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Home Sonderthemen Neuruppin Angehörige sehen sich isoliert
07:05 15.02.2019
Pflegende Angehörige sind meist Frauen. GRAFIK/FOTO: BARMER, DPA

Von Gerald Dietz

Pflege wird oft als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe bezeichnet. Viele pflegende Angehörige scheinen da ihre Zweifel zu haben. Ein Großteil von ihnen fühlt sich mittlerweile ziemlich isoliert. Das ist das Ergebnis einer Studie der Barmer-Krankenversicherung. Dazu wurden mehr als 1800 Versicherte befragt und die Diagnosen von 179 000 Versicherten ausgewertet. 

Mehr als jeder zehnte fühlt sich demnach meistens oder dauerhaft mit der Pflege alleingelassen. Rund zwei Drittel der Befragten insgesamt gab an, überhaupt nicht oder nur mit Problemen eine Vertretung auch nur für ein paar Stunden zu bekommen. Das hat Folgen für die eigene Gesundheit: „Wer sozial isoliert ist und nie Entspannung findet, hat ein deutlich höheres Erkrankungsrisiko“, sagt Gabriela Leyh, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Brandenburg und Berlin. 

47 Prozent gaben an, ihre Lebensqualität habe sich mit Übernahme der Pflege insgesamt verschlechtert. Knapp 40 Prozent schätzen ihre eigene Gesundheit als weniger gut bis schlecht ein. Neben Rückenbeschwerden (44 Prozent) und Gelenkschmerzen (41 Prozent) berichten pflegende Angehörige vor allem von psychischen Problemen. Knapp 30 Prozent geben an, sich in der Rolle als Pflegender gefangen zu fühlen. Dass sich die Pflege negativ auf Freundschaften auswirkt, empfinden 23 Prozent. Hinzu kommen Zukunfts- und Existenzängste bei gut 19 Prozent der Befragten, ein schlechtes Gewissen, der Pflege nicht gerecht zu werden, bei 15 Prozent. Bei mehr als sieben Prozent habe die Pflege schon zu Ausfallerscheinungen wie Wutanfällen geführt. Mit 38 Prozent berichten die meisten über Schlafstörungen. 

Für viele Angehörige ist Pflege ein Full-Time-Job. Rund 85 Prozent pflegen täglich zwölf Stunden und mehr – und dass über viele Jahre hinweg. Als besonders belastend empfinden Angehörige die Pflege wenn sie mit herausfordernden Einschränkungen bei den zu Betreuenden umgehen müssen, wie Demenz-Erkrankungen, Ernährungsproblemen oder Inkontinenz. 

Angehörige, die regelmäßig Unterstützung aus ihrem persönlichen Umfeld erhalten, klagen deutlich weniger über Belastungen. Freunde und Bekannte sollten sich daher nicht zurückziehen, sondern Hilfe anbieten. 

Die Inanspruchnahme allgemeiner Hilfsangebote scheint indes schwierig. Betroffene schildern, dazu ermutigt werden zu müssen, entsprechende Leistungen wie etwa der Pflegeversicherung einzufordern. Verhinderungsoder Kurzzeitpflege, mit der sich Angehörige durch professionelle Pflegekräfte oder Menschen aus dem persönlichen Umfeld vertreten lassen können, werde gerade von jenen zu selten beantragt, die schon gesundheitlich angeschlagen sind, heißt es bei der Barmer. Die Befragung zeige, dass jene Angehörige, die solche Angebote wahrgenommen haben, zufrieden damit waren. Mehr als 44 Prozent der Befragten etwa berichteten, einen ambulanten Pflegedienst hinzugezogen zu haben und damit zufrieden gewesen zu sein.

Pflegende Angehörige sind laut Barmer-Studie selbst oft im Seniorenalter. 25 Prozent sind zwischen 60 und 69 Jahre alt, rund 16 Prozent zwischen 70 und 79 und rund 18 Prozent sogar über 80.

Zu zwei Dritteln übernehmen Frauen die Hauptpflegearbeit. Meist sind es der Partner oder ein Elternteil, die versorgt werden.

Angehörigen-Pflege gibt es vor allem in sozial schwächeren Haushalten.

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