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Home Sonderthemen Zossen Die Jäger unter den Zecken
14:55 29.06.2020
So sieht die Hyalommazecke aus. FOTO: ROBERT-KOCH-INSTITUT

Die heimische Zecke, auch Holzbock genannt, mag es gemütlich. Auf einem Grashalm oder im Gebüsch wartet der blinde Achtbeiner einfach ab, bis Mensch oder Tier auftauchen. Bei Kontakt lässt er sich dann einfach auf sein potenzielles Opfer fallen und – ist die perfekte Stelle gefunden – sticht zu. „Zwar wird landläufig auch von einem Biss gesprochen, aber mit ihren Mundwerkzeugen verursachen sie eher einen Stich, um an das von ihnen begehrte Blut zu gelangen“, erklärt Wissenschaftler Peter Hagedorn, der am Robert-Koch-Institut in Berlin zu Zecken forscht. Soweit, so gruselig.

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Die immer häufiger auch in Brandenburg vorkommende Auwald- sowie die Hyalommazecke, die aus Afrika und Asien eingeschleppt ist, können das noch toppen. Sie sind die Jäger unter den Zecken und gehen direkt auf ihren Wirt zu. Dabei können die mit Augen versehenen Blutsauger auch ziemlich schnell sein, wie Peter Hagedorn beobachtet hat. „Das sollte jedoch niemanden von einem Waldspaziergang oder der Gartenarbeit abhalten“, so der Experte. Wichtig ist es, sich zu schützen und nach dem Aufenthalt im Freien gründlich abzusuchen, denn Zecken können Krankheiten übertragen.

Der Gemeine Holzbock kann zum Beispiel Träger für die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) sein, die das zentrale Nervensystem angreift und sogar zum Tod führen kann. Das Robert-Koch-Institut veröffentlicht jedes Jahr eine Karte mit den FSME-Risikogebieten unter www.rki.de/fsme-karte – Brandenburg und Berlin sind nicht dabei. „Man sollte bei Reisen in Risikogebiete rechtzeitig daran denken, sich impfen zu lassen, da eine Grundimmunisierung mit bestmöglichem Schutz mehrere Monate bis zu einem Jahr dauern kann“, sagt Hagedorn.

Gegen eine Borreliose-Infektion, die von einheimischen Zecken übertragen wird, gibt es keine Schutzimpfung. Die Krankheit, die durch Übertragung mit Bakterien der Art Borrelia burgdorferi (Borrelien) verursacht wird, kann verschiedene Organsysteme betreffen, insbesondere die Haut, das Nervensystem und die Gelenke. Meist handelt es sich um milde Verläufe, die mit Antibiotika gut behandelbar sind. Bevor der Erreger übertragen werden kann, muss die Zecke eine längere Zeit saugen. Hagedorn: „Deshalb ist es so wichtig, die Zecke so schnell wie möglich zu entfernen. Hat man keine Zeckenpinzette oder –karte dabei, reicht notfalls auch der Fingernagel, um sie gerade und langsam nahe der Haut herauszuziehen.“

In den eingeschleppten Zeckenarten könnten weitere Krankheitserreger schlummern. Die Auwaldzecke etwa, die aus Ost- und Südeuropa stammt, überträgt dort Rickettsien der Zeckenstich-Gruppe und das Virus des Omsk-Hämorrhagischen Fiebers. Diese Zeckenart breitet sich in Brandenburg zunehmend aus, inwiefern das auch für die Erreger zutrifft, wird erforscht. Ihr Stich ist schmerzhaft, beim Entfernen kann eine tiefe Wunde entstehen. Die Hyalommazecke kommt im Gefieder von Zugvögeln und ist kein Teil der hiesigen Zeckenfauna. Doch die deutlich größeren Parasiten überleben – und stechen. Hagedorn: „2019 wurden rund hundert erwachsene Zecken dieser Art in Deutschland gefunden. Die Möglichkeit ist gering, dass sie hier gefährliche Krankheiten auslösen können.“ Wer von einer „merkwürdigen“ Zecke gestochen wurde, sollte den Arzt darauf hinweisen oder sie eingefroren mit in die Praxis bringen. Von Claudia Braun

   

Schutz bei Wald- und Gartenaufenthalt

Festes Schuhwerk, langärmlige Shirts, Socken, lange, helle Hosen tragen, denn darauf sind Zecken besser zu sehen.

Abwehrmittel wie Zeckenrepellents benutzen.

Stechende Zecken so schnell wie möglich entfernen. Stichstelle immer desinfizieren.

Nach dem Aufenthalt im Freien gründlich den Körper absuchen.

Wer eine Hyalommazecke findet, kann sie (fixiert mit Klebestreifen auf Papier) für die Forschung einschicken: Robert Koch-Institut, ZBS 1 –„Zecke“, Seestraße 10, 13353 Berlin.

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