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Home Sonderthemen Potsdam Es grünt auf Dächern und an Fassaden
12:13 03.03.2020
Begrünte Dächer sehen schön aus und sorgen für ein angenehmeres Stadtklima.
FOTOS: BUGG, FOTOLIA

Von Ulrich Nettelstroth

Nicht raus ins Grüne, sondern rauf ins Grüne – so könnte es heißen, wenn es um Gründächer geht. In den Städten wird es enger. Der Wohnraum ist knapp und so wird nicht nur in Metropolen verdichtet, sondern auch in vielen Mittel- und Kleinstädten. Damit das Stadtgrün nicht ganz auf der Strecke bleibt, kann es nach oben verlegt werden, auf die Dächer.

Gründächer bieten sowohl ökologische als auch bauphysikalische Vorteile. Indem der pflanzliche Bewuchs dort einen großen Teil des Regenwassers speichert und anschließend verdunsten lässt, sorgt er für ein ausgeglichenes Kleinklima. Das macht sich gerade an heißen Sommertagen als angenehmer Kühleffekt bemerkbar. Außerdem wird die Kanalisation bei Starkregen entlastet und die Dachabdichtung vor Extremtemperaturen geschützt. Darüber hinaus sind Gründächer ein Lebensraum für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Kleinlebewesen. Gerade im Hinblick auf den Klimawandel können bepflanzte Dächer eine große Rolle spielen. „Studien weisen nach, dass schon die Pflanzen einer anspruchsloseren, extensiven Dachbegrünung Feinstaub, Stickoxide und weitere Schadstoffe aus der Luft filtern und abbauen können“, sagt Günter Mann, Präsident des Bundesverbands Gebäude-Grün.

Mittelbrandenburgische Sparkasse

Auch auf die Innentemperatur kann sich die Begrünung des Dachs positiv auswirken. Mit Asphaltpappe gedeckte Dächer können sich im Sommer auf 80 bis 100 Grad Celsius erhitzen, Gründächer hingegen nur auf 25 bis 40 Grad Celsius, erklärt Tassilo Soltkahn, Architekt und Vorstand der Soltkahn AG.

„Bei der Bebauung eines Grundstücks in Teltow bei Potsdam durch drei Wohnhäuser planten wir deshalb für alle Gebäude Gründächer ein“, berichtet er. Gründächer vermindern außerdem Schallreflexionen um bis zu drei Dezibel. Während „harte“ Dachflächen, beispielsweise aus Ziegeln oder Beton, Schallwellen reflektieren, absorbieren die Pflanzenoberflächen Störgeräusche. Die Schalldämmung im Inneren kann um bis zu acht Dezibel verbessert werden.

„Bei der Entwurfsplanung für ein Wohnhaus in Dahlewitz – ein Ortsteil im brandenburgischen Landkreis Teltow-Fläming, der nur etwa zehn Kilometer vom Flughafen Berlin-Schönefeld entfernt liegt – haben wir beispielsweise neben weit herausgezogenen und massiven Decken Gründächer eingeplant, um der Ausbreitung von Geräuschen entgegenzuwirken“, sagt Soltkahn, der einige Erfahrung mit Gebäudebegrünung hat.

Wer als privater oder auch gewerblicher Bauherr einen grünen Neubau plant oder ein Bestandshaus begrünen möchte, kann in manchen Städten eine direkte oder indirekte finanzielle Förderung dafür in Anspruch nehmen. Der Bundesverband hat eine Umfrage unter deutschen Städten durchgeführt. Daraus geht hervor, dass in den Städten mit mehr als 50 000 Einwohnern insgesamt 47 Förderprogramme für Dachbegrünung und 44 für Fassadenbegrünung laufen. Weitere 33 Städte betreiben Programme, die Dach- und Fassadenbegrünung kombinieren und teilweise Innenhöfe, Vorgärten und Freiflächen beinhalten.

Info Unter www.gebaeudegruen.info sind die Umfrageergebnisse des Bundesverbands kostenlos abrufbar.


Strom und Wärme

Ein Blockheizkraftwerk funktioniert auch im kleinen Maßstab

Wohlig warm: Ein Blockheizkraftwerk spart rund ein Drittel an Energie.
Wohlig warm: Ein Blockheizkraftwerk spart rund ein Drittel an Energie.
FOTO: BHW BAUSPARKASSE

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland gerade einmal 3025 Blockheizkraftwerke (BHKW) mit jeweils bis zu 50 Kilowatt Leistung installiert. Und das trotz Pluspunkten: Sie erzeugen gleichzeitig Strom und Wärme, sind energieeffizient und werden finanziell gefördert.

Ein BHKW spart gegenüber der konventionellen, voneinander getrennten Strom- und Wärmeerzeugung rund ein Drittel an Energie. Das Prinzip nennt sich Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Es nutzt die Abwärme der Stromerzeugung direkt für die Heizung. Das Verfahren schont die Umwelt und wird von Bund und Ländern sowie von Energieversorgern bezuschusst. Bis zu 4375 Euro schüttet das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle für die Installation einer Anlage von 20 Kilowatt Leistung aus. Zudem erhalten die Betreiber die Energiesteuer zurück und bekommen noch dazu einen Zuschlag auf den selbst produzierten Strom.

Drymat Systeme GmbH

Kaum bekannt ist, dass die Technik der Kraft-Wärme-Kopplung prinzipiell auch für Einfamilienhäuser nutzbar ist. Bei Anlagen bis zehn Kilowatt spricht man von Mikro-BHKW. Die Anschaffung eines solchen Kleinkraftwerks kostet ungefähr 25 000 Euro. Ob sich diese Lösung rentiert, kann ein Energieberater berechnen. „Als Faustformel gilt: Je höher der eigene Energieverbrauch, desto eher lohnt sich ein Blockheizkraftwerk“, sagt Thomas Mau von der BHW Bausparkasse. „Gerade Gebäude mit einem hohen Heizbedarf profitieren von dieser umweltfreundlichen Technologie.“

Wer eine Anlage für ein Mehrfamilienhaus plant, sollte beachten, dass BHKW über zehn Kilowatt Leistung nicht mehr von der EEG-Umlage ausgenommen sind. Das heißt, dass man auf den selbst verbrauchten Strom eine Abgabe zahlt, die aktuell 2,6 Cent pro Kilowattstunde beträgt. Noch kleinere Anlagen unter zehn Kilowatt sind dagegen von der Umlage befreit.

In jedem Fall ist es finanziell deutlich lukrativer, den selbst produzierten Strom auch selbst zu verbrauchen, anstatt ihn in das öffentliche Netz einzuspeichern. net

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