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Home Sonderthemen Fläming Helfer für den Landwirt
13:55 30.03.2020
Daniel Pade kennt sich aus mit jeder Art von landwirtschaftlichem Gerät. An seiner Arbeit liebt er die Vielfalt der Aufgaben und die ständig wechselnden Anforderungen. FOTOS: JACQUELINE STEINER

Nauen. Daniel Pade liebt große Maschinen. „Technikbegeistert war ich schon immer“, sagt der gebürtige Berliner. Im Alter von 13 Jahren ist er mit seinen Eltern aus der Großstadt hinaus aufs Land gezogen, nach Wustermark (Havelland). Durch den Nachbarn, einen Landwirt, bei dem er auf dem Trecker mitfahren durfte, wurde sein Interesse für Traktoren, Mähdrescher und Feldhäcksler geweckt. Inzwischen ist der 24-jährige Landmaschinenmechanikermeister beim Unternehmen BLT Brandenburger Landtechnik GmbH im Verkauf tätig.

Die Meisterprüfung hat er mit Bravour bestanden, mit dem besten Abschluss aller Gewerke. Sein Meisterstück war ein Hydraulikaggregat, an das in der Werkstatt für technische Tests die Zusatzgeräte für den Traktor angeschlossen werden können. Das Aggregat wird seither viel benutzt, denn bisher musste dafür ein Traktor in die Werkstatt geholt werden.
 

Der Beruf des Landmaschinenmechanikers ist für Daniel Pade etwas ganz Besonderes. In der Werkstatt müssen die Spezialisten sich nicht nur, wie der Kfz-Techniker, mit Motoren, Getrieben und Fahrwerk auskennen, sondern auch mit Anbaugeräten wie Mähwerken, Wendern oder Drillmaschinen. „Wenn da etwas kaputt ist, müssen wir manchmal auch schweißen“, erklärt er. Andererseits tragen die heutigen Landmaschinen sogar noch mehr und oft kompliziertere elektronische Steuerkomponenten mit sich als der übliche Pkw. Maschinen sind vernetzt, GPS-gesteuert und mit einer Vielzahl von Sensoren ausgerüstet.


"Es gibt keinen typischen Arbeitstag."

Daniel Pade, Landmaschinenmechanikermeister


An der Arbeit in der Landmaschinentechnik liebt Meister Daniel Pade die Vielfalt der Aufgaben. „Es gibt keinen typischen Arbeitstag“, sagt er. Gerade in der Erntezeit sind die Monteure viel gefordert. Betriebe wie die BLT Brandenburger Landtechnik sind dann in 24-Stunden-Rufbereitschaft. Geht an einem Gerät im Einsatz etwas kaputt, muss der Techniker so schnell es geht draußen auf dem Acker sein. Da kommt es manchmal auf jede Stunde an. Und während früher der Landwirt manche Dinge noch selbst erledigen konnte, stecken die heutigen Geräte so voller Elektronik, dass das nicht mehr möglich ist.


Daniel Pade hat nach dem Abitur seine Ausbildung bei der BLT Brandenburger Landtechnik in Nauen (Havelland) gemacht und dort im Anschluss auch in der Werkstatt gearbeitet. Die Firma unterstützte ihn bei der Meisterausbildung, die er berufsbegleitend in Vollzeit absolvierte, wie er sagt. Jeweils im Herbst und Winter besuchte er den Unterricht, wenn in der Werkstatt, abgesehen vom turnusmäßigen Check der Erntemaschinen, nicht so viel zu tun war. Inzwischen ist er vom Standort Löwenberger Land (Oberhavel) aus im Außendienst tätig. Er betreut Kunden, die Neumaschinen kaufen wollen oder sich für sogenannte Connectivity-Systeme interessieren. Das sind digitale Lösungen etwa für die Maschinenüberwachung mit Ertragsanalyse. Dabei wird genau erfasst, wie hoch die Ernteerträge in welchem Teil des Feldes sind und es können beispielsweise die Düngergaben exakt darauf abgestimmt werden.


„Gerade die betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten, die ich mir in der Meisterschule angeeignet habe, helfen mir im Verkauf“, sagt Daniel Pade. Aber auch die technischen Kenntnisse seien gefragt. Die Kunden spüren schließlich, ob ihr Gegenüber sich bis ins Detail auskennt. Und die Kundschaft sei sehr breit gefächert, mit jeweils ganz unterschiedlichen Bedürfnissen. Das reicht vom kleinen Hobbybauer, der für seine Arbeit lediglich einen kleinen Traktor benötigt, bis hin zur großen Agrargenossenschaft mit mehreren eigenen Mähdreschern. Auch Gemeinden und Straßenmeistereien gehören zum Abnehmerkreis. Im Beratungsgespräch klärt Daniel Pade, ob aktuell ein Bedarf besteht, bringt sich auch immer wieder in Erinnerung und baut möglichst eine dauerhafte Kundenbeziehung auf. Dass Investitionen sich auszahlen, ergibt sich für ihn fast von selbst. „Mähdrescherschneidwerke haben jetzt teilweise eine Breite von 13,80 Meter“, schildert er begeistert. Und mit modernen Mähdreschern seien in der Ernte Erträge von 60 Tonnen pro Stunde möglich. Und nicht nur das: Die neue Technik hat neben höherer Leistung auch noch einen geringeren Verbrauch und verursacht niedrigere Emissionen. Damit leisten Investitionen in die Technik einen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Von Ulrich Nettelstroth


Als Nachfolger in die Selbstständigkeit

Die Weiterführung einer Firma kann den Weg zum eigenen Unternehmen ebnen

Kennt die Vorteile, über eine Nachfolge zur eigenen Firma zu kommen: Kammer-Fachmann Michael Burg. FOTO: PRIVAT
Kennt die Vorteile, über eine Nachfolge zur eigenen Firma zu kommen: Kammer-Fachmann Michael Burg. FOTO: PRIVAT

Potsdam. 5200 Handwerksunternehmen in Westbrandenburg haben die Schwelle bereits überschritten. Die Inhaber sollten sich Gedanken machen, wer die Firma künftig leiten könnte. Sie sind 55 Jahre alt oder älter, und eine geregelte Nachfolge will mitunter lange vorbereitet sein. Damit hat ein Drittel der Betriebe im Zuständigkeitsbereich der Potsdamer Handwerkskammer die Phase erreicht, in der die Zukunft in Angriff genommen oder Konzepte dafür umgesetzt werden sollten. Viele Firmen werden in der Familie bleiben. Für bald ebenso viele muss aber ein Nachfolger von außen gesucht werden. „Egal, ob das Wasser kalt oder warm ist, nass wirst du sowieso“, sagt der Abteilungsleiter der Kammer für Betriebsberatung und Wirtschaftsförderung, Michael Burg, dazu.

Zu den potenziellen Nachfolgern, die von außen den Sprung ins „Nass“ wagen, zählen auch frisch gebackene Meister. 192 Jungmeister haben im zurückliegenden Jahr von der Kammer ihre Meisterbriefe bekommen. Ein Viertel bis ein Drittel würden sich erfahrungsgemäß selbstständig machen wollen, so Burg.

Diesen Weg über eine Unternehmensnachfolge zu wählen, birgt viele Vorteile. „Ich muss mich meist erst einmal nicht um Räumlichkeiten samt entsprechenden Werkstätten sowie einen Bestand an Fachkräften, Aufträgen und Kunden kümmern“, zählt Burg die Vorteile auf. Das erleichtere vielen, sich selbstständig zu machen.

Dabei bleibe oft genügend Raum, eigene Vorstellungen auch in Kooperation mit den bisherigen Eigentümern umzusetzen. Die würden zwar teils berechtigte Ansprüche stellen. Für existierende Betriebe seien manche Innovationen und neue Wege aber wirtschaftliche Notwendigkeiten, wie sich an der Digitalisierung zeige, so Burg. Ein großer Teil der Auseinandersetzungen zwischen Eigentümern und Nachfolgern über Neuerungen finde ohnehin auf der Ebene des Preises statt.

Häufig stellt eine Nachfolge gerade für Jungmeister eine finanzielle Herausforderung dar. Aber auch auf diesem Feld bietet eine Reihe öffentlicher Programme vielfältige Unterstützung – Zuschüsse, Kredite, Darlehen mit und ohne Bürgschaften. „Damit hat sich noch jede Übernahme eines marktfähigen Unternehmens finanziell gestalten lassen“, sagt Burg. Über die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) gibt es die sogenannte Meistergründungsprämie für den Schritt in die Selbstständigkeit in Höhe von bis zu 12 000 Euro. Über die Förderbank KfW sind zinsgünstige Darlehen möglich. Zudem gewährt die Bürgschaftsbank Bürgschaften über bis zu 80 Prozent des Finanzierungsvolumens. Ein weiterer Baustein kann der Mikrokredit über 25 000 Euro sein, der mit 1,77 Prozent verzinst wird.

Guter Rat ist auf dem Weg zum eigenen Unternehmen auch über den Weg der Nachfolge ebenso nicht teuer. Sechs bis sieben Berater würden allein bei der Kammer darauf warten, Jungmeister und andere Gründungswillige „von den ersten Gedanken“ bis zur Anmeldung des Handwerksbetriebs zu begleiten, so Burg.

In Sachen Nachfolge wurde jetzt eine weitere Anlaufstelle eingerichtet, in der es darum geht, Inhaber von Unternehmen zu sensibilisieren, die ab dem Alter von 55 Jahren an besagter Schwelle angekommen sind, ab der Gedanken zur Nachfolge auftauchen sollten. Zunächst gehe es hier um die direkte Ansprache, sagt der zuständige Projektmanager Christian Kolata. Ist bei den Besitzern Interesse vorhanden, geht es im zweiten Schritt um den Unternehmenscheck. Der beinhaltet nicht nur, die Firma selbst auf den Prüfstand zu stellen, um über eine erste Analyse nächste Schritte zu verfügen. Hier solle es auch um Fragen gehen, inwiefern die Familie bei einer Nachfolge eine Rolle spielen könnte oder wie der Eigentümer für sich selbst nach einer Übergabe gesorgt hat, so Kolata. gd

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