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08:23 28.12.2020
Foto: Soeren Stache/ DPA

Gibt es ihn denn nun oder gibt es ihn nicht, den Weihnachtsmann? Für die meisten kleinen Kinder ist das keine Frage: Natürlich gibt es ihn. Das gilt manchmal selbst dann noch, wenn der Mann mit dem roten Mantel eigentlich schon enttarnt ist. „Mein Papa hat sich als Weihnachtsmann verkleidet“, berichtet ein Fünfjähriger aufgeregt seiner Erzieherin. Und schreibt trotzdem noch eifrig einen Wunschzettel an den Weihnachtsmann persönlich.
 

Weihnachten ist Thema im Werkstattseminar des Studiengangs Bildung und Erziehung in der Kindheit an der Fachhochschule Potsdam, der auf die pädagogische Arbeit in Kita, Schule, Hort oder in Beratungsstellen für Familien vorbereitet. Die Studierenden und angehenden Kindheitspädagoginnen berichten von ihren Erfahrungen im Praktikum. In der Kita ist die Weihnachtszeit etwas ganz Besonderes, sagt Josephine Pakropa, die in einem Waldorf-Kindergarten im ländlichen Raum arbeitet. „Es gibt viele Sachen, die nur zu Weihnachten gemacht werden“, sagt die 24-Jährige, die in Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin) aufgewachsen ist. Die Kinder können Kerzen ziehen, sie backen mit den Erzieherinnen Plätzchen und singen Weihnachtslieder. Es gibt einen Adventskalender und zum 6. Dezember wird auch die Geschichte des Heiligen Nikolaus erzählt.
 

Solche Bräuche und Rituale sind nur in christlich geprägten Betreuungseinrichtungen zu finden, wie sich im Austausch der Studierenden im Seminar zeigt. Der Weihnachtsmann ist vor allem in nicht konfessionell gebundenen Einrichtungen wichtig. Dort wird er auch von Kindern, deren Familien aus einem anderen Kulturkreis stammen, freudig erwartet, so eine Studentin, die in einer Potsdamer Kita ihr Praktikum macht.
 

„Die Krippenkinder sind im Morgenkreis gespannter“, berichtet sie. Die Gruppenräume sind mit Tannengrün und Weihnachtsbaum geschmückt. Adventskalender und Weihnachtslieder werden als etwas Besonderes wahrgenommen, das vom normalen Kita-Alltag abweicht. Und selbst wenn die Kleinen aufgrund der milden Winter noch nie selbst Schnee erlebt haben, lieben sie die Bilder vom geheimnisvollen Weihnachtsmann, der mit einem Schlitten voller Geschenke durch den verschneiten Wald kommt.
 

 Karin Borck, Professorin für Sozial- und Bildungswissenschaften an der FH Potsdam. Foto: Andrea Hansen/ FH Potsdam
Karin Borck, Professorin für Sozial- und Bildungswissenschaften an der FH Potsdam. Foto: Andrea Hansen/ FH Potsdam

Kinder im Vorschulalter haben eine magisch-fantastische Wirklichkeitsauffassung. Ihr Weltbild bezieht auch die Existenz von Hexen und Zauberern, Feen und Monstern mit ein, sagt Seminarleiterin Karin Borck, Professorin am Fachbereich Sozial- und Bildungswissenschaften. In ihrem Bemühen, sich die Welt zu erklären, fügen sie in kreativer Form magische Dinge und Personen ein. Ein Weihnachtsmann kommt ihnen da sehr gelegen und löst selbst bei älteren Kindern noch positive Gefühle aus, sagt Borck, sofern sie mit der Figur gute Erfahrungen gemacht haben. Wer Angst hatte vor dem Weihnachtsmann, wird damit auch später keine guten Gefühle verbinden und seinen Kindern dieses Erlebnis ersparen wollen.

Rituale sind insgesamt wichtig, erklärt sie. Durch wiederkehrende Abläufe geben sie Sicherheit und Orientierung, halten außerdem die Gemeinschaft zusammen. „Das gilt nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene“, sagt sie. Weihnachten ist im Jahreslauf eine herausgehobene Zeit, die für Erwachsene auch mit Erinnerungen an die eigene Kindheit verbunden ist. Gerade in Krisenzeiten wie jetzt ist es für die Menschen beruhigend, an den weihnachtlichen Ritualen festzuhalten. „Auch wenn es jetzt nötig ist, teilweise andere Formen zu finden“, erklärt Karin Borck. Doch gelte grundsätzlich für Rituale, dass sie veränderbar sein und nicht zum Zwang werden dürften. In Zeiten der Pandemie brauche es Rituale, die zur Situation passten und die Möglichkeit böten, Erlebnisse und vielleicht auch Ängste zu verarbeiten.

In den Kitas war in diesem Jahr durch Corona vieles nicht möglich, berichtet Studentin Josephine Pakropa. Basteln mit den Eltern und ein kleiner Weihnachtsmarkt zum Abschluss, das musste der Kontaktbeschränkungen wegen wegfallen. Trotzdem bemühten sich die Erzieherinnen, die vertrauten Abläufe möglichst weitgehend zu erhalten. Auch die Weihnachtstage werden jetzt bei vielen anders, weil viele die Zahl der Besuche einschränken. „Aber die Kernfamilie ist zusammen, der Weihnachtsbaum ist da und es gibt Geschenke“, sagt Josephine Pakropa. Da dürfte es für die Kinder zu verschmerzen sein, wenn die Großeltern nicht direkt dabei sind, sondern es ein virtuelles Treffen per Videoschaltung gibt. Von Ulrich Nettelstroth

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