Menü
Anmelden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland

Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg

Home Sonderthemen Fläming Mehr Ladestellen für das Land
06:15 28.06.2019
Der Renault Zoe ist eines von zwei E-Autos in der Flotte der Stadtwerke Brandenburg. FOTOS: STADTWERKE BRANDENBURG

Von Andreas Kaatz und Ulrich Hansbuer  

Ausgefallenes Design mit futuristischer Anmutung: echte Hingucker. Wenn die Mitarbeiter der Stadtwerke Brandenburg (StWB) mit den neuen beiden Elektroflitzern in der Havelstadt unterwegs sind, fallen sie im Verkehr auf. Auch im Landkreis Havelland gibt es immer mehr derart Auffälliges auf der Straße: 976 E-Autos und 782 Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge wurden bisher gezählt – es sollen mehr werden.

Doch wie ist es um die Versorgung mit Ladesäulen in Stadt und Land bestellt? Im Havelland gibt es derzeit lediglich 36 elektrische Zapfstellen. In Brandenburg/Havel sind es sechs, die in diesem Jahr um 30 Säulen erweitert werden sollen. Im Bundesland Brandenburg waren es Ende 2018 insgesamt 236 Stationen.
           

Damit die Zapfanlagen-Zahl künftig steigt, hat der Landkreis Havelland die Erarbeitung eines Elektromobilitätskonzeptes für das Havelland in Auftrag gegeben. Auf diese Weise will man in Sachen Klimaneutralität einen Schritt vorankommen. „Wir wollen schauen, wie wir es erreichen können, dass mehr Elektroautos fahren“, sagt Roger Lewandowski (CDU), der Landrat: „Wir können die Rahmenbedingungen schaffen.“ Der Landkreis will die Weichen dafür stellen, dass künftig ausreichend öffentliche Ladesäulen in der Region zur Verfügung stehen.

So lautete denn auch die Aufgabe an Mario Meyer von der PricewaterhouseCoopers GmbH und Axel Häusler von der Gretas GmbH, im Auftrag des Kreises sinnvolle Standorte für solche Ladepunkte zu ermitteln. Dazu gehören etwa Parkplätze in Orten mit hoher Wohndichte, künftige Bebauungsgebiete, Mobilitätsknotenpunkte wie Bahnhöfe, aber auch Einkaufszentren oder touristische Ziele. Geachtet wurde zudem darauf, dass nicht nur bevölkerungsreichere Orte wie Falkensee, Nauen oder Rathenow, sondern auch die ländlichen Bereiche Berücksichtigung finden.
             

Sechs Ladesäulen gibt es derzeit in Brandenburg/Havel. Es sollen mehr werden.
Sechs Ladesäulen gibt es derzeit in Brandenburg/Havel. Es sollen mehr werden.

Meyer und Häusler empfehlen, an 138 Standorten im Landkreis Ladesäulen zu installieren. Bei der Suche nach den optimalen Standorten stimmten sie sich auch mit dem Energieunternehmen Edis ab. Das prüfte, ob an den ausgewählten Standorten überhaupt ein Anschluss möglich ist. So wurde unter anderem der Parkplatz am Bahnhof Finkenkrug in Falkensee unter die Lupe genommen, ebenso wie der Parkplatz am Bahnhof Nauen. In beiden Fällen gab es grünes Licht.

Als Zeithorizont für die Umsetzung des Konzeptes sieht Lewandowski die nächsten fünf Jahre. Meyer und Häusler schlagen in dem Papier noch mehrere Maßnahmen vor, um die Elektromobilität auszuweiten. Dazu gehört etwa ein E-Car-Sharing an Mehrfamilienhäusern oder aber mit Autos der kommunalen Flotte.

„Strom tanken und grün fahren, das passt gut zu den Stadtwerken.“, sagt Beate Dabbagh, Pressesprecherin der Stadtwerke Brandenburg (StWB) an der Havel GmbH & Co. KG. Die Elektromodelle Renault Zoe und der Nissan ENV200 in der Flotte werden von StWB-Mitarbeitern aus den Bereichen Wärme und Gas gefahren. Elektroautos würden geringere Betriebs- und Unterhaltskosten verursachen argumentiert die Stadt. „Eine Betankung kostet je nach Stromtarif sowie Verbrauch maximal 1,45 Euro für 100 Kilometer Fahrt“, so die Stadtwerke.

Doch wer soll die Investitionen der Energiewende bezahlen? Über Förderungsmöglichkeiten weiß die Anlauf- und Koordinierungsstelle für E-Mobilität Brandenburg bei der Wirtschaftsförderung gut Bescheid. In den nächsten fünf Jahren wird sich demnach auf den Straßen Brandenburgs und im Havelland einiges tun. Sogar an eine öffentlichkeitswirksame E-Auto-Testlotterie wird im Experten-Papier gedacht. Die Gewinner können mehrere Tage lang E-Auto fahren und testen.


E-Tretroller, E-Scooter genannt, werden wohl bald durch viele Straßen rollen.                               FOTOS: ROLAND WEIHRAUCH/DPA; ARAG
E-Tretroller, E-Scooter genannt, werden wohl bald durch viele Straßen rollen.                               FOTOS: ROLAND WEIHRAUCH/DPA; ARAG

Elektrische Tretroller – E-Scooter genannt – liegen im Trend. Mit ihnen werden Mobilitätslösungen in Verbindung gebracht, die Verkehrs- und Umweltbelastungen verringern sollen. In Deutschland stand eine Straßenzulassung noch aus, bis die Bundesregierung sich auf eine entsprechende Verordnung einigte. Die ersten Leihroller wurden inzwischen etwa in Potsdam und Berlin aufgestellt. Der Rechtsexperte der Arag-Versicherungsgruppe Tobias Klingelhöfer erklärt die Regeln.

Werden uns bald mehr E-Scooter im Verkehr begegnen?

Nachdem kürzlich die Zulassung erfolgt ist, werden wohl relativ schnell zahlreiche E-Scooter auf den Straßen rollen.

Sind von der Zulassung alle handelsüblichen Roller erfasst?

Die betroffenen E-Tretroller müssen selbstverständlich bestimmte Normen erfüllen. So dürfen die Elektrokleinstfahrzeuge – so heißen die E-Scooter im Beamten-Deutsch – ein Gewicht von 55 Kilogramm ohne Fahrer nicht überschreiten. Sie dürfen außerdem höchstens 70 Zentimeter breit und 200 lang sein. Mit Lenk- oder Haltestange dürfen sie bis zu 140 Zentimeter in der Höhe messen. Die zugelassene Höchstgeschwindigkeit beträgt 20 Stundenkilometer.


Eine gut hörbare Klingel oder Glocke ist Pflicht.

Tobias Klingelhöfer
Arag-Rechtsfachmann


Ist das alles?

Die Roller müssen wie Fahrräder zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen haben. Außerdem müssen die Steuerelemente für den Elektromotor sofort nach dem Loslassen in Nullstellung zurückspringen. Sonst würde sich der Scooter beim ungewollten Absteigen selbstständig machen. Die Beleuchtung darf abnehmbar sein. Seitliche Reflektoren sind ebenso Pflicht wie eine gut hörbare Klingel oder Glocke. Keine Hupe!

Wo werden die Dinger überall rumsausen? Gehweg, Radweg oder Fahrbahn?

Alle Roller dürfen nach dem Einspruch vieler Bundesländer nun auf Radwegen und Radfahrstreifen unterwegs sein. Gibt es die nicht, gehören die kleinen Flitzer auf die Fahrbahn. Die ursprüngliche Regelung, E-Scooter, die bis zwölf Stundenkilometer schnell sind, auf Gehwegen fahren zu lassen, wurde vom Bundesrat verworfen.

20 Stundenkilometer sind kein Schneckentempo! Braucht man einen Mofa-Führerschein oder Ähnliches?

Nein, eine spezielle Fahrerlaubnis ist nicht erforderlich. Jugendliche ab 14 Jahren dürfen E-Scooter fahren. Dass schon Zwölfjährige mit langsameren Rollern bis zwölf Stundenkilometern fahren dürfen, wurde ebenfalls verworfen. Das machte der Bundesrat zur Bedingung für seine Zustimmung. Vorgeschrieben ist außerdem eine Haftpflichtversicherung. Die wird hinten am Fahrzeug durch einen Versicherungsaufkleber mit Hologramm dokumentiert.

Besteht eine Helmpflicht?

Nein, doch je nachdem wo und mit welchen Geschwindigkeiten man unterwegs ist, sollte man einen Kopfschutz in Betracht ziehen.

Was ist mit Alkohol?

Das ist gar keine gute Idee! Anders als bei Fahrrädern oder auch E-Bikes gelten für E-Scooter die strengeren Promillegrenzen für Kraftfahrzeuge. Heißt, für Fahranfänger gilt die 0,0 Promillegrenze, für alle anderen Fahrer ist mit 0,5 Promille Alkohol im Blut Schluss.

Interview: Gerald Dietz

1
/
2
Datenschutz