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15:05 27.10.2021
Unterricht in einer freien Waldorfschule, noch vor Corona ohne Abstand und Maske. foto: Sebastian Gollnow/dpa

Menschen sind vielfältig in ihren Veranlagungen und Interessen. Dem wird ein Schulsystem gerecht, das unterschiedliche Wege zum Wissenserwerb zulässt. 
 
Schulen in privater Trägerschaft tragen dazu bei, die Vielfalt der Bildungsgänge zu gewährleisten. Das gilt insbesondere dann, wenn die privaten Schulträger besondere pädagogische Konzepte verfolgen. Das können die Ideen der von Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie, entwickelten Waldorfpädagogik sein, die Konzepte von Maria Montessori oder Unterrichtsformen in konfessioneller Prägung. Solche werden im Land Brandenburg zum Beispiel an den Evangelischen Gymnasien am Dom zu Brandenburg/Havel, in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) oder auf der Insel Hermannswerder in der Landeshauptstadt Potsdam verfolgt.

Wiederum eine andere Ausrichtung haben die Freien Alternativschulen, die in einem eigenen Bundesverband mit insgesamt 150 Mitgliedsschulen und Gründungsinitiativen zusammengeschlossen sind. Sie knüpfen an Elemente etwa der Montessori- oder Freinet-Schulen an und legen darüber hinaus viel Wert zum Beispiel auf weitgehende Mitbestimmungsrechte für Schülerinnen und Schüler, altersgemischte Klassen oder Lerngruppen, viel Freiarbeit und vernetztes Lernen in fachübergreifenden Projekten. Wichtig ist es den Alternativschulen auch, Geborgenheit in einem überschaubaren Schulbetrieb zu vermitteln. Im Land Brandenburg zählen zum Beispiel die Freie Schule Fläming in Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark), die Freie Schule Potsdam oder die Kinderschule Oberhavel in Oranienburg zum Bundesverband Freier Alternativschulen.

Das Recht zur Errichtung von Schulen in freier Trägerschaft wird durch Artikel 7, Absatz 4 des Grundgesetzes ausdrücklich gewährleistet. Dort heißt es: „Die Genehmigung ist zu erteilen, wenn die privaten Schulen in ihren Lehrzielen und Einrichtungen sowie in der wissenschaftlichen Ausbildung ihrer Lehrkräfte nicht hinter den öffentlichen Schulen zurückstehen und eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert wird.“

Gleiche Schulabschlüsse wie in staatlichen Schulen

Schulen in freier Trägerschaft führen zu den gleichen Schulabschlüssen wie die übrigen Lehranstalten in staatlicher Regie. Deshalb folgen sie auch den Vorgaben der staatlichen Bildungspolitik und sind an die gleichen Lehrpläne gebunden. Akzente können sie trotzdem bei der Ausgestaltung des Unterrichts und der Vermittlung der Lehrinhalte setzen.

Privatschulen erhalten eine Grundfinanzierung aus Steuermitteln. Darüber hinaus erheben sie von den Eltern ein Schulgeld, das nach dem Einkommen gestaffelt ist. Eine Auswahl der Schülerinnen und Schüler nach der Finanzkraft der Eltern vorzunehmen, ist den Schulen untersagt. Deshalb werden für Familien mit geringerem Einkommen deutlich ermäßigte Beiträge erhoben. Ulrich Nettelstroth 
 

Vier neue Schulen in freier Trägerschaft

Zum Schuljahr 2021/2022 sind vier neue Schulen in freier Trägerschaft an den Start gegangen, so die Information des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg (MBJS).

In Zeuthen (Dahme-Spreewald) ist die Freie Waldorfschule Zeuthen zunächst mit einer ersten Klasse gestartet. Ziel des Trägervereins Waldorfschule Zeuthen e.V. ist es, waldorfspezifische Fächer wie Formenzeichnen und die Bewegungskunst Eurythmie anzubieten sowie einen Schulbesuch im Klassenverband bis zur 12. Klasse zu ermöglichen.

In Eberswalde (Barnim) ist die Freie Waldorfschule gegründet worden, ebenfalls zunächst einzügig. Spezialität ist unter anderem der große Schulgarten.

In Perleberg (Prignitz) ist die Montessori-Grundschule „Maria Sibylle Merian“ an den Start gegangen, auch diese mit zunächst einer ersten Klasse.

Die Freie Oberschule Fläming hat in Wiesenburg (Potsdam-Mittelmark) ihren Betrieb aufgenommen. Der Trägerverein sieht sich den Neurobiologen Gerald Hüther und Manfred Spitzer verbunden, denen zufolge Lernen dann nachhaltig ist, wenn es mit Begeisterung und Interesse passiert und an positive Gefühle gekoppelt ist.

In Brandenburg gibt es zum Schuljahr 2021/22 laut MBJS 923 Schulen, davon 737 in öffentlicher und 186 in freier Trägerschaft. Von den insgesamt 298 000 Schülerinnen und Schülern besuchen 33 000 eine Schule in freier Trägerschaft.

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