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Home Sonderthemen Fläming Bremsbereit durch den Wald
11:55 15.10.2019
Fuß auf der Bremse: Ein Reh am Straßenrand könnte jederzeit loslaufen. FOTOS: PATRICK PLEUL/DPA

Viele Autofahrer unterschätzen die Gefahr durch Wildunfälle. Im vergangenen Jahr war bald jeder sechste Verkehrsunfall im Landkreis Potsdam-Mittelmark auf Kollisionen mit Wild zurückzuführen. Selbst im Stadtgebiet von Brandenburg/Havel ereigneten sich 131 Kollisionen dieser Art. Das geht aus Zahlen der Polizeidirektion West in der Havelstadt hervor. Im Landkreis gab es bei den Unfällen insgesamt 14 verletzte Personen. 2016 war sogar ein Toter zu beklagen, als ein Motorradfahrer mit einem Reh kollidierte. Bundesweit gab es im vergangen Jahr mehr als 2700 verletzte Menschen. 15 kamen nach Angaben des ADAC zu Tode.

Besonders im Herbst und Winter, wenn viele Tiere in der Brunftzeit sind oder sich auf die kargeren Jahreszeiten einstellen, wächst die Gefahr. Besonders in den Abend- und frühen Morgenstunden kommt es immer wieder durch Zusammenstöße mit Rehen, Hirschen oder Wildschweinen zu schweren, manchmal sogar tödlichen Unfällen. Verkehrsexperten der Arag-Versicherung raten daher dringend, die Fahrweise anzupassen.

Das bedeutet, überall dort das Gas zurückzunehmen, wo auf Wildwechsel hingewiesen wird. Die Fachleute empfehlen, dort nicht schneller als 60 Stundenkilometer zu fahren. Wald- und Straßenränder sollten aufmerksam beobachtet werden, speziell in der Dämmerung oder nachts. Auch mit Nachzüglern sollte gerechnet werden. Ein Tier kommt selten allein. Besonders gefährlich sind neu angelegte oder durch Ausbau stärker frequentierte Straßen, die durch Waldgebiete führen. Das Wild behält oft seine gewohnten Wege bei und kümmert sich wenig um Straßen. Tauchen Tiere im Scheinwerferkegel auf: abblenden, abbremsen, hupen!

Ist ein Unfall unvermeidbar, ist es nach Angaben der Arag-Verkehrsexperten wichtig, geradeaus zu lenken und das Lenkrad festzuhalten. Wurde ein Tier angefahren, ist zunächst der Warnblinker einzuschalten und die Unfallstelle zu sichern. Die Polizei muss verständigt werden, bei verletzten Personen steht natürlich die Hilfe für sie im Vordergrund. Gegebenenfalls ist der Krankenwagen oder Notarzt zu rufen. Bei Schäden am Fahrzeug stellt die Polizei oder der Revierinhaber eine Bescheinigung für die Teilkaskoversicherung aus. Es sind Fotos vom Fahrzeug, dem Unfallort und dem Tier zu machen.


14 verletzte Menschen gab es im Landkreis Potsdam-Mittelmark 2018 bei Wildunfällen


Grundsätzlich kommt die Teilkaskoversicherung für Unfälle mit Haarwild (Wildschwein, Reh, Hirsch, Fuchs, Hase) und je nach Vertrag auch mit anderen Tierarten auf. Eine bestehende Vollkaskoversicherung übernimmt aber in jedem Fall die Schäden am eigenen Fahrzeug.

Kommt es nach einer Begegnung mit einem Tier zu einem Schaden am Wagen, der nicht durch einen Zusammenstoß, sondern durch Ausweichen verursacht wird, handelt es sich jedoch nicht um einen Wildunfall. Hier kann der Schaden aber unter Umständen als sogenannter „Rettungskostenersatz“ geltend gemacht werden. Die Versicherung zahlt aber nur, sofern die Reaktion des Fahrers nicht reflexhaft und unter Berücksichtigung der Größe des Tieres angemessen war, wie ein Gericht in Saarbrücken feststellte.

Wie ist die Rechtslage, wenn ein Autofahrer in ein totes Wildschwein hineinfährt? Laut Urteil des Landgerichts Stuttgart entspricht diese Unfallvariante der Haarwild-Versicherungsklausel, der zufolge zwar das Auto, nicht aber das Tier in Bewegung sein muss. Die Versicherung muss zahlen. net/gd

Info Oberlandesgericht Saarbrücken, Az.: 5 U 356/10 - 57 und Landgericht Stuttgart, Az.: 5 S 244/06


Auch „situativ“ geben Winterreifen mit gutem Profil bei Glätte mehr Halt. FOTOS: INA FASSBENDER/DPA
Auch „situativ“ geben Winterreifen mit gutem Profil bei Glätte mehr Halt. FOTOS: INA FASSBENDER/DPA

Wer auch im Winter jederzeit und in allen Regionen sicher ans Ziel kommen will, sollte bei den Reifen keine Kompromisse machen“, erklärt Christian Koch, Reifensachverständiger bei der Prüfgesellschaft Dekra, zur laufenden Wechselsaison. „Die Reifen sind die einzige Verbindung des Fahrzeugs zur Straße“, so Koch. Wintertaugliche Reifen seien in der kalten Jahreszeit daher unverzichtbar.

Selbst wenn die Temperaturen im Zuge des Klimawandels ansteigen: Schnee, Glatteis oder Reifglätte können laut Dekra jederzeit und überraschend auftreten, wie in der vergangenen Wintersaison zu beobachten war. „Für Einsätze auf winterlichen Straßen gibt es zu Winterreifen keine Alternative“, betont Koch.

Ein spezielles Profil mit mehr Profilrillen und Lamellen in den Profilblöcken verleiht Fahrzeugen mit Winterreifen eine bessere Traktion und kürzere Bremswege auf herbst- und winterlich glatten Straßen als mit Sommerpneus. Kälteflexible Gummimischungen sorgen zudem für guten Grip, auch bei niedrigen Temperaturen.

„Ein Reifen kann seine Leistungsfähigkeit aber nur dann ausspielen, wenn er eine ausreichende Profiltiefe aufweist“, betont der Reifensachverständige. Die gesetzlich vorgeschriebene Mindest-Profiltiefe in Deutschland beträgt 1,6 Millimeter. Die Dekra empfiehlt jedoch, eine Profiltiefe von mindestens 4,0 Millimetern bei Winterreifen nicht zu unterschreiten.

Winterurlauber sollten besonders in Österreich achtsam sein: Hier erfüllt ein Winterreifen mit weniger als vier Millimetern Profil nicht die Bereifungspflicht. Verstöße können Bußgelder nach sich ziehen.

In Deutschland gilt eine „situative Winterreifenpflicht“. Das bedeutet: Bei winterlichen Straßenbedingungen müssen Fahrzeuge mit wintertauglicher Bereifung ausgestattet sein. Das gilt bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte. Einen festen Zeitraum der situativen Pflicht gibt es indes nicht. Empfohlen wird von Fachleuten nach wie vor die sogenannte O-bis-O-Regel – also von Oktober bis Ostern.

Als wintertauglich gelten seit Jahresbeginn nur noch Reifen, die das Piktogramm „Berg mit Schneeflocke“ tragen. Es löste das M+S-Zeichen ab und wird nur nach Bestehen eines Vergleichstests vergeben. Die M+S-Reifen dürfen aber nach einer Übergangsregelung noch bis zum 30. 9. 2024 gefahren werden, sofern sie bis Ende 2017 hergestellt wurden. Bei Verstößen gegen die Winterreifenpflicht drohen 60 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg. gd


Beleuchtungstest bei der Dekra. FOTO: DEKRA
Beleuchtungstest bei der Dekra. FOTO: DEKRA

Je früher es dunkel wird, desto wichtiger sind funktionierende Leuchten am Auto. Beim Licht-Test können Halter sie checken lassen – kostenlos nachjustiert werden sie aber nur bei älteren Autos. Autofahrer können im Herbst die Beleuchtung ihres Autos kostenlos prüfen lassen. Kfz-Meisterbetriebe und Prüforganisationen bieten den Licht-Test im Oktober an, erklärt der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK).

Wie wichtig diese Tests sind, zeigt ein Blick in die aktuelle amtliche Unfallstatistik. Demnach passierte 2018 rund ein Drittel aller tödlichen Verkehrsunfälle in Deutschland (32 Prozent) bei Dämmerung oder Dunkelheit. Innerorts und auf Autobahnen war der Anteil mit 34 und 36 Prozent noch etwas höher. Bei den Hauptuntersuchungen hatte zum Teil fast jedes dritte Fahrzeug Mängel an den lichttechnischen Einrichtungen.

Das macht deutlich, wie wichtig die Tests sind. Schließlich findet in den Herbst- und Wintermonaten ein viel größerer Teil des Verkehrs bei Dämmerung und Dunkelheit statt.


Blätter und Gestrüpp sollten Autofahrer im Herbst besser regelmäßig von ihrem Fahrzeug entfernen. Ansonsten kann es offenbar zu Schäden am Auto kommen. Darüber berichtet die Clubzeitschrift des Auto Club Europa (ACE) „ACE Lenkrad“ (Ausgabe 10/2019).

Zum einen können Wasserabläufe verstopft werden, wenn es in Ritzen der Karosserie eindringt. Zum anderen besteht die Möglichkeit, dass die Blätter auf Dauer Lack und Blech angreifen. Denn das Laub speichert Feuchtigkeit und kann zudem Gerbsäure absondern. Am besten entfernen Autobesitzer das Laub einfach in regelmäßigen Abständen per Hand.


Man sollte nur Auto fahren, wenn man fit ist. Trotzdem gibt jeder zweite Autofahrer in Deutschland an, dass er schon einmal fast beim Fahren eingeschlafen ist. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des Fahrdienstes Clever-Shuttle.

51 Prozent der autofahrenden Männer in Deutschland geben demnach an, dass sie schon einmal hinterm Steuer ihres Wagens wegen Übermüdung fast weggenickt wären. Zum Vergleich: Nur jede vierte. Autofahrerin (27 Prozent) ist demnach bereits übermüdet gefahren.

Bei den Gründen, warum viele sich trotzdem ans Steuer setzen, rangiert der Mangel an anderen Fahrern an erster Stelle. Zudem werden Zeitnot und Stress genannt. Nicht zuletzt gibt es demnach auch ein mangelndes Bewusstsein für die eigene Fahruntüchtigkeit. „Insgesamt sind das erschreckend hohe Zahlen“, sagt der Mitgründer des alternativen Fahrdienstes Clever-Shuttle, Bruno Ginnuth.

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