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17:41 20.07.2021
Kopfsprünge können erhebliche Gefahren bergen, wenn das Wasser nicht tief genug ist. Fotos: Ina Fassbender/dpa; dpa

Was als harmloser Badespaß anfängt, kann im Rollstuhl enden. Vor allem junge Männer verletzen sich oft bei Kopfsprüngen in flache Gewässer an der Halswirbelsäule. Orthopäden und Chirurgen raten, beim Baden nicht nur im Meer, in Flüssen oder Seen, sondern auch im Freibad gefährliche Kopfsprünge zu vermeiden und auf Alkohol zu verzichten. Schlägt beim Sprung der Kopf auf harten Untergrund, kann es zur Querschnittslähmung kommen, heißt es seitens der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Die Wassertiefe wird häufig falsch eingeschätzt, besonders unter Alkoholeinfluss. „Das ganze Leben steht völlig Kopf danach und eine gute Lebensqualität ist schlagartig ade“, beschreibt die Potsdamer Orthopädin und Landesvorsitzende des brandenburgischen Berufsverbandes BVOU, Ulrike Fischer, das drohende Schicksal.

Heimische Badeseen haben sich nicht erst in der Pandemie zu sommerlichen Anziehungspunkten entwickelt. Auch in dieser Saison werden wieder viele – besonders junge – Menschen nicht nur baden, sondern an den Ufern auch gemeinsam feiern gehen. Freigewässer beinhalten wegen der Trübung oft unkalkulierbare Tiefen. Zudem schwanken die Wasserstände bei Hitze, sodass auch bekannte Gewässer gefährlich werden können, etwa wenn Hindernisse unter Wasser plötzlich näher an der Oberfläche sind.

Mediziner raten daher zur Vermeidung von Unfällen, nicht nur Kopfsprünge in unbekannte Gewässer zu vermeiden und nicht trunken schwimmen zu gehen, sondern auch Vorsicht walten zu lassen, die Wassertiefe vor dem Bad zu prüfen und beim Toben im Flachen Maß zu halten. In Deutschland ist laut Schätzungen von knapp 100 Querschnittsverletzten nach Badeunfällen pro Jahr auszugehen. Bei einer durchschnittlichen Zahl von 1000 bis 1500 neu aufgetretenen akuten Querschnittslähmungen nach Unfällen liegt der Anteil bei bis zu acht Prozent.

Wie groß das Problem ist, zeigt noch augenscheinlicher eine Studie einer Universitätsklinik in Bochum. Demnach wurden dort in den vergangenen 18 Jahren 60 Menschen behandelt, die nach einem Kopfsprung eine Rückenmarksverletzung erlitten hatten. Der Anteil männlicher Patienten lag bei rund 99 Prozent. Sie wurden mit Stauchungs- und Verrenkungsbrüchen der Halswirbelsäule eingeliefert, die eine traumatische Schädigung des Rückenmarks zur Folge hatten. Mehr als die Hälfte sah sich mit einer vollständigen Rückenmarkschädigung konfrontiert. Das bedeutet ein Leben im Rollstuhl, Arme und Beine können nicht mehr bewegt werden – besonders tragisch, da das Alter zum Unfallzeitpunkt im Mittel bei 28 Jahren lag. Ein Vergleich mit internationalen Studien zeigt, dass es sich um ein dauerhaftes, wiederkehrendes Problem handelt. gd


Parodontitistherapie optimiert

Menschen mit schwerer Parodontitis profitieren seit Monatsbeginn von Änderungen im Therapieangebot gesetzlicher Krankenkassen. Der Leistungskatalog wurde ausgeweitet. Betroffene bekommen nun laut Stiftung Gesundheitswissen standardmäßig erweiterte Behandlungen.

Mit der Richtlinie kann die Erkrankung nun mit umfassenden, am individuellen Bedarf ausgerichteten Maßnahmen bekämpft werden, heißt es seitens der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung. Betroffene erhalten im Zusammenhang mit der eigentlichen antiinfektiösen Therapie eine individuelle Mundhygieneunterweisung. Bestandteil der integrierten unterstützenden Parodontitistherapie ist demnach auch die vollständige Reinigung der Zähne von Biofilmen und Belägen, wie sie bei einer professionellen Zahnreinigung erfolgt.

Parodontitis ist unter Erwachsenen die häufigste Ursache für Zahnverlust. In Deutschland sind vor allem Menschen über 45 Jahren betroffen. Mit dem Alter steigt die Prävalenz. Zudem gibt es Zusammenhänge mit weiteren Erkrankungen wie Diabetes und koronaren Herzleiden.