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Home Sonderthemen Havelland Fröhliches Rollen
14:31 14.04.2020
Zu Hause dürfen die Ostereier noch rollen. FOTO: ADOBE STOCK/ RACLE FOTODESIGN

Bunte, hartgekochte Eier kullern mehr oder weniger schwungvoll einen Hang hinab. Mit etwas Glück bleiben sie unversehrt – das Ei, das heil geblieben ist und den weitesten Weg zurückgelegt hat, gewinnt. Viele Menschen in der Region dürften dieses Spiel, das am Ostersonntag besonders beliebt ist, als Ostereiertrudeln kennen. Aber auch in anderen Gegenden erfreuen sich ähnliche Ostereierwettkämpfe nach wie vor einiger Beliebtheit – unter ganz unterschiedlichen Bezeichnungen. Selbst im Weißen Haus in Washington haben rollende Ostereier Tradition. Hier heißt das Spiel mit den Ostereiern „Easter Egg Roll“. In diesem Jahr muss das Ostereierrollen in Washington entfallen, so heißt es auf der offiziellen Seite des Weißen Hauses. Die Traditionsveranstaltung im Garten des US-Präsidenten teilt dasselbe Schicksal wie die vielen Eiertrudelspiele im Havelland und Umgebung, die aufgrund der Coronakrise abgesagt werden mussten.

Das Ostereierrollen in Washington, dessen offizielle Gastgeberin die jeweilige First Lady ist, wurde 1878 eingeführt. Der Ursprung der Eierroll-Geschichte: Im 19. Jahrhundert kamen einige Kinder auf die Idee, sich am Ostermontag auf dem Capitol Hill zu treffen und ihre Ostereier den Berg herunterrollen zu lassen. Der US-Kongress fand das weniger lustig und verabschiedete ein Gesetz, dass das Spielen von Kindern auf dem Capitol-Hügel verbot. Zwei Jahre später fand der damalige Präsident Rutherford B. Hayes jedoch eine Lösung: Er lud die Kinder der Stadt am Ostersonntag zu sich ins Weiße Haus und ließ sie im dortigen Garten Ostereier rollen. Heutzutage ist die Tradition der „Easter Egg Roll“ in den Vereinigten Staaten weit verbreitet, die begehrten Karten für die Veranstaltung werden verlost. Kommen beim Eierrollwettbewerb der US-amerikanischen Präsidentengattin zumeist große Kochlöffel zum Einsatz, suchen hierzulande Eiertrudler hingegen nach wie vor lieber einen geeigneten Hang, um ihre Ostereier in Fahrt zu bringen.

Unterschiedliche Varianten des Spiels gibt es allerdings auch in Deutschland. Im Westerwald ist das Trudeln zum Beispiel als Eierschibbeln bekannt, in der Lausitz nennt man es Ostereierschieben und in Teilen Süddeutschlands wird es als Eierhetzeln bezeichnet. Mitunter variieren auch die Regeln des traditionellen Spiels deutlich. Ziel der Eierschibbelei ist es zum Beispiel, das zuerst vom Berg gerollte Ei, das als Setzei bezeichnet wird, mit einem weiteren Ei, dem Schibbelei, zu treffen. Als Zählhilfe werden im Süden Deutschlands getroffene Eier mit einem Centstück markiert. Wer die meisten Eier trifft, darf die Centstücke behalten.

Wo genau die Traditionen des Ostertrudelns und Eierschibbelns in Deutschland ihren Ursprung haben, lässt sich nicht mehr klar nachvollziehen. Etliche Regionen beanspruchen den Titel für sich. Im ostsächsischen Bautzen soll das traditionelle Eierschibbeln beispielsweise bereits seit über 400 Jahren Bestandteil des Osterfestes sein.

Gemeinsam ist allerdings allen Varianten: Die Eier für das Ostertrudeln müssen hartgekocht sein. Am besten werden sie bereits am Karsamstag vorbereitet, gut abgekühlt und dann bemalt. Sinnvoll ist dabei eine individuelle Färbung, um das eigene Osterei während des Spiels auch sicher wiederzuerkennen. jk
    

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