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08:30 28.12.2020
Gisbert Schulze ist alljährlich als Weihnachtsmann unterwegs. Foto: Margrit Hahn

In diesem Jahr muss Gisbert Schulze als Weihnachtsmann kürzer treten. Die Coronakrise zwingt ihn dazu. Seit 59 Jahren ist er an Heiligabend als bärtiger Alter unterwegs. Dieser Tradition folgt er auch in diesem Jahr – allerdings unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. 

So werden die Geschenke entweder im Freien oder mit Abstand in der Wohnung verteilt. Während er im vergangenen Jahr von 14 bis 20 Uhr unterwegs war, wird es in diesem Jahr weitaus ruhiger. Auf einen Chauffeur verzichtet er trotzdem nicht. 

Begonnen hat Gisbert Schulzes Weihnachtsmann-Karriere, als er 14 Jahre alt war. Ein Wirt in Trebbin hatte ihn gefragt, ob er für dessen Kinder den Weihnachtsmann spielen würde.

Schulze sagte zu und wusste nicht, dass er Jahrzehnte später noch immer solchen Spaß an diesem besonderen Job haben würde. Im Weihnachtsmannkostüm auf dem Fahrrad sorgte er als Teenager in Trebbin für Aufsehen. Inzwischen hat er als Weihnachtsmann-Profi die Region erobert. Im Vorfeld erfährt er, wo sich die jeweiligen Geschenke befinden, die er ausliefern soll. Die Eltern sagen ihm auch, was er den Kindern mit auf den Weg geben soll. „Ich kenne ja die Kinder nicht“, sagt der 75- Jährige. Und so ermahnt er sie, aufzuräumen oder in der Schule fleißiger zu lernen. Wenn es der Weihnachtsmann sagt, habe es eine ganz andere Wirkung, als wenn es die Eltern tun. Ihnen Angst zu machen liegt ihm fern. Die meisten Kinder sind gut vorbereitet, tragen Gedichte vor, singen ein Lied oder spielen auf Melodica oder Flöte. 

FOTO: ADOBE STOCK/PIXEL-SHOT
FOTO: ADOBE STOCK/PIXEL-SHOT

Hin und wieder hilft der Weihnachtsmann, wenn ein Kind nicht textsicher ist. Die Anzahl der Präsente hält sich in der Regel in Grenzen – meist steht an vereinbarter Stelle ein Sack.

Im vergangenen Jahr hatte eine Mutter für ihre fünf Kinder allerdings fünf blaue Säcke mit Geschenken gefüllt. Da kam sogar der Weihnachtsmann ins Schwitzen.

In knapp 60 Dienstjahren hat der gebürtige Trebbiner so viel erlebt, dass er darüber ein ganzes Buch schreiben könnte. Eine Episode würde darin auf keinen Fall fehlen: Großeltern in Luckenwalde hatten ihn bestellt. Damit die Enkel die Geschenke vorher nicht entdecken, waren sie im Büro versteckt und der Raum wurde abgeschlossen. Als der Weihnachtsmann kam, um die Geschenke zu verteilen, war der Schlüssel plötzlich weg. Nirgends war er aufzutreiben und so musste letztendlich die Tür aufgebrochen werden. Diese wurde samt Rahmen herausgebrochen, wobei ein erheblicher Schaden entstand. Die Enkel waren aber glücklich, dass ihnen der Weihnachtsmann die Geschenke gebracht hatte. „So ein Erlebnis vergisst man nicht“, sagt Gisbert Schulze.
 

Wenn er abends wieder zu Hause ist und das Kostüm abgelegt hat, ist sein Dasein als Weihnachtsmann vorbei – bis zum nächsten Jahr. Dann lässt er sich den Entenbraten zu Hause in Woltersdorf mit Klößen und Grünkohl schmecken. Mit Grünkohl kennt er sich aus, den bietet er das ganze Jahr über in seinem Imbiss in Gottow an. Seine fünf Enkel und seinen Urenkel bespaßt Gisbert Schulze auch gern, allerdings nicht an Heiligabend. Von Margrit Hahn

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