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Home Sonderthemen Potsdam Aufstieg mit Förderung
11:07 25.06.2019
Weiterbildungen können kosten. FOTOS: B.V.JUTRCZENKA/DPA; DPA
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Von Gerald Dietz

Erfolg im Beruf basiert vielfach auf der Bereitschaft, sich weiterzuqualifizieren. „Darauf fußt die Karriereleiter“, sagt Wolfgang Spieß, Geschäftsführer Bildung der Industrie- und Handelskammer Potsdam und Vorstand des Netzwerks Zukunft, Schule und Wirtschaft im Land. Doch Aufstiegs- und Weiterbildungen sind nicht selten mit Kosten verbunden. Einerseits erfordern die Maßnahmen selbst oft finanzielle Aufwendungen – etwa Teilnahmegebühren. Andererseits sind für die Dauer die Möglichkeiten zum Geld verdienen eingeschränkt. 

Doch es gibt viele Fördermaßnahmen, die zum Teil Ausgleich bringen. „Neben der Güte und Wertigkeit von Qualifizierungen sollten Interessenten auch über die Unterstützungsmöglichkeiten gut informiert sein“, rät Spieß. Insgesamt sind von öffentlicher Seite her sechs entsprechende Förderungen relevant.

■ Das Aufstiegs-Bafög: Wer eine abgeschlossene Erstausbildung hat und sich etwa zum Meister, Techniker, Betriebswirt, Fachwirt, -kaufmann oder -krankenpfleger qualifiziert, kann die „Aufstiegsförderung“ bei seinem Amt für Ausbildungsförderung beantragen. Zur Finanzierung der Lehrgangsgebühren kann einkommens- und vermögensunabhängig ein Beitrag in Höhe der Kosten in Anspruch genommen werden bis maximal 15 000 Euro. 40 Prozent der Förderung wird als Zuschuss gezahlt. Für den Rest der Fördersumme gibt es das Angebot eines zinsgünstigen Darlehens der KfW-Bank.  

■ Der Bildungsscheck:
Das Land fördert mit Unterstützung des Europäischen Sozialfonds (ESF) die betriebliche und individuelle Kompetenzentwicklung von Arbeitnehmern, Selbstständigen sowie anderen haupt- und ehrenamtlich Tätigen in Brandenburg. Die Höhe der Förderung beträgt bei Bildungsschecks in aller Regel 50 Prozent der förderfähigen Gesamtausgaben inklusive der Prüfungsgebühren. Ein solcher Bildungsscheck wird einmal pro Kalenderjahr gewährt. Die Kosten müssen dabei mindestens 1000 Euro betragen. Der Zuschuss ist auf maximal 3000 Euro begrenzt.


40 Prozent des Aufstiegs-Bafög wird als Zuschuss gewährt


■ Die Bildungsprämie: Die Bildungsprämie setzt sich zusammen aus einem Prämiengutschein und dem sogenannten Weiterbildungssparen. Mit dem Gutschein übernimmt der Staat 50 Prozent der Veranstaltungsgebühr für alle, die das 25. Lebensjahr vollendet haben und mindestens 15 Stunden pro Woche erwerbstätig sind. Ihr jährlich zu versteuerndes Einkommen darf 20 000 Euro (40 000 bei gemeinsam veranlagten Personen) nicht übersteigen. Die Veranstaltungsgebühr ist dabei auf maximal 1000 Euro begrenzt. Mit dem Spargutschein ist eine vorzeitige Entnahme von nach dem Vermögensbildungsgesetz angespartem Guthaben für berufsbezogene Weiterbildungszwecke möglich, ohne dass damit die Arbeitnehmersparzulage verloren geht.

■ Die Förderung der Weiterbildung in Unternehmen: Diese Unterstützung zur Förderung der beruflichen Weiterbildung in Brandenburg gilt der Qualifizierung von Beschäftigten auf Basis begründeter Weiterbildungsbedürfnisse mit mindestens 500 und maximal 3000 Euro. Zielgruppe sind Unternehmen, die eine feste Betriebsstätte im Land unterhalten.

■ Aufstiegsstipendium: Hiermit werden Beschäftigte gefördert, die in Ausbildung und Beruf mindestens zwei Jahre Erfahrungen gesammelt und dabei ihr besonderes Talent sowie Engagement bewiesen haben. Das heißt, dass sie die jeweilige Abschlussprüfung oder Aufstiegsfortbildung mit der Durchschnittsnote mindestens 1,9 beziehungsweise mit 87 Punkten bestanden haben. Mit Unterstützung des Stipendiums können Menschen ein Studium aufnehmen.

■ Steuerrückerstattung vom Finanzamt: Ausgaben für Weiter- und Fortbildung während des Arbeitslebens zählen zu den Werbungskosten und sind damit auch unbegrenzt abzugsfähig, wenn sie in Zusammenhang mit dem Beruf stehen.


Egal, ob Ausbildung, Studium, ein freiwilliges soziales Jahr oder „Work & Travel“ im Ausland – für junge Leute beginnt nach Abschluss der Schule eine rasante Zeit mit Herausforderungen. Der neue Ratgeber der Verbraucherzentrale „Ausbildung und Studium“ (FOTO: Verbraucherzentrale) bietet für den bewegten Lebensabschnitt Orientierung mit Checklisten, Beispielrechnungen und Expertentipps. Neben der spannenden Frage, wie es in der Ausbildung weitergeht, stehen auch weitere Entscheidungen an: „Wo werde ich in Zukunft wohnen? Wie kann ich meinen künftigen Lebensunterhalt finanzieren? Die Suche nach einer Krankenkasse wird genauso zum Thema wie die Steuererklärung oder der erste eigene Mietvertrag.

Das Buch der Journalistin Isabell Pohlmann bietet einen umfassenden Überblick über die Finanzen, erklärt, welche Rechte und Pflichten Azubis haben, welche Förderungen möglich sind oder wie Geld flexibel angelegt werden kann.

Info Der Ratgeber hat 160 Seiten und kostet 16,90 Euro. Bestellt werden kann er im Online-Shop unter www.ratgeber-verbraucherzentrale.de oder telefonisch unter 0211/38 09 555. Erhältlich ist das Buch auch in den Beratungsstellen der Verbraucherzentralen sowie im Buchhandel.


Den Unternehmen fehlten zuletzt mehr als 311 000 Arbeitskräfte im sogenannten MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Damit erreicht die entstandene Lücke laut Mitteilung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) einen der höchsten Werte seit Beginn der Aufzeichnungen vor acht Jahren.

Die Industrie will Anstrengungen zur Qualifizierung neuer Fachkräfte weiter verstärken. Gleichwohl plädiert der BDA zusätzlich für ein neues Einwanderungsgesetz.

„Das große Engagement der Unternehmen in der Ausbildung ist erfreulich“, sagt Thomas Sattelberger, Vorstandsvorsitzender der Initiative „MINT Zukunft schaffen“ und FDP-Bundestagsabgeordneter. Die Zahl neu abgeschlossener MINT-Ausbildungsverträge habe im vergangenen Jahr mit 151 800 und fünf Prozent mehr gegenüber dem Vorjahr einen neuen Rekordstand erreicht. „Dennoch zeigen die Zahlen insgesamt weiter einen eklatanten Fachkräftemangel“, so Sattelberger. Damit sei auch klar: „Die Gesetzgebung zur qualifizierten Einwanderung ist überfällig und dringend notwendig.“

In den kommenden Jahren steige „der demografische Ersatzbedarf stark an, so dass die Herausforderungen bei der Fachkräftesicherung weiter zunehmen“, unterstreicht auch der Leiter des Kompetenzfelds Bildung, Zuwanderung und Innovation am Institut der deutschen Wirtschaft, Axel Plünnecke. Insgesamt seien heute 1,9 Millionen zugewanderte MINT-Kräfte in Deutschland erwerbstätig und tragen in Höhe von rund 186 Milliarden Euro pro Jahr zur Wertschöpfung bei.  


Eltern können auch für volljährige Nachkommen Kindergeld bekommen. Voraussetzung: Die Heranwachsenden befinden sich in einer Ausbildung. Dann läuft die Zahlung auf Antrag bis zum 25. Geburtstag. Als begünstigte Bildungsmaßnahmen gelten nicht nur Studium und Lehre.

Auch bei einem Praktikum, sofern es in der Studien- oder Ausbildungsordnung vorgesehen ist, wird nach Angaben der Zeitschrift Finanztest Kindergeld gezahlt. Das Gleiche gilt für Praktika, die Zugang zu einem Studium ermöglichen.

Kindergeld kann laut Finanztest auch bezogen werden, wenn der Heranwachsende einen Freiwilligendienst absolviert. Infrage kommen dabei das Freiwillige Soziale oder Ökologische Jahr, ein Bundesfreiwilligendienst oder ein Freiwilligendienst der EU. Auch eine Ausbildung bei der Bundeswehr wird von der Familienkasse unterstützt, etwa als Rettungssanitäter.

Ein Praktikum im Ausland zählt demnach ebenfalls zu den begünstigten Bildungsmaßnahmen. Laut Finanztest können aber auch Au-pair-Erfahrungen dazu gehören. Fällt in diese Zeit etwa ein Sprachkurs mit mindestens zehn Stunden pro Woche, kann ebenso Kindergeld gezahlt werden.
  

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