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Home Sonderthemen Fläming Strom ohne Leitung
21:10 03.12.2018
Ein echte Innovation auf dem Gleis: der neue Talent 3-Batterietriebzug. FOTO: BOMBADIER

Von Gerald Dietz

Mit Superlativen wurde nicht gespart, als der Zug kürzlich im Werk Hennigsdorf (Oberhavel) des Schienenfahrzeugherstellers Bombardier vorgestellt wurde. Von „unschlagbar“ bis „einzigartig“ war beim hier entwickelten und getesteten „Talent 3 Batterietriebzug“ (kurz Bemu) die Rede. Kein Wunder also, dass der teilweise auch so bezeichneten „Weltpremiere“ gestern Abend in Berlin der Innovationspreis Berlin-Brandenburg 2018 verliehen wurde. 

Die „technologische Antwort auf aktuelle Herausforderungen wie Luftverschmutzung, Klimawandel und Ressourcenknappheit“ nennt Michael Fohrer, Bombardier-Deutschlandchef, den Bemu auch anspruchsvoll. Der technologische Quantensprung dabei ist, dass der von Elektromotoren vorangetriebene Zug auch dort, wo entsprechende Oberleitungen fehlen, mit Strom verkehren kann.

Er nutzt dafür Batterien oder besser Akkus auf dem Dach, die während der Fahrt mit elektrischem Fahrdraht aufgeladen werden. Nicht nur das: Auch jeder Bremsvorgang pumpt wieder Energie ins System. Schon zehn Minuten Oberleitungsfahrt machen die Akkus wieder so voll, dass 40 Kilometer, im kommenden Jahr sogar 100 Kilometer, nicht elektrifizierte Strecke befahren werden können.

Takeda Better Health, Brighter Future

Die vom Bund im Innovationsprogramm geförderte, durch Fortschritte in der Batterietechnik möglich gewordene abgasfreie Entwicklung ist bitternötig, sind doch in Deutschland noch 40 Prozent der Bahnstrecken nicht elektrifiziert. Hier wäre Bemu vor ökologischem Hintergrund eine gebotene Alternative zum heutigen Dieselbetrieb. Das zeigt sich etwa beim Wirkungsgrad, dem Verhältnis von eingesetzter zu konkret genutzter Energie. Während der Diesel nur 40 Prozent erzielt, kommt der Bemu auf satte 90. Laut einer Vergleichsstudie der Technischen Universität Dresden hat der Batterietriebzug so auch bei der Gesamtkostenbetrachtung über die komplette Laufzeit von 30 Jahren deutlich die Nase vorn. Nicht nur das: Der Akkuantrieb ist zudem etwa um die Hälfte leiser als ein Dieselzug und setzt ebenso hinsichtlich Recyclebarkeit der eingesetzten Materialien Maßstäbe.

Die Deutsche Bahn wird 2019 in der Region Alb-Bodensee mit dem aktuellen Prototypen einen zwölfmonatigen Testbetrieb mit Fahrgästen starten. Auch die brandenburgische Landesregierung erwägt bei Neuausschreibungen von Netzen mit dieselbetriebenen Linien derartige innovative Alternativen mit einem Bonus zu bewerten. Nach Probeläufen und Inbetriebnahme sollen Kleinserien des Schienenfahrzeugs auch in Hennigsdorf gebaut werden. Größere Auftragsserien gehen indes nach Bautzen.


Die Freude war groß unter den brandenburgischen Gästen bei der Verleihung des diesjährigen Innovationspreises Berlin-Brandenburg gestern Abend im Berliner Museum für Kommunikation. Gleich dreimal wurden in der Mark beheimatete Unternehmen oder Vorhaben mit der renommierten Ehrung gewürdigt. Neben dem Schienenfahrzeug-Hersteller Bombardier, der den Preis für einen neuen Batteriezug aus seinem Werk in Hennigsdorf (Oberhavel) erhielt, konnten Vertreter zweier weiterer Projekte in Brandenburg den seit 1992 gemeinsam von beiden Bundesländern vergebenen Preis entgegennehmen:

■ das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam für ein System, Lehrinhalte für Schulen von überall aus über verteilte Server verfügbar zu machen.

■ die Siqal UG, die in Schwarze Pumpe (Spree-Neiße) eine nahezu abfallfreie Produktion von Rohstoffen wie Aluminiumoxid und Silizium plant.

Aus Berlin wurde ein System des Instituts für Optische Sensorsysteme am Zentrum für Luft- und Raumfahrt ausgezeichnet, das Eigenbewegungen ohne äußere Bezugspunkte bestimmt. Die Siut GmbH erhielt den Preis für die Entwicklung von leuchtendem Beton im Verkehrssektor.

Der Rekord von 174 Einreichung für den Preis war für den brandenburgischen Wirtschaftsminister Jörg Steinbach Anlass zur Freude: „Die Steigerung der Anzahl der Bewerbungen um gut 30 Prozent bedeutet eines der besten Ergebnisse in der Geschichte und belegt das ausgesprochen lebendige Innovationsklima in der Hauptstadtregion.“

Info www.innovationspreis.de

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