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Home Sonderthemen Neuruppin Neuruppin: Gutachten zur Pflege per Telefon bergen Risiken
12:19 18.12.2020
Nicht nur im Heim: Pflegebedürftige haben Anspruch auf finanzielle Unterstützung.Fotos: Karmann/dpa

Mit welcher finanziellen Unterstützung Pflegebedürftige rechnen können, hängt davon ab, in welchen der fünf Pflegegrade sie eingestuft wurden. Das legen Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) oder von Medicproof fest. Ob gesetzlich oder privat versichert – es geht um bis zu 2000 Euro monatlicher Pflegeleistung. Aufgrund der Pandemie finden diese Begutachtungen derzeit nicht persönlich, sondern telefonisch statt. Das birgt nach Angaben von Fachleuten der Arag-Versicherungsgruppe Risiken und bedarf richtiger Vorbereitung.

■ Kategorie und Leistungen

Für gesetzlich Versicherte ist demnach der MDK für die Pflegebegutachtung zuständig, bei privat Versicherten übernimmt dies Medicproof. Die Leistungen, die Betroffene erhalten, richten sich nach dem Schweregrad der Beeinträchtigung und der Art der Pflege. Es kommt laut Arag auch darauf an, ob diese durch Angehörige oder professionelle Pflegedienste erbracht wird und ob der Pflegebedürftige dauerhaft in einem Pflegeheim untergebracht ist.

■ Grundlage der Bewertung

Prinzipiell geht es bei der Begutachtung darum, wie selbstständig Antragsteller ihren Alltag noch bewältigen können. Die Gutachter prüfen den Bedarf in sechs Lebensbereichen: Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhalten und psychische Problemlagen, Selbstversorgungsgrad, Alltagsgestaltung und soziale Kontakte sowie Bewältigung krankheits- oder therapiebedingter Anforderungen und Belastungen. Anhand einer Punkte-Skala von 0 bis 100 wird dann der Pflegegrad ermittelt.

■ Telefon statt Hausbesuch

Aufgrund des Ansteckungsrisikos für alle Beteiligten hat die Bundesregierung im sogenannten Krankenhauszukunftsgesetz beschlossen, dass bis auf Weiteres keine persönlichen Pflegebegutachtungen im Rahmen von Hausbesuchen durchgeführt werden dürfen. Stattdessen werden Antragsteller oder deren Bezugsperson nun telefonisch interviewt. Dazu bekommen Patienten etwa vom MDK vorab einen Fragebogen zugeschickt, der helfen soll, sich auf das Gespräch vorzubereiten. Viele Medizinischen Dienste stellen laut Arag die Fragebögen auch online zum Herunterladen zur Verfügung. Das Gutachten wird anschließend auf Basis des Gesprächs und nach Aktenlage – also Unterlagen wie dem Antrag auf Pflegeleistung oder von Arztbefunden erstellt.


5 Grade unterscheidet die Bewertung der Pflegeleistungen


■ Risiken der Telefonate

Das persönliche Kennenlernen und der direkte Eindruck von der Lebenswirklichkeit des Pflegebedürftigen blieben in telefonischen Interviews weitgehend auf der Strecke, warnen die Arag-Experten. Und so berge die Einschätzung der Pflegebedürftigkeit per Telefon Risiken einer Fehleinschätzung. Daher wird geraten, sich intensiv auf das Interview vorzubereiten, den Pflegeleistungsantrag eventuell mit der Hilfe von erfahrenen Pflegeexperten auszufüllen und sich Unterstützung durch Angehörige, Freunde oder Pflegekräfte zu holen.

Von Gerald Dietz

Widerspruch möglich

Wenn Antragsteller nicht mit dem Ergebnis des Gutachtens einverstanden sind, sie berechtigte Zweifel daran haben oder aber Fehler entdecken, gibt es Möglichkeiten der Beanstandungen der Einstufung.

Betroffene können nach Auskunft der Arag-Experten innerhalb eines Monats schriftlich bei ihrer Pflegekasse Widerspruch gegen das Ergebnis der Begutachtung einlegen.

Info https://www.arag.de/aufins-leben/pflegeund-betreuung/

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