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Home Sonderthemen Fläming Bus und Wohnraum gefragt
09:20 27.11.2018
Azubis müssen bald nicht mehr Einzeltickets in Bus und Bahn ziehen. FOTOS: MARTIN SCHUTT/DPA
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Von Gerald Dietz

Trotz Wirtschaftswachstum, Fachkräftemangel und mehr Bewerbern steigt die Zahl der nicht besetzten Ausbildungsplätze in Brandenburg nahezu kontinuierlich seit Jahren. 1865 waren es nach den aktuellsten Zahlen der Arbeitsagentur im Ausbildungsjahr 2017/2018. Das sind 176 mehr als in der Vorsaison. Vor fünf Jahren gab es nicht viel mehr als 1000 nicht besetzte Lehrstellen. Mangelnde Mobilitätsmöglichkeiten, fehlender Wohnraum, nicht überall adäquate Vergütung und eine Diskrepanz zwischen gewünschten und angebotenen Berufen werden als Ursachen genannt.

So verzeichnete die Arbeitsagentur im aktuellen Ausbildungsjahr im Verkauf von Fleischwaren 155 betriebliche Ausbildungsstellen, aber nur 15 Bewerber. Ähnlich sah es im Bereich Kanal- und Tunnelbau aus, wo umgerechnet auf 100 Lehrstellen nur fünf Interessenten kamen. Andererseits wurden für bald 100 Bewerber als Fachkraft für Fahrradtechnik nur neun Plätze angeboten. Auch gibt es große regionale Unterschiede. Während etwa im Landkreis Oberhavel auf 100 Interessenten nur 63 Lehrstellen kamen, waren es in Potsdam-Mittelmark 141 und in der Prignitz 133. „Alle Partner am Ausbildungsmarkt müssen ihre Anstrengungen intensivieren, um Bewerber und Ausbildungsstellen besser zusammenzubringen“, sagt der Leiter der Regionaldirektion der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg, Bernd Becking.

Ein Faktor, um die Lücke zwischen angebotenen Stellen und Bewerbern in manchen Regionen mehr zu schließen, sind Möglichkeiten der Mobilität. So soll es für Auszubildende ab dem kommenden Jahr ein vom Land finanziell gefördertes vergünstigtes Azubi-Ticket für ganz Brandenburg und Berlin für 365 Euro jährlich geben. „Dabei ist aber der ländliche Raum teilweise aus dem Blickfeld verloren worden“, sagt Wolfgang Spieß, Geschäftsführer Bildung bei der für die gesamte Westhälfte Brandenburgs zuständigen Potsdamer Industrie- und Handelskammer (IHK). Um auch Regionen mit schlechter Bus- und Bahnanbindung erreichbar zu halten, solle es zusätzlich Wert- oder Tankgutscheine für Verkehrsmittel wie Fahrrad oder Auto geben. Es gehe darum, eine duale Ausbildung für jeden Jugendlichen möglich und attraktiv zu machen, so der Leiter der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg Alexander Schirp: „Auch bezahlbare Wohnungen oder Wohnheime an den Ausbildungs- und Lernorten gehören in dieses Paket.“

Freie Plätze gebe es dort, wo Lehrbedingungen und Vergütung schlecht seien, sagt der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes Berlin-Brandenburg, Christian Hoßbach: „Ausbildung ist attraktiv, wenn sie qualitativ gut und nach Tarif vergütet ist.“ Auch Brandenburgs Arbeitsministerin Susanna Karawanskij (Linke) fordert eine attraktive Gestaltung der Lehre.

Zahl der Lehrstellen unverändert

Trotz wachsender
Wirtschaft und leichtem Anstieg bei den Bewerbern blieb die Zahl der gemeldeten Lehrstellen in Brandenburg im Ausbildungsjahr 2017/18 im Vergleich zum Vorjahr fast unverändert bei 13 828.

Insgesamt wurden
14 669 junge Menschen, das sind 148 mehr als im Vorjahr, von den Agenturen für Arbeit als Ausbildungsbewerber registriert. 756 Interessenten für eine Lehrstelle wurden aus dem Kontext Fluchtmigration gezählt. Das sind 300 mehr als im Vorjahr.

Das Thema Unternehmensnachfolge brennt der Brandenburger Wirtschaft auf den Nägeln. Ein Viertel aller Betriebe (25 000) steht Studien zufolge in den kommenden Jahren vor einem Generationswechsel in der Firmenleitung und zunehmend werden Interessenten von außen gesucht. Auch für Gesellen in Handwerksbetrieben könnte dies die Chance sein, mit einer Weiterqualifizierung zum Meister irgendwann die Geschicke einer Firma selbst steuern zu können.

„Vom Gesellen zum Meister zum Chef“ lautet schon der unausgesprochene Arbeitstitel in der Handwerkskammer Potsdam dazu. Weiterbildungskapazitäten bietet die Kammer in ihrem Zentrum für Gewerbeförderung in Götz, wo insgesamt rund 700 Meisterschüler in zwölf Fachbereichen qualifiziert werden.

Der zu erreichende Meisterabschluss „ist ein Premiumprodukt“, mit dem später auch ein anschließendes Masterstudium möglich sei, so Tilo Jänsch, Geschäftsführer der Kammer. Prinzipiell eröffnen sich zwei Wege der Schulung: einmal berufsbegleitend, freitags und sonnabends jeweils sieben Stunden über zweieinhalb Jahre hinweg und als Vollzeitvariante in einer 40-Stunden-Woche über sechs bis neun Monate. Die Ausbildung hat vier Felder: die Praxis, die Theorie, den betriebswirtschaftlichen Part, um ein Unternehmen später führen zu können und den Ausbildereignungsschein.

Für beide Varianten existieren Fördermöglichkeiten über das Aufstiegs-Bafög, über das rund zwei Drittel der anfallenden Kosten samt Unterhalt bei Vollzeit finanzierbar sind. Zum Abschluss ist auch noch einmal ein Meisterbonus von 1500 Euro die Regel. Für den Rest gibt es Darlehn der KfW-Bank.

Ein Drittel der Gesellen entscheidet sich derzeit für diesen Weg. Informationen gibt es über die Weiterbildungsberatung der Kammer, die im 14-Tage-Rhythmus auch in den Kreishandwerkerschaften präsent ist. gd

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