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Home Sonderthemen Fläming Bremsbereit durch den Wald
11:54 10.09.2019
Gefahr am Straßenrand: Die Zahl der Wildunfälle nimmt besonders im Spätsommer und Herbst zu, wenn die Brunftzeit der Tiere beginnt. FOTOS: PATRICK PLEUL/DPA, DPA

Von Ulrich Nettelstroth  

Viele Autofahrer unterschätzen die Gefahr durch Wildunfälle. Im vergangenen Jahr kam es allein im Landkreis Potsdam-Mittelmark zu 1253 Kollisionen mit Wildtieren, in 14 Fällen wurde dadurch ein Mensch verletzt. Die Zahl solcher Unfälle bewegt sich seit Jahren in dieser Größenordnung. Selbst im Stadtgebiet Brandenburg/Havel ereigneten sich im vergangenen Jahr 131 Wildunfälle, allerdings allesamt ohne Personenschäden.

Besonders im Spätsommer und Herbst, wenn die Tiere in der Brunftzeit sind, wächst die Gefahr. Immer wieder kommt es durch Zusammenstöße mit Rehen, Hirschen oder Wildschweinen zu schweren, manchmal sogar tödlichen Unfällen. Verkehrsexperten der Arag-Versicherung raten, die Fahrweise den besonderen Bedingungen anzupassen.
        

Das bedeutet, überall dort langsamer zu fahren, wo durch entsprechende Schilder auf Wildwechsel hingewiesen wird. Die Verkehrsexperten raten, nicht schneller als 60 Stundenkilometer zu fahren. Wald- und Straßenränder sollten aufmerksam beobachtet werden, vor allem in der Dämmerung oder nachts. Besonders gefährlich sind neu angelegte oder durch Ausbau stärker frequentierte Straßen, die durch Waldgebiete führen. Das Wild behält oft seine gewohnten Wege bei. Tauchen Tiere im Scheinwerferkegel auf: abblenden, abbremsen, hupen! Ist eine Gruppe von Tieren über die Straße gewechselt, sollten Autofahrer immer mit Nachzüglern rechnen.
           

Ist ein Unfall unvermeidbar, kann es nur noch darum gehen, das Schlimmste zu verhindern. Das heißt: Bremsen, geradeaus lenken und das Lenkrad festhalten! Wurde ein Tier angefahren, ist zunächst der Warnblinker einzuschalten und die Unfallstelle zu sichern. Die Polizei muss verständigt werden, bei verletzten Personen steht natürlich die Hilfe für diese im Vordergrund. Gegebenenfalls ist der Krankenwagen oder Notarzt zu rufen. Bei Schäden am Fahrzeug stellt die Polizei oder der Revierinhaber eine Bescheinigung für die Teilkaskoversicherung aus. Außerdem sind Fotos vom Fahrzeug, dem Unfallort und dem Tier zu machen.

Grundsätzlich kommt die Teilkaskoversicherung für Unfälle mit Haarwild (Wildschwein, Reh, Hirsch, Fuchs, Hase) und je nach Vertrag auch mit anderen Tierarten auf. Eine bestehende Vollkaskoversicherung übernimmt aber in jedem Fall die Schäden am eigenen Fahrzeug. Kommt es nach einer Begegnung mit einem Wildtier zu einem Schaden am Wagen, der nicht durch einen Zusammenstoß, sondern etwa durch Ausweichen verursacht wird, handelt es sich jedoch nicht um einen Wildunfall. Hier kann der Schaden aber unter Umständen als sogenannter „Rettungskostenersatz“ geltend gemacht werden. Darunter fallen Aufwendungen, die bei Eintritt des Versicherungsfalls gemacht werden, um diesen abzuwenden. Die Versicherung zahlt aber nur, sofern die Reaktion des Fahrers nicht reflexhaft und unter Berücksichtigung der Größe des Tieres angemessen war (Oberlandesgericht Saarbrücken, Az.: 5 U 356/10 - 57).

Wie ist die Rechtslage, wenn ein Autofahrer in ein schon totes Wildschwein hineinfährt? Vertraut man auf ein Urteil des Landgerichts Stuttgart, entspricht diese Unfallvariante der Haarwild-Versicherungsklausel, der zufolge zwar das Fahrzeug, nicht aber das Tier in Bewegung sein muss. Somit ist die Versicherung zahlungspflichtig (LG Stuttgart, Az.: 5 S 244/06).


Reifen sind die einzige Verbindung zur Straße und deshalb ein wichtiger Sicherheitsfaktor beim Autofahren, gerade im Herbst, wenn Laub fällt und vermehrt Regen fällt. Doch die meisten Autofahrer beschäftigen sich nur beim Reifenwechsel damit, wie der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) mitteilt. Deshalb haben der DVR und seine Partner die Initiative Reifenqualität – „Ich fahr´ auf Nummer sicher!“ vor 15 Jahren ins Leben gerufen.

An jedem zweiten Fahrzeug weist mindestens ein Reifen einen Mangel auf. Die Mängel reichen dabei vom falschen Reifendruck bis hin zu sichtbaren Rissen oder falsch montierten Reifen. Walter Eichendorf, Präsident des DVR, empfiehlt, die Reifen bei jedem zweiten Tankstopp zu überprüfen: „Das hilft, Gefahrenquellen frühzeitig zu erkennen. Wer unsicher ist, kann im Fachhandel um Rat fragen.“ Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, sagt: „Für die Verkehrssicherheit ist ein regelmäßiger Reifencheck unabdingbar. Ein solcher Check ist in wenigen Minuten gemacht.“ Neben der Überprüfung des Reifendrucks und der Profiltiefe empfiehlt er auch eine kurze Sichtkontrolle auf Einfahrschäden oder Risse. „Die richtige Bereifung, also Sommerreifen im Sommer und Winterreifen im Winter, ist für die Sicherheit im Straßenverkehr unerlässlich“, ergänzt Walter Eichendorf. Zu niedriger oder zu hoher Luftdruck beeinträchtigt das Fahrverhalten, sorgt für schnelleren Verschleiß und höheren Kraftstoffverbrauch.

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