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Home Sonderthemen Fläming Was macht eigentlich ein Orthopädietechniker?
16:44 17.03.2020
Sabrina Wilmes hat bei OTB in Brandenburg an der Havel eine Ausbildung zur Orthopädietechnikerin absolviert und ist in dem Unternehmen geblieben.
FOTOS: JESSICA KLIEM, BERND WÜSTNECK/DPA

Brandenburg/Havel. Sabrina Wilmes bearbeitet in der Werkstatt am Nicolaiplatz in Brandenburg an der Havel gerade eine Testschale für eine Unterschenkelorthese. „Tiefziehen“ nennt sie das. Unterschenkelorthesen sind Stützhilfen und können zum Beispiel bei einem ungesunden Bewegungsablauf das Zusammenspiel von Fuß und Bein verbessern und das Gehen erleichtern. Damit Orthesen richtig sitzen, müssen sie individuell angepasst werden, zum Beispiel indem Gipsabdrücke und Testschalen angefertigt werden.

Wie das geht, hat Sabrina Wilmes während ihrer Lehre zur Orthopädietechnikerin gelernt – ein Ausbildungsberuf, der vielen Jugendlichen sicher nicht auf Anhieb einfällt. Die Möglichkeit, auch weniger bekannte Berufe wie den von Sabrina Wilmes kennenzulernen, haben Jugendliche am 26. März. Dann findet wieder der Zukunftstag statt. Arbeitgeber aus ganz unterschiedlichen Bereichen präsentieren die verschiedenen Berufsmöglichkeiten in ihren Häusern. In der Stadt Brandenburg informiert zum Beispiel das Autohaus Mothor über den Beruf des Karosserie- und Fahrzeugbaumechanikers. Was ein Vermessungstechniker und ein Geomatiker machen, kann man beim Kataster- und Vermessungsamt in Lübben (Dahme-Spreewald) erfahren.    

Auch Sabrina Wilmes Arbeitgeber, das Orthopädietechnikunternehmen OTB, ist dabei. „Das Spannende ist eigentlich, dass man nie dasselbe baut. Jede Versorgung ist individuell auf den Patienten angepasst, jeder Patient hat andere Bedürfnisse, auf die man eingehen muss“, sagt Jonas Friedrich, Orthopädieschuhtechnikermeister bei OTB. Das Unternehmen bildet neben Orthopädietechnikern wie Sabrina Wilmes auch Orthopädieschuhtechniker aus, die beispielsweise orthopädische Maßschuhe oder Einlagen für Fußfehlstellungen anfertigen. Der Beruf spreche Friedrich zufolge auch immer mehr Frauen an und erfordere so einiges handwerkliches Geschick. „Man sollte nicht unbedingt zwei linke Hände haben“, so Friedrich. In der Ausbildung würden dann allerdings auch Fächer wie Anatomie auf dem Lehrplan stehen und Wissen zu Biomechanik, Statik und Dynamik.

Um einen Schuh so verändern zu können, dass ein Patient beim Gehen weniger Schmerzen habe, müsse man schließlich wissen, wie ein Mensch geht. Schüler, die sich für die Ausbildung interessieren, können am Zukunftstag vor Ort verfolgen, wie ein orthopädischer Schuh hergestellt wird. Auch das richtige Anmischen von Gips steht bei OTB auf dem Plan. Das sei nämlich gar nicht so einfach, betont Sabrina Wilmes.

Ein bekannter und beliebter Beruf ist der des Tischlers. Der zwölfjährige Joshua Otto von der Libertasschule in Löwenberg (Oberhavel) hat sich diesen Berufswunsch bereits fest in den Kopf gesetzt. Und genau deshalb wird er am Zukunftstag in eine Tischlerei gehen. Erik Brandenburg macht das möglich. Der Chef der Tischlerei Brandenburg sagte ja, als Joshuas Mutti mit dem Wunsch, ihrem Sohn einen Tag lang einen Einblick in diesen Beruf zu ermöglichen, an ihn herantrat. „Warum auch nicht“, so der seit 2015 selbstständige Tischler mit Unternehmenssitz in Nassenheide. Für ihn ist es das erste Mal, dass er einen Schüler am Zukunftstag unter seine Fittiche nimmt. „Wir wollen die Jugend doch für das Handwerk begeistern“, sagt Erik Brandenburg.  Von Jessica Kliem und Stefan Blumberg


Polizist für wenige Stunden

Am 26. März tauchen mehr als 6000 Schülerinnen und Schüler in die Berufswelt Brandenburgs ein

Wie in den vergangenen Jahren lädt auch die Polizei an mehreren Standorten zum Schnuppern ein.
Wie in den vergangenen Jahren lädt auch die Polizei an mehreren Standorten zum Schnuppern ein.
FOTO: JULIAN STÄHLE

Potsdam. Am Donnerstag, dem 26. März, ist Schule schwänzen ganz legal – natürlich nur, wenn man es zuvor abgesprochen hat. Doch abhängen ist nicht! Denn am 26. März ist Zukunftstag, an dem man eine Firma besuchen kann und sehen, ob es einem beruflich gefallen könnte.

Wer also wissen will, wie es in einem Krankenhaus, einem Restaurant, einem Pflegeheim, bei der Polizei oder in einer Verwaltung so zugeht und ob das etwas für einen selbst wäre, der kann sich keinen besseren Tag aussuchen.

Für das Schnupperpraktikum, das bundesweit veranstaltet wird, stehen in Brandenburg weit über 9000 Plätze zur Verfügung – an Universitäten und Hochschulen sowie in kleinen Betrieben und großen Unternehmen, und das in allen Bereichen: Handwerk, Dienstleistung und Handel, Gesundheitswirtschaft, Chemie, Metall-Elektro, Ernährungswirtschaft, Energie, Optik, Medien und Informations- und Kommunikationstechnik, Verkehr, Mobilität und Logistik sowie Tourismus. Die meisten Schnupperplätze werden in der Gesundheitsbranche angeboten.

Unter den rund 800 brandenburgischen Arbeitgebern, die ihre Türen für Schülerinnen und Schüler ab Jahrgangsstufe 7 öffnen, sind auch Kreis- und Stadtverwaltungen – wie die Stadtverwaltung Potsdam. Seit langem von Personalproblemen geplagt, hofft sie, auf diese Weise junge Leute für eine Ausbildung in ihrem Hause begeistern zu können. Auch das Hauptzollamt Potsdam und die Polizeidirektionen Nord und West werben auf diese Weise um Nachwuchs und haben sich für ihre jungen Besucher jeweils ein spannendes Programm ausgedacht. Ebenfalls dabei: einige Banken, Verkehrsbetriebe, Kliniken, Bäckereien und Forschungseinrichtungen wie das DESY in Zeuthen (Dahme-Spreewald).

Es gibt knapp 300 Berufe, die man im Land Brandenburg erlernen kann. mk


Anmeldungen für den Zukunftstag noch möglich

Potsdam. Interessierte Schülerinnen und Schüler, die in einen Beruf hineinschnuppern wollen, können sich noch bis Dienstag, 24. März, für den Zukunftstag am 26. März anmelden.

Welche Unternehmen Plätze anbieten und welche davon überhaupt noch zu haben sind, ist sehr übersichtlich über den Reiter „Aktions-Landkarte“ auf der Internetseite des Zukunftstages einsehbar. Die Anmeldung erfolgt ebenfalls ganz bequem über das Internet. Der Zukunftstag wird in Brandenburg immer beliebter: Noch nie haben so viele Firmen Einblick in ihre Arbeit gewährt und so viele Plätze zur Verfügung gestellt wie zu dieser 18. Auflage. Die meisten Plätze werden in der Branche Gesundheit angeboten. Auch Firmen können sich noch anmelden, für sie endet die Frist am Freitag, 20. März.

Info
Weitere Informationen im Internet unter www.zukunftstagbrandenburg.de

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