Menü
Anmelden
Wetter bedeckt
20°/10°bedeckt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland

Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg

Home
15:33 23.08.2021
Einsamkeit, die in Depressionen münden kann, hat besonders in den Lockdown-Phasen zugenommen. Foto: Steffen/dpa; dpa

Einsamkeit ist eines der nicht unbedingt erstrebenswerten Gefühle, die als Folge der Corona-Pandemie und ihrer Beschränkungen stark zugenommen haben. Das zeigen auch Studien unter Mitwirkung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke (Dife), die zum Teil auf Angaben aus der Region beruhen. Ein Drittel aller Teilnehmer einer Erhebung unter Beteiligung des Instituts im Rahmen der größten deutschen Kohortenstudie, der Nako-Gesundheitsstudie (s. Infokasten), betrachteten sich demnach bereits zum Zeitpunkt des ersten Lockdowns im Winter und Frühjahr 2020 als einsam. Dabei wog dieser Eindruck bei Frauen mit 37 Prozent schwerer als bei Männern mit 26.

Wissenschaftler betrachten diese empfundene Einsamkeit nicht nur als einfaches Gefühl, sondern als mögliche manifeste Verschlechterung der psychischen Gesundheit. „Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass im Frühjahr während der ersten Welle der Pandemie und der ergriffenen Gegenmaßnahmen – wie ,social distancing ´, Kontaktbeschränkungen und Betriebsschließungen – sich die Ausprägung depressiver Symptome, sowie von Angst- und Stresssymptomen in der Bevölkerung verstärkt hat“, fasst Klaus Berger, Sprecher der Nako-Expertengruppe „Neurologische und Psychiatrische Erkrankungen“ die Ergebnisse zusammen.

Zwischen Ende April und Ende Mai 2020, also während des ersten harten Lockdowns in Deutschland, waren im Rahmen der Studie „Einsamkeit während der ersten Welle“ des Nako-Konsortiums bundesweit insgesamt 205 000 Erwachsene gebeten worden, sich zusätzlich an einer speziellen Covid-19-Befragung zu beteiligen. Darunter waren auch 10 000 Teilnehmer des Nako-Studienzentrums Berlin-Süd/Brandenburg, das vom Dife geleitet wird.

Nach den ersten 30 Tagen standen den Wissenschaftlern bereits 113 928 (knapp 60 Prozent) vollständig ausgefüllte Fragebögen zur Verfügung. Bis zum Ende der Erhebung stieg die Beteiligung auf 82 Prozent. Auch die Leiterin des durch das Dife koordinierten Studienzentrums, eines von insgesamt 16, Sylvia Gastell berichtet davon, dass die Fragebogenaktion bei den Befragten sehr gut angekommen sei.

Ältere Personen waren demnach weniger von Einsamkeit betroffen als junge Menschen. Insgesamt gaben 80 Prozent der Teilnehmenden an, dass sie manchmal oder oft das Gefühl des Fehlens der Gesellschaft anderer empfunden hatten. Jeder zweite fühlte sich während des ersten Lockdowns insgesamt einsamer als zuvor. Mit steigender Wahrnehmung von empfundener Einsamkeit nahm auch der Schweregrad von gesundheitsbeeinträchtigenden Depressions- und Angstsymptomen laut Erhebung stetig zu.

In der Literatur fänden sich zahlreiche Studien, die einen Zusammenhang zwischen Einsamkeit und körperlichen und psychischen Erkrankungen sowie auch Mortalität aufzeigen, konstatiert Berger. Internationale Erhebungen haben zudem aufgezeigt, dass besondere Risikofaktoren für das Erleben von Einsamkeit während der Pandemie weibliches Geschlecht und jüngeres Lebensalter sind. Aber auch bereits vor Corona bestehende psychische Probleme sowie ein wenig ausgeprägtes soziales Netz und ein geringerer sozioökonomischer Status haben erhebliche Einflüsse.

„Die Nako-Gesundheitsstudie eignet sich hervorragend, um zu untersuchen, ob die veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen während der Pandemie nicht nur kurzfristig Auswirkungen auf die Gesundheit haben, sondern auch langfristig die Entwicklung von Volkskrankheiten beeinflussen werden“, hebt Annette Peters, Vorstandsvorsitzende der Nako und Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München, die besondere Bedeutung der Studie auch als Aufarbeitung der Corona-Folgen hervor. Gerald Dietz

Nako-Gesundheitsstudie

Die Nako-Gesundheitsstudie ist ein gemeinsames Projekt von wissenschaftlichen Institutionen und Universitäten, die sich zusammengeschlossen haben, um die bislang größte bevölkerungsbasierte, prospektive Langzeitstudie in Deutschland durchzuführen.

Seit 2014 werden in der Studie zufällig aus den Melderegistern gezogene Männer und Frauen zwischen 20 und 69 Jahren in 18 Studienzentren medizinisch untersucht und nach Lebensumständen befragt.

Eines davon ist das vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (Dife) koordinierte Studienzentrum Berlin-Süd/Brandenburg. Ziel ist, chronische Erkrankungen, wie Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden, Rheuma, Infektionen und Depression genauer zu erforschen, um Prävention, Früherkennung und Behandlung zu verbessern.

1
/
2