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Home Sonderthemen Fläming Dissmann Dallgow-Döberitz: Auf halbem Weg zum Himmel
14:13 30.03.2020
Trittsicher in luftiger Höhe unterwegs: Dachdeckermeister Andy Disssmann (vorn) montiert mit einem Mitarbeiter eine Solaranlage auf einem der historischen Weberhäuser im Potsdamer Ortsteil Babelsberg. FOTO: JULIAN MICHAEL KLEIN

Potsdam. Die Handgriffe sitzen, die Abläufe sind eingeübt, Dachdeckermeister Andy Dissmann und sein Mitarbeiter kommen schnell voran bei ihrer Arbeit. An diesem Tag geht es allerdings auch nicht darum, Dachziegel zu verlegen, sondern Photovoltaik-Module zu montieren. Dissmann legt das 20 Kilogramm schwere Modul auf die im Verlauf des Vormittags an den Sparren verankerte Unterkonstruktion, setzt den Akkuschrauber an und hat das schwarz-glänzende Rechteck ruckzuck befestigt. Geschickt geht er auf der geneigten Fläche einige Meter hinab zum Dachrand, wo er auch schon das nächste Modul in Empfang nehmen kann.

Es ist eines der ursprünglichen Weberhäuser in Potsdam-Babelsberg, erbaut im Jahr 1888, das an diesem Tag auf der straßenabgewandten Südseite ein Solardach bekommt. Der Eigentümer sitzt im Garten, beobachtet die Arbeiten und geht den Dachdeckern zwischendurch auch kurz zur Hand. 7,26 Kilowatt Leistung hat die Anlage, die Anschlüsse wird an einem der nächsten Tage der Elektriker legen. 

Andy Dissmann hat viele solcher Tagesbaustellen. Morgens hin mit dem kompletten Material, Baustelle aufbauen, abarbeiten und am Nachmittag alles aufräumen und sauber machen. Da muss die Planung genau stimmen, sonst kann es Probleme geben. Der 41-jährige aus Brieselang (Havelland) betreibt schon länger seinen eigenen Betrieb im Nachbarort Dallgow-Döberitz, jetzt hat er seinen Meistertitel.

Zum Beruf ist Dissmann unter anderem durch seinen Bruder gekommen, der bei einem Dachdecker in Falkensee gearbeitet und ihm dort ein Praktikum vermittelt hatte. Er machte dort, schon in den 1990er Jahren, seine Lehre, arbeitete dann bei verschiedenen Firmen im Landkreis Havelland und Berlin, zwischendurch auch bei einer Bauklempnerei, bevor er sich selbstständig gemacht hat. Die Arbeit auf dem Dach ist für ihn das Besondere an dem Beruf. „Man ist immer an der frischen Luft“, sagt er. Außerdem gebe es durch wechselnde Baustellen und den persönlichen Kontakt zur Kundschaft immer viel Abwechslung.

Der Schritt zum Meister war für Andy Dissmann ein folgerichtiger. „Mit der Meisterausbildung bin ich fachlich tiefer eingestiegen“, sagt Dissmann. Als Meisterstück hatte er eine eingebundene Biberschwanzkehle anzufertigen, ein Verbindungsstück zweier Dachflächen. Das ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, bei der sich schon kleine Rechenfehler schnell sichtbar auswirken würden.

In der Meisterausbildung hat Dissmann von den betriebswirtschaftlichen Inhalten sehr profitiert. Schließlich würde Andy Dissmann gerne expandieren, denn die Auftragslage ist sehr gut. Bisher beschäftigt er lediglich einen Mitarbeiter. Vielleicht könnte schon im kommenden Jahr ein Auszubildender hinzukommen, hofft er. Denn dass sich fertig ausgebildete Dachdecker auf eine Stellenanzeige hin bei ihm melden, die Hoffnung hat er kaum. Von Ulrich Nettelstroth

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