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Home Sonderthemen Oberhavel Attest für Kosten von Naturheilmethoden reicht
07:54 21.02.2019
Auch umstrittene Heilmethoden wie die Akupunktur sind steuerlich absetzbar. FOTOS: FOTOLIA; DPA

Behandlungskosten für eine wissenschaftlich nicht anerkannte Heilmethode sind steuerlich absetzbar, wenn eine amtsärztliche Bestätigung vorliegt. „Dabei genügt auch ein knappes Attest vom Amtsarzt oder dem medizinischen Dienst der Krankenkasse“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Das geht aus einer Entscheidung des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz hervor.

Im dem verhandelten Fall machte ein Elternpaar die Kosten für eine Naturheilbehandlung als außergewöhnliche Belastung in der persönlichen Einkommensteuererklärung geltend. Die Krankenkasse hatte die Ausgaben für die schwerbehinderte Tochter nicht übernommen. Vor Beginn der Behandlung hatten die Eltern allerdings dazu ein privatärztliches Attest einer behandelnden Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde eingeholt.

Die Ärztin bescheinigte, dass bei dem schweren Krankheitsbild jeder Versuch, das Ergebnis zu verbessern, für die Familie wichtig und auch medizinisch jeder positive Impuls für das Kind zu begrüßen sei. Auf diesem ärztlichen Attest vermerkte der zuständige Amtsarzt knapp, dass die Angaben amtsärztlich bestätigt werden. Das Finanzamt berücksichtigte die Kosten für die Heilbehandlung jedoch nicht, da kein amtsärztliches Gutachten vorliege.

Das sah das Gericht anders: Bei nicht wissenschaftlich anerkannten Heilmethoden ist ein qualifizierter Nachweis erforderlich. Diesen Nachweis hätten die Eltern aber erbracht. An das Gutachten des Amtsarztes seien keine überhöhten Anforderungen zu stellen. Auch eine kurze Bestätigung reiche für die Anerkennung der entstandenen Kosten aus. Die Richter zogen in ihrem Urteil eine Parallele zum medizinischen Dienst der Krankenkassen, der solche Ausgaben ebenfalls attestieren könne – und zwar ohne ein umfangreiches spezifisches Gutachten.

Betroffene, bei denen eine Heilmethode abseits der Schulmedizin erforderlich ist, sollten sich die Notwendigkeit der Behandlung von einem Amtsarzt oder dem medizinischen Dienst der Krankenversicherung bestätigen lassen, rät Klocke daher. Dann können sie die entstehenden Ausgaben bei der Steuererklärung geltend machen. Erkennt das Finanzamt die Ausgaben nicht an, sollte sie auf das Urteil aus Rheinland-Pfalz verweisen.

Info FG RLP: 1 K 1480/16


Umsatzsteuern aus dem Online-Handel sollen auch beim Fiskus ankommen. FOTO: DPA
Umsatzsteuern aus dem Online-Handel sollen auch beim Fiskus ankommen. FOTO: DPA

Ein neues Gesetz gegen den Umsatzsteuerbetrug im Internethandel zeigt offenbar Wirkung. Bis Mitte Februar haben sich bereits 9194 Händler mit Sitz in der Volksrepublik China, einschließlich Hongkong, Taiwan und Macau, allein in Berlin beim zuständigen Finanzamt Neukölln steuerlich registrieren lassen. Auch aus anderen Bundesländern gibt es laut Medienberichten entsprechende Meldungen. Vor der Verschärfung waren es etwa in Berlin-Neukölln lediglich 430 Händler gewesen.

Jahrelang zahlten vor allem Händler aus China beim Verkauf von Waren über Plattformen und Marktplätze wie Amazon oder Ebay keine Umsatzsteuer. Mit dem zu Jahresbeginn in Kraft getretenen Gesetz zur Vermeidung entsprechender Steuerausfälle haften nun die Betreiber der Marktplätze bei Steuerbetrug für die Händler. Daher können die Händler dort nur noch Geschäfte machen, wenn sie steuerlich in Deutschland registriert sind. Das Ziel sind bis zu 500 Millionen Euro mehr an jährlichen Steuereinnahmen.

Käufer zahlten bisher oft einen Preis mit Mehrwertsteuer, aber die Ware kam ohne Rechnung; die an den Fiskus abzuführende Umsatzsteuer des Händlers wurde nicht gezahlt. Das blieb folgenlos, weil man diese Firmen und Verkäufer etwa in China nur schwer haftbar machen konnte. Sie müssen nun aber fürchten, dass Betreiber der Internet-Marktplätze diese Händler bei Umgehen der Umsatzsteuer sperren – daher sind etwa die Registrierungen bei dem für Umsätze von Online-Händlern aus Fernost zuständigen Finanzamt Berlin-Neukölln so stark gestiegen.


Kfz-Haltern drohen zum Teil höhere Steuern. Seit September 2018 werden neu zugelassene Pkw mit einem neuen Verfahren auf ihre Abgaswerte überprüft. Diese „Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicels Test Procedure“, kurz WLTP, soll realistischere Abgaswerte eines Fahrzeugs ergeben als dies bisher der Fall war. Nach Angaben von Experten der Arag-Versicherung könnte sich dadurch für viele Halter die Kfz-Steuer erhöhen, da durch das neue WLTP-Methode in der Regel höhere CO2-Werte geliefert werden und sich die Steuer nach CO2-Wert und Hubraum richtet.


Für gesetzlich Krankenversicherte sind grundsätzlich sämtliche gezahlten Beiträge für die Basisabsicherung steuerlich abzugsfähig. Darauf macht die Bundessteuerberaterkammer in Berlin aufmerksam. Keine Berücksichtigung findet beim Finanzamt allerdings der gezahlte Beitragsanteil, der etwa der Finanzierung von geleistetem Krankengeld dient.

Bei privat Krankenversicherten erkennt der Fiskus dagegen nicht alle Aufwendungen an, da häufig der Leistungskatalog über das gesetzlich als notwendig Erachtete hinausgeht.

So bleiben beispielsweise gezahlte Beitragsbestandteile für die gesonderte Chefarzt-Behandlung oder auch das gewünschte Einzelzimmer steuerlich in aller Regel unberücksichtigt.

Privat Versicherte sollten daher unbedingt darauf achten, dass ihre gewählte Kasse die nicht steuerbegünstigten getrennt von den steuerbegünstigten Leistungen ausweist.


Wer einen Jagdschein macht, kann das Finanzamt in der Regel nicht an den Kosten beteiligen. Diese Aufwendungen stellen keine Werbungskosten dar, wenn sie nicht beruflich veranlasst sind, entschied das Finanzgericht Münster. Ebenso wie der Erwerb eines Führerscheins sei der Erwerb eines Jagdscheins nur dann beruflich veranlasst, wenn er unmittelbare Voraussetzung für die Berufsausübung sei.


Dank der guten Lage am Arbeitsmarkt lohnt sich Schwarzarbeit offensichtlich immer weniger. Die niedrige Arbeitslosenquote und gute Verdienstmöglichkeiten sorgen offenbar dafür, dass weniger Menschen in Deutschland am Fiskus vorbei angebotene Jobs annähmen, so der Schluss einer Analyse des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und der Universität Linz.

Der Prognose der Tübinger Forscher zufolge sinkt der Umfang der Schattenwirtschaft in Deutschland in diesem Jahr auf nur noch 319 Milliarden Euro. Das sind sechs Milliarden Euro weniger, als die Forscher für 2018 errechnet haben.

In ihren Schätzungen berufen sich die Wissenschaftler auf die wirtschaftliche Entwicklung, ein weiterer Indikator sind aber auch vorhandene Bargeldreserven. Die Tübinger gehen dabei in diesem Jahr von einem weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit in Deutschland aus. Niedrigere Krankenkassenbeiträge, die Kleinselbstständige zu zahlen haben, führten außerdem dazu, dass letztlich mehr Menschen ein Gewerbe anmelden.

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