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Home Sonderthemen Havelland Vom Altöl bis zum Autowrack landet Abfall im Grünen
11:05 05.11.2018
Selbst Autowracks werden im Grünen ausrangiert, hier bei Brieselang. FOTOS: DPA, KREIS HAVELLAND

Von Gerald Dietz 

Nicht jeder falsch abgekippte Müll im Havelland bereitet solche Probleme wie vor zwei Jahren, als am Waldesrand neben einem Feldweg quasi ein mehr oder minder vergrabenes Altöllager entdeckt wurde. „Aber der herrenlose Abfall in unserer Region nimmt insgesamt schon stark zu“, klagt die Leiterin des Kreis-Umweltamtes Christine Fliegner. Damals waren zig Flaschen und andere Behältnisse offenbar mit altem Motoröl mutmaßlich aus einer Mietwerkstatt wenig verscharrt in einer ausgehobenen Grube gefunden worden. Oben lugten noch Flaschenhälse und Ähnliches heraus.

Ob es nun die insgesamt 380 öffentlichen Sammelplätze von Altglas im Kreisgebiet sind oder weniger einsichtige Plätze längs der Autobahn beziehungsweise der B 5 – weggeworfener Schrott, Renovierungsschutt oder aber schlichter Hausmüll ist immer öfter zu finden. Selbst ausrangierte Autowracks werden einfach in die Landschaft gestellt. Als besonders beliebt haben sich Wege zu Windkraftanlagen erwiesen, weil sie gewöhnlich gut ausgebaut sind.

„Da wird dann auch mal ein nicht mehr zu gebrauchender Heizkessel einfach so in den Wald geschmissen“, so Fliegner. Sie schiebt es diplomatisch auf „mangelndes Wissen darüber, was auf den Wertstoffhöfen auch kostenlos entgegengenommen wird“.


"Der herrenlose Abfall nimmt stark zu."

Christine Fliegner
Leiterin Umweltamt


Davon sind im Landkreis drei zu finden, in Falkensee, Schwanebeck bei Nauen und Bölkershof bei Rathenow. Entgeltlos wird da etwa Schrott, Papier, Elektrogeräte oder auch Sperrmüll aus privaten Haushalten angenommen. Manch einer lasse sich vielleicht von den gelegentlich auftretenden Wartezeiten besonders sonnabends abhalten. Fliegner rät eher werktags vielleicht in der Mittagspause vorbeizukommen.

Wenig erfreulich sind auch die Bilder der Sammelplätze für Altglas im Kreisgebiet, an denen zum Teil auch Altkleidercontainer aufgestellt wurden. Besonders dort, wo Proteste von Anliegern und Nachbarn nicht zu erwarten sind, könnten schnell illegale Müllkippen entstehen, weiß die Umweltamtsleiterin. Der zurückgelassene Abfall beschränkt sich dann oft auch nicht mehr nur auf die Kiste, in der das Altglas antransportiert wurde. Aufgeschichtete Papierstapel, Sperrmüll oder Renovierungsreste sind nicht selten anzutreffen. Auch einfacher Hausmüll, der hier und anderswo hingeworfen wird, vielleicht um zuhause Gebühren zu sparen, nimmt zu.

Normalerweise sollte pro 500 Einwohner jeweils ein solcher Sammelplatz zur Verfügung stehen. Allgemein sind sie aber weniger geworden, weil manche Kommunen ihre Zahl einschränken, mitunter auch, um derartige Müllablageplätze zu vermeiden.


Kunststoff als Material hat für die Industrie viele Vorteile. Der Umgang mit dem späteren Abfall ist aber schwierig. FOTO: DPA
Kunststoff als Material hat für die Industrie viele Vorteile. Der Umgang mit dem späteren Abfall ist aber schwierig. FOTO: DPA

Plastik ist leicht, vielseitig, billig zu bekommen, in unserem Alltag allgegenwärtig, hat aber ein Problem: Der Abfall müllt die Meere zu und die Wiederverwertung bereitet selbst beim Recycling-Weltmeister Deutschland Probleme. Das EU-Parlament hat jetzt sogar ein weitreichendes Verbot zahlreicher Kunststoff-Verpackungen beschlossen.

■ Nicht alles ist recycelbar: Es gibt viele unterschiedliche Plastiksorten, nicht aus allen wird wieder ein Nutzgegenstand. Flaschen aus Polyethylenterephthalat (PET) etwa können wieder Flaschen werden, PET-Schalen als Verpackung für Obst werden dagegen nicht recycelt. Auch Folien sind schwierig, vor allem kleinere, da es dafür bislang wenige Anlagen gibt. Und: Verbrennen ist billiger als wiederverwerten. Vom gesamten Plastikmüll werden laut Bundesumweltministerium rund 45 Prozent „stofflich wiederverwertet“. Ab 2022 sind 63 Prozent vorgesehen.

■ Design geht vor Umwelt: Manche Produkte sind gefärbt oder zusätzlich mit besonderen Folien umhüllt. Das mag gut aussehen, erschwert oder verhindert aber oft das Recycling, weil einige Maschinen das Material nicht erkennen und sortieren können. Ab 2019 müssen deswegen die Dualen Systeme von den Herstellern für schlecht recycelbare Verpackungen mehr Lizenzgebühren verlangen als für andere. Manche Hersteller wollen auch kein wiederverwertetes Plastik einsetzen, weil es teils grau ist statt strahlend weiß.

■ Nicht alles landet im Recycling-System: Viele wissen gar nicht, dass sie in die gelbe Tonne oder den gelben Sack nur Verpackungen werfen dürfen. Also etwa keine Strohhalme, aber die Folie um die Halme schon. Immerhin ist der Anteil hoch: 40 Prozent aller Kunststoffe gehen nach Expertenangaben in die Verpackung. Der Rest wandert indes später in den Restmüll, der nur vereinzelt sortiert wird, die Regel ist Verbrennung.

■ Irgendwann ist Schluss mit Recycling: Bei vielen Kunststoffarten, besonders bei PET-Flaschen, ist ein geschlossener Kreislauf möglich, aber nicht die Regel. Recycling ist oft „Downcycling“: Aus PET-Flaschen werden dann etwa Fasern für die Textilindustrie, die nicht erneut wiederverwertet werden können. Die Plastiksorten PE und PP (Polyolefine), die oft bei Folien zum Einsatz kommen, verlieren bei jeder Behandlung an Qualität.


Mit 52,2 Prozent werden die meisten Getränke in Einweg-Plastikflaschen abgefüllt. Beim Anteil von Mehrwegflaschen wurde indes 2016 ein neuer Tiefstand erreicht. Nur noch 44,2 Prozent machte der Anteil bei den pfandpflichtigen Getränken aus. Das waren nochmals 1,3 Prozentpunkte weniger als im Jahr zuvor, teilte das Umweltbundesamt (UBA) jetzt mit. Als Ziel war eigentlich ein Anteil von 80 Prozent bei den Mehrwegflaschen markiert worden.

Das UBA hat die Getränkeabfüllung von der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung auswerten lassen. 42,8 Prozent landen demnach in Mehrwegflaschen, 1,4 Prozent zusätzlich in ökologisch vorteilhaften Verpackungen, also Getränkekartons und bestimmten-beuteln.

Mehrweg-Glasflaschen hatten 2016 einen Marktanteil von 29,2 Prozent, Mehrweg-Kunststoffflaschen von 13,6 Prozent. Der Anteil von Getränkekartons stieg auf 1,1 Prozent. Mehr als die Hälfte werden aber in Einweg-Plastikflaschen abgefüllt. Dosen machten 3,2 Prozent aus.

Das UBA erklärte, dass Discounter meist ausschließlich Getränke in Einwegpackungen anböten und nicht über Mehrweg-Rücknahmesysteme verfügten. Das seit 2003 geltende Einwegpfand habe den Mehrweg-Anteil nur kurz stabilisiert.


Die Weltbank hat vor einer vehementen Zunahme des weltweiten Müllberges gewarnt. Die Menge des rund um den Erdball produzierten Mülls werde bis zum Jahr 2050 um 70 Prozent steigen, wenn nicht einschneidende Schritte unternommen würden, teilte die Weltbank in Washington mit. Die Organisation stellte ihren neuen Bericht „What a Waste 2.0“ vor, in dem es um das Management von Müll bis zum Jahr 2050 geht.

Derzeit würden weltweit pro Jahr 2,01 Milliarden Tonnen Müll produziert. Dieser Wert werde durch Bevölkerungszuwachs und Urbanisierung auf 3,4 Milliarden Tonnen steigen, teilte die Weltbank als Ergebnis der Studie mit. Es sei wirtschaftlich sinnvoll, in Recycling- und Müllmanagementsysteme zu investieren, heißt es. Die Weltbank hat dafür seit dem Jahr 2000 nach eigenen Angaben umgerechnet 4,13 Milliarden Euro für mehr als 300 Projekte zur Verfügung gestellt.

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