Menü
Anmelden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland

Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg

Home Sonderthemen Fläming Darmkrebs schon in jungen Jahren
18:06 20.08.2019
Von Tumorkrankheiten im Darm sind nicht nur ältere Semester betroffen. FOTOS: FOTOLIA; DPA

Von Gerald Dietz 

Dank Früherkennung sinkt zwar die Darmkrebs-Rate bei älteren Menschen. Bei jungen Leuten haben dagegen jetzt Studien einen drastischen Anstieg gezeigt, auch wenn die absoluten Zahlen relativ gering sind. Demnach hat sich in Deutschland die Häufigkeit von Darmkrebsfällen bei den 20- bis 29-Jährigen innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt – wobei sich der Anstieg gerade in den letzten Jahren deutlich beschleunigt hat.

Nach Zahlen des Zentrums für Krebsregisterdaten bekamen noch 1999 von 100 000 Menschen im Alter zwischen 20 und 29 Jahren durchschnittlich 0,96 Darmkrebs; heute sind es 2,3. Auch in anderen Industrieländern werden ähnliche Entwicklungen verzeichnet.

Umso erschreckender ist, dass auch in Brandenburg offenbar immer weniger Menschen die ab 50 Jahren teils kostenfreie Darmkrebs-Früherkennung in Anspruch nehmen. So gingen 2017 laut Daten der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) 45 Prozent weniger Versicherte ab 55 Jahre zur Darmspiegelung als noch 2007. Beim Stuhltest liegt der Rückgang im selben Zeitraum demnach bei 47 Prozent. Angesichts der Tatsache, dass Darmkrebs in Deutschland neben Brust-, Prostata- und Lungenkrebs zu den häufigsten Tumorerkrankungen zählt, sind das erschreckende Zahlen. Mangelnde Kenntnis kann kein Grund sein, denn laut Robert Koch-Institut (RKI) wissen 80 Prozent der Bevölkerung um die Angebote der Kassen zur Krebsfrüherkennung.


Nach Angaben des RKI erkranken hierzulande jedes Jahr rund 61 000 Menschen neu an Darmkrebs, 25 500 sterben daran. Darmkrebs ist damit die – nach Brustkrebs – zweithäufigste Todesursache bösartiger Tumorerkrankungen in Deutschland. Weltweit wurden 2018 schätzungsweise 1,8 Millionen Darmtumore neu festgestellt. Hauptrisikofaktor für die Erkrankung ist das Alter: Mehr als die Hälfte der Erstdiagnosen entfällt in Deutschland auf Menschen jenseits der 70.

Je früher Darmkrebs diagnostiziert wird, desto höher sind die Heilungschancen von Erkrankungen. Dennoch nutzt nur jeder Fünfte die Koloskopie (Spiegelung) als effektives Instrument gegen Darmkrebs. Bei der Untersuchung erkennt der Arzt Krebsvorstufen und kann sie direkt mit entfernen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warb kürzlich für die lohnenden Vorsorgeuntersuchungen, auch wenn sie Überwindung kosten.

Über die Gründe für die drastische Zunahme der Erkrankungsfälle sind sich Forscher noch nicht abschließend einig. Meistens werden aber erheblich veränderte Lebensgewohnheiten als Ursachen vermutet: Übergewicht, schlechte Ernährung, und mangelnde Bewegung sowie klassischerweise Alkoholkonsum und Rauchen gelten als Risikofaktoren. In den USA etwa, wo ähnliche Entwicklungen bei der Darmkrebshäufigkeit schon früher festgestellt wurden, ist Fettleibigkeit auch unter jungen Menschen bereits wesentlich verbreiteter als hier.

Männer können ab dem 50. Lebensjahr eine Darmspiegelung in Anspruch nehmen, Frauen ab 55. Die Untersuchung wird zweimal im Zehn-Jahres-Rhythmus von den Kassen bezahlt.

Der Test auf verborgenes Blut im Stuhl kann bei 50- bis 54-Jährigen einmal pro Jahr durchgeführt werden.

Manche Kassen sind dazu übergegangen, auch jüngeren Semestern Koloskopien (Darmspiegelungen) kostenlos zu gewähren. Das Darmkrebsrisiko steigt mit dem Alter.

Forscher fordern ein radikales Umdenken im Umgang mit Mund- und Zahnerkrankungen. 3,5 Milliarden Menschen weltweit leiden demnach unter Karies, Zahnfleischerkrankungen oder Mundkrebs – teils unbeachtet von der Gesundheitsvorsorge und -politik. „Die Zahnmedizin ist in der Krise“, so der Tenor einer Artikelserie zu diesem Thema in einer britischen Fachzeitschrift.

In hoch entwickelten Ländern stehe bei der modernen Zahnmedizin etwa viel zu sehr die Behandlung statt der Vorbeugung im Vordergrund, kritisieren die internationalen Fachleute. Die Wissenschaftler aus zehn Ländern – unter anderem aus Deutschland – monieren zudem, dass sich die Zahnmedizin schon viel zu lange von traditioneller Gesundheitsvorsorge abgekoppelt habe und zu stark auf Hightech setze.

Auch in Deutschland gibt es demnach erheblichen Handlungsbedarf. Zwar werde hier im weltweiten Vergleich mit noch am meisten für zahnmedizinische Behandlungen ausgegeben. Viele Menschen litten aber dennoch an vermeidbaren Folgen solcher Erkrankungen.

Auch sei es weiterhin so, dass Menschen aus niedrigeren Bildungsschichten deutlich öfter Zahnprobleme hätten. Ein Grund: zu seltene Zahnarztbesuche. Vielen Menschen sei nicht bewusst, wie wichtig Zahn- und Mundhygiene ist.

Datenschutz