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Home Sonderthemen Oberhavel Wenn die Oranienburger zur Selbsthilfe greifen
05:39 04.05.2020
Steffen Herrmann ist Leiter des Regine-Hildebrandt-Hauses und des Bürgerzentrums in Oranienburg. 
FOTO: HEIKE BERGT

Oranienburg. Die Hand wurde den Oranienburgern zu Beginn der Corona-Krise gereicht. Aber es hat kaum jemand zugegriffen. Die Unterstützungsangebote, die die Kreisstädter am Anfang der Pandemie von der Stadt Oranienburg erhielten, blieben weitestgehend ungenutzt. „Sie waren gar nicht notwendig“, sagt Steffen Herrmann, Leiter des Regine-Hildebrandt-Hauses und des Bürgerzentrums in Oranienburg. Über die ein, zwei Telefonate am Tag sieht er dabei hinweg, weil sie von der Anzahl nicht der Rede wert sind. Er erklärt, warum so wenige (Senioren)-Anfragen über die Hotline kamen. „Unsere Häuser sind Einrichtungen, in denen Hilfe zur Selbsthilfe großgeschrieben wird. Das haben unsere Besucher wörtlich genommen. Sie sind untereinander gut vernetzt und verständigten sich.“ Trotzdem hatte Steffen Herrmann damit gerechnet, dass die Menschen öfter die Hotline wählen.

Also ging er vier Wochen nach Schließung der Häuser den umgekehrten Weg, setzte sich ans Telefon und rief die einzelnen Gruppen an, die sonst in den Begegnungsstätten zu Gast sind. Zu hören bekam er solche Reaktionen: „Herr Herrmann, wir machen hier ja sonst auch Hilfe zur Selbsthilfe. Wir halten Kontakt zueinander, hören uns um.“ Sie leben das Programm, welches sie sonst im Regine-Hildebrandt-Haus (Sachsenhausener Straße 1) und im Bürgerzentrum (Albert-Buchmann-Straße 15) ohnehin leben.

Es drehe sich bei der Hilfe nicht um die praktischen Dinge des Lebens wie einkaufen gehen oder mal zum Arzt fahren. „Nicht um das Physische, sondern um das Psychische geht es. Sie wollen erleben, dass jemand anderes für einen da ist“, so der Leiter. Es komme Freude auf, wenn man angerufen wird, aber auch, wenn man selbst zum Hörer greift und einfach nur „Wie geht’s“ frage. Er machte noch ein ganz anderes Phänomen aus, weshalb die Oranienburger ziemlich unaufgeregt waren und sind: „Wir sind ja ’Ossis’ und kennen es, dass es nicht immer alles sofort gibt, die Grundnahrungsmittel dennoch da sind. Wir wissen, wie man sich nachbarschaftlich hilft“. Steffen Herrmann freut sich, dass das, was den Alltag in den Häusern ausmacht, nun gelebt wird. Die Investition der Stadt in Personal und Gebäude trage Früchte. „Und wenn doch mal Not am Mann ist, dann werden wir trotzdem angerufen. Das ist völlig in Ordnung.“

Ähnlich gestaltete sich die Situation im städtischen Eltern-Kind-Treff: Kaum Hilfeersuchen von außerhalb und deshalb selbst der Griff zum Telefon. „Wir haben 100 Nutzer unserer Einrichtung angerufen und gefragt, wie es ihnen geht. Das Echo war sehr positiv, die Nutzer waren dankbar“, fasst Leiter Martin Lenarth zusammen. Er vermutet, dass die Menschen tatsächlich keine Fragen haben oder denken, dass sie die Zeit bis zum Sommer irgendwie überbrücken können und dann alles besser wird. Gut vorstellen kann er sich, dass jetzt doch noch einmal Themen aufploppen, die Fragen aufwerfen und bei denen die Mitarbeiter des Eltern-Kind-Treffs gefordert sind: Notbetreuung oder Kiez-Nothilfe. Aktualisiert haben die Mitarbeiter ihr Beratungspaket, zu dem beispielsweise wichtige Notfallnummern und Kontakte zu anderen Beratungsstellen in der Nähe (wie das Jugendamt) gehören. Im Aufbau befindet sich die Digitalisierung der Angebote, um zum Beispiel per Videokonferenz zu kommunizieren. Von Stefan Blumberg

Hildebrandt-Haus und Bürgerzentrum

Das denkmalgeschützte Regine-Hildebrandt-Haus öffnete nach seiner Rekonstruktion im Juni 2002 die Türen für die Oranienburger Senioren.

Im November 2002 wurde die Begegnungsstätte anlässlich des ersten Todestages der ehemaligen brandenburgischen Sozialministerin Regine Hildebrandt nach ihrem Namen benannt.

Das nach Umbauarbeiten aus einer einstigen Kita entstandene Bürgerzentrum wurde 2005 seiner Bestimmung als Begegnungs-, Kommunikations- und Beratungszentrum übergeben.

Es verfügt über einen Veranstaltungssaal, einen Schulungsraum und einen Multifunktionsraum.

Hilfe an allen Fronten

Firmen, Kommunen und Privatleute unterstützen

Oberhavel. Landkreis, Kommunen, Unternehmen, Privatiers – überall wird „Corona-Hilfe“ angeboten. Hier einige Beispiele:

Hennigsdorf
Die Wirtschafts-, Innovations- und Tourismusförderung Oberhavel GmbH (WInTO) hat eine Beratungsstelle eingerichtet, um Unternehmen und Existenzgründer im Landkreis Oberhavel bei der Bewältigung der Herausforderungen infolge des Coronavirus zu unterstützen. Das Team der WInTO steht den Unternehmen von Montag bis Freitag in der Zeit von 9 bis 15 Uhr unter 03302/ 55 92 00 zur Verfügung. Die telefonische Erreichbarkeit für Notfälle ist rund um die Uhr gegeben.

Velten
Die Stadt Velten bringt Hilfebedürftige mit engagierten Einwohnern zusammen: Wer Hilfe beim Einkauf sucht oder wer helfen möchte, kann sich bei der Stadtverwaltung melden. Sie bündelt Angebot und Nachfrage und ermöglicht den Kontakt. „Machen Sie mit, helfen Sie mit und seien Sie solidarisch mit Ihren Nachbarn und Mitmenschen!“, heißt es in einem Aufruf. Die Nummer des Bürgertelefons lautet 03304/ 37 92 22, der E-Mail-Kontakt einkaufsvermittlung@velten.de

Birkenwerder
Die Freiwilligenagentur vermittelt Mitbürger, die Hilfe zum Beispiel bei Einkäufen, Rezepte abholen und anderen Besorgungen anbieten, an Senioren und/oder chronisch Kranke, die das Haus nicht verlassen sollten. Niemand braucht fremde Personen in die Wohnung lassen, denn es soll mit einem minimalen persönlichen Kontakt geholfen werden. Das Telefon ist täglich von 9 bis 11 und 16 bis 18 Uhr unter 0171/ 3 38 51 51 besetzt, per E-Mail freiwilligenagentur@birkenwerder.de

Gransee
Auf der Seite www.regio-nord.com/meine-nachbarn gelangen Sie zu der Plattform Quarantäne-Helden, auf der Sie Ihre Angebote bezüglich Nachbarschaftshilfe im Mittelzentrum (Gransee/Zehdenick/Fürstenberg) eintragen können. Die Initiative Verstehbahnhof in Fürstenberg hat diese Seite ins Leben gerufen: https://fuerstenberg-hilft.de. Einen Videokonferenzserver zum Chatten steht unter https://meet.fuerstenberg-hilft.de zur Verfügung.
      

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