der Schulbank ins Nichts fällt“, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD): „Corona darf nicht wie Blei am Bein hängen, wenn es um den Start ins Berufsleben geht.“

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