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Home Sonderthemen Oberhavel Erinnerungen an alte Zeiten
14:56 20.03.2020
Marauder kommt aus Hennigsdorf und sieht die Bühnen der Stadt auch als Heimspiele an. FOTO: MEIKO JANKE
FOTO: MEIKO JANKE
lux- Augenoptik

Hennigsdorf. Der Abend heißt nicht umsonst „Live-Rock im Ello“. Rock ist geschichtsträchtig. Und das „Ello“ sowieso. „Ello“ wurde im Volksmund das Klubhaus der Lokomotivbau-Elektrotechnischen Werke (LEW) der Stadt genannt. In den Ohren der etwas gereiften Hennigsdorfer hat es einen wohlklingenden Namen. Es war für viele der Ort ihrer Taten: Es gab den ersten Kuss. Das erste Bier. Die erste Rauferei. Manch einer traute sich das erste Mal auf die Tanzfläche. Zu DDR-Zeiten wurden in dem Gebäude Partys gefeiert, die die Havelstädter nicht vergessen haben. Die Einrichtung war Kult. Das einstige „Ello“ ist heute noch ein Kulturort, es heißt nur Stadtklubhaus.

Diesen einstigen Zauber haben auch die „Jungs“ von Marauder kennengelernt. Und sie sind dem Kulturtempel treu geblieben. Allerdings änderte sich für die Musiker längst die Blickrichtung. Schauten sie einst auf die Bühne, lassen sie schon Jahrzehnte den Blick auf die Tanzfläche, auf das Publikum schweifen. Sie stehen auf der Bühne.


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Das Quartett kommt aus Hennigsdorf und ist auf der Rock-Schiene unterwegs – seit 28 Jahren. Am Anfang zu dritt; Schlagzeuger Michael Rieck, Gitarrist René Reichwald sowie Gitarrist und Sänger Andreas Witt. 1999 stieß Bassist Stefan Schneider dazu. „Wir sind alle vier in Hennigsdorf geboren“, sagt Andreas Witt. Deshalb ist Hennigsdorf auch so etwas wie das Wohnzimmer der Band. Die trat in den vergangenen Jahren ein bisschen kürzer, besteigt noch vierbis sechsmal im Jahr die Bühne, die Hälfte davon in Hennigsdorf. „Rock am Hafen“ fällt auch darunter und ist ein Format, bei dem die vier Ü-50Herren gern dabei waren.

„Viele Gäste im Publikum sind Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte“, die dann immer wieder zu unseren Auftritten kommen und weitestgehend in unserem Alter sind. Manchmal verirren sich auch jüngere Leute“, so der Sänger. Da die Band „klassische Rockmucke“ spiele, sei das durchaus auch Musik für die nach- folgenden Generationen. Eigentlich wollten die vier am Sonnabend, 28. März, das nächste Mal in die Tasten, zu den Trommelstöcken oder zum Mikrofon greifen – aber Corona macht auch der Kultur einen Strich durch die Rechnung. Die nächste Auflage von „Live-Rock im Ello“ – Marauder und die Band Halb/9 waren engagiert worden – wurde wegen des grassierenden Virus’ abgesagt. Aber laut Auskunft des Veranstalters wird die Veranstaltung nicht gänzlich ins Wasser fallen. Es wird gerade nach einem Ersatztermin geschaut. Anvisiert wird der Herbst, möglicherweise der Oktober. Anfragen bei den Bands würden bereits laufen, hieß es vom Veranstalter.


„Viele Gäste im Publikum sind Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte.“

Andreas Witt,
Sänger und Gitarrist


Marauder spielt insbesondere Rock. Das sind Titel, die weniger bekannt sind, selbst geschriebene Songs und Hits aus alten Zeiten. „Ich denke, das ist immer eine ganz gute Mischung“, so Andreas Witt. Die Lieder werden Marauder bei ihren Auftritten nicht ausgehen. „In 28 Jahren kommen viele Titel zusammen. Drei bis vier Stunden könnten wir locker hintereinander spielen. Aber das wollen wir gar nicht und es ist auch anstrengend.“ Deshalb komme ihnen ein Abend, an dem mehrere Bands auftreten, sehr gelegen, zumal sie sich in der Regel auch gut verstehen; mit Halb/9 sei das auch so, sagt Andreas Witt.

„Live-Rock im Ello“ sei jedes Mal ein Treffen Gleichgesinnter. Das betrifft einerseits die Musiker, andererseits die Gäste. „Der Abend soll an die frühere Zeit erinnern“, sagt Sophie Preuß. Sie ist Leiterin der Veranstaltungsstätten Hennigsdorf und hat damit auch den Hut für solch ein Konzert auf. Einmal im Jahr – im Frühjahr – wird zu „LiveRock im Ello“ gerufen. Das ist diesmal anders. Die Fans müssen sich gedulden.


Von Stefan Blumberg

Absagen über Absagen

„Live-Rock im Ello“ ist keineswegs die einzige Veranstaltung, die in Hennigsdorf wegen der akuten Gefahren durch das Coronavirus abgesagt wurde. Sie sollte am 28. März stattfinden.

Hennigsdorf entschied sich, vorerst die Indoor-Veranstaltungen mit Besuchern ab 100 Personen abzusetzen.

Dazu sagte Bürgermeister Thomas Günter das Stadtoberhaupt: „Wir haben die Entscheidung sehr genau abgewogen. Die Gesundheit unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger hat für uns oberste Priorität. Insbesondere kranke und ältere Menschen möchten wir vor den Ansteckungsgefahren durch das Coronavirus schützen.“

Hier sei die Stadt in besonderem Maße gefragt – sie werde ihre Fürsorgepflicht sehr ernst nehmen.

Von der Absage betroffen sind in den kommenden Tagen unter anderem diese Veranstaltungen: „Lina Lärche – Kann ein Riegel Sünde sein?“ am 21. März in der Alten Feuerwache; das Frühlingskonzert der Musikschule Hennigsdorf am 21. März im Stadtklubhaus; die Percussionkonzerte am 25./26. März im Stadtklubhaus.

Sämtliche Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit. Über die weitere Verfahrensweise informiert die Stadt Hennigsdorf zu einem späteren Zeitpunkt.

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