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Home Sonderthemen Brandenburg/Havel Getöpferte Ostereier im Klinkerbau in Brandenburg
16:25 14.04.2020
In ihrer Töpferstube in der Klinikallee 34 kreiert Martina Bonk auch Österliches. FOTOS: JESSICA KLIEM (2), ADOBE STOCK/ VISIONS-AD (1)

Groß sind sie, rot und rosa, verziert mit unterschiedlichen Mustern – Martina Bonk hat bereits kurz nach Weihnachten mit dem Töpfern der riesigen Ostereier begonnen, die sich nun in ihrer kleinen Töpferwerkstatt aneinanderreihen. Die Herstellung der Eier, die in einer Gipsform modelliert und aus zwei Hälften zusammengesetzt werden, benötige viel Zeit. „Erst einmal müssen die Eier per Hand hergestellt werden, dann brauchen sie über zwei Wochen Trockenzeit, bevor sie im Ofen 24 Stunden lang gebrannt werden“, so Hobbytöpferin Bonk. Anschließend würden die Eier glasiert und nochmals 24 Stunden lang in den Ofen gegeben. In diesem Jahr hat sich die Voraussicht der Brandenburgerin, die auch Weihnachtsdekoration schon mal im Sommer herstellt, ausgezahlt. Obwohl ihre Töpferstube gerade geschlossen hat, kann sich die 59-Jährige nun an der österlichen Dekoration erfreuen.

Normalerweise bietet Martina Bonk in dem kleinen roten Backsteinhäuschen am Rand der Brandenburger Asklepios- Klinik zweimal die Woche Töpferkurse in kleiner Runde an. Diese müssen nun erst einmal ausfallen. Die Brandenburgerin hofft aber, die Kurse bald wieder fortführen zu können. Schließlich seien diese eine schöne Anlaufstelle geworden, nicht nur um zusammen zu werkeln, sondern auch um neue Kontakte zu knüpfen. „Ich staune immer wieder, wenn eigentlich wildfremde Menschen hier zusammensitzen und man beobachten kann, dass alle miteinander verbunden sind und sich gleich unterhalten.“


"Das ist einfach immer eine Überraschung."

Martina Bonk, Hobbytöpferin


Bonk selbst habe mit dem Töpfern im Rahmen ihrer Arbeit im Kreativatelier der JVA Brandenburg angefangen und dabei herumprobiert, sich selbst verschiedene Techniken beigebracht – und vor allem auch aus Missgeschicken gelernt.


Mit der Zeit sei die Töpferei zu ihrer Leidenschaft geworden. „Stellen Sie sich vor, Sie machen so ein Teil und haben hinterher immer so ein kleines Glücksgefühl. Das ist wie Weihnachten, das ist einfach immer eine Überraschung, als würde ich ein Geschenk auspacken.“ Das Töpfern und die gemütlichen Kurse mit zumeist vier Teilnehmern seien zudem ein guter Ausgleich zur Schichtarbeit, die es auch oft schwer mache, Freundschaften zu pflegen. Das Schöne sei zudem, dass der Umgang mit Ton leicht zu erlernen sei. „Die Leute kommen hierher, machen was und können auch gleich was.“

Dass Martina Bonk vor drei Jahren neben dem Job eine Töpferstube aufgemacht hat, sei Zufall gewesen. „Ich habe auch zu Hause getöpfert. Das sind aber immer mehr Sachen geworden, so dass ich nicht mehr wusste, wohin damit“, so die Brandenburgerin, die in der Anton-Saefkow-Allee aufgewachsen ist. „Zu DDR-Zeiten war das Gebäude unsere Post. Schon als wir hier wohnten, hatte ich so eine gewisse Verbindung zu dem schön verklinkerten Häuschen“, erzählt Bonk über das Gebäude, in dem sie heute ihre Töpferstube hat. Als das Gebäude mit der offiziellen Adresse Klinikallee 34 leer stand, hat Martina Bonk eine Anfrage an die Eigentümer gestellt. Dann sei alles sehr schnell gegangen. Bonk habe ein so gutes Angebot bekommen, dass sie einfach nicht nein sagen konnte. „Eine Töpferstube zu eröffnen, war eigentlich erst später geplant. Aber ich dachte, wenn ich das jetzt nicht mache, werde ich es mein Leben lang bereuen.“ Und so kam es, dass heute in der alten Post ein kleiner Brennofen steht – und ein Tisch voller verzierter Ostereier aus Ton. Von Jessica Kliem

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