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14:21 27.12.2021
Im Filmmuseum Potsdam gibt es viele Exponate von Märchenfilmen aus Babelsberg. foto: Filmmuseum Potsdam
Buchautor Sebastian Stielke. foto: Bernd Gartenschläger
Buchautor Sebastian Stielke. foto: Bernd Gartenschläger

Weihnachten ohne Märchenfilme? Das ist wie ein Weihnachtsmann ohne Bart oder kalter Glühwein – geht irgendwie, ist aber nicht gut. „Schneewittchen“, „Rotkäppchen“, „Frau Holle“, „Die Weihnachtsgans Auguste“ und natürlich „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ sind in vielen Familien Festtagsrituale. Viele der schönsten Märchenfilme entstanden in Deutschlands Filmhauptstadt Potsdam. „Die Tradition führt zurück bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, als mit ’Rübezahls Hochzeit’, ’Heinz Trutz im Schlaraffenland’ und ’Der Rattenfänger’ erste kurze Stummfilmmärchen entstanden“, berichtet Sebastian Stielke, Autor des Buches „100 Facts about Babelsberg“. Schon 1920 entstand die erste Verfilmung des „Kleinen Muck“. 

Rund 30 Jahre später drehte Wolfgang Staudte in den Babelsberger Studios die Geschichte über Glück, Freundschaft und Hilfsbereitschaft neu. Sie wurde zum Klassiker wie so viele Produktionen der Defa, die Menschen aller Generationen vor der Kinoleinwand oder dem Fernseher versammeln. „Es sind vor allem die Märchen der Gebrüder Grimm und Wilhelm Hauffs, die Drehbuchautoren und Regisseure immer wieder inspirierten“, weiß Sebastian Stielke, der darauf verweist, dass die fabelhafte Geschichte des Märchenfilmstandortes Babelsberg nach der Wende eine gelungene Fortsetzung fand. Dafür stehen Filme wie „Die Hexe Lilli – Der Drache und das magische Buch“ (Koproduktion mit Walt Disney aus dem Jahr 2009), „Das kalte Herz“ (2016) oder die beiden Teile von Michael Endes „Jim Knopf“ (2018 und 2020).

Damals wie heute werden die Filmpremieren gern in die Vorweihnachtszeit gelegt. Wie erklärt der Film-Experte diese stabile innige Märchenfilm-Liebe made in Babelsberg? „Tradition plus Kontinuität. Hinzu kommt die handwerkliche Meisterschaft in allen Bereichen der Filmproduktion“, so Sebastian Stielke, der an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ (heute Filmuniversität Babelsberg) studierte. Während der Corona-Pause kam der Schauspieler und Potsdam-Spezialist auf die Idee, 100 unterhaltsame und teilweise verblüffende Fakten über einen der größten und modernsten Medienstandorte Europas aufzuschreiben. Bei der Recherche stieß der Babelsberg-Kenner auf viele Märchenfilm-Spuren.

Für Glanz in vielen Augen sorgen die originalen drei Haselnüsse von Aschenbrödel mit dem Foto der damals noch nicht einmal 20-jährigen Libuše Šafránková – die in diesem Sommer starb – im Filmmuseum. Hier können die Besucher einen Blick in den originalen Zauberspiegel von Schneewittchens böser Stiefmutter werfen oder das Modell der sprechenden Katze aus Moritz in der Litfaßsäule bestaunen. Die Vitrinen erinnern nicht nur an große Märchenfilme aus Babelsberg, sondern zeugen vom hohen Können der Masken- und Szenenbildner, Tricktechniker und Requisiteure im ältesten Großatelier-Filmstudio der Welt. Im rund 10 000 qm großen Requisiten-Fundus der Babelsberger Studios stehen auch 20 Thronsessel. Einen davon leiht sich regelmäßig der Weihnachtsmann aus, wenn er im Sterncenter zu Gast ist. Brigitta Sonntag

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