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Home Sonderthemen Wittstock Arbeitsplatz mit Aufstiegsgarantie
15:24 01.12.2017
Johannes Doll vor dem Aufstieg. Stunden später hängt der Stern in der obersten Turmhaube der Sankt Marienkirche. FOTOS: RUCH

Von Christamaria Ruch

Wittstock. Er hat den höchsten Arbeitsplatz in Wittstock. Das kann Johannes Doll mit Fug und Recht behaupten. Der Haus- und Kirchwart in der Wittstocker Kirchengemeinde turnt mehrmals im Jahr in gut 60 Meter Höhe umher.

Über Wendel- und andere Treppen geht es hoch zum Kirchturm.
Über Wendel- und andere Treppen geht es hoch zum Kirchturm.

Steht der erste Advent vor der Tür, beginnt für Johannes Doll eine sportliche Zeit. Er folgt einer Wittstocker Tradition und installiert den Herrnhuter Stern hoch oben in der Turmhaube der Sankt Marienkirche. Das gelbe und warme Licht dieses Sterns ist vom ersten Advent bis 6. Januar weithin sichtbar – wer nach Wittstock fährt, kann die Marienkirche als sichere Landmarke ansteuern. Doch der Herrnhuter Stern mit seinen 25 Zacken hat es in sich. Der Stern für die Marienkirche hat einen Durchmesser von 1,3 Meter. Damit ist dieser zu groß, um die engen Wendeltreppen und die Öffnung zur Turmhaube zu passieren. „Ich trage den Stern in drei Etappen hoch und baue ihn erst oben zusammen“, sagt Johannes Doll. Der Turm schließt mit einer dreifach abgestuften Haube im Barockstil ab. Zu den 203 Stufen bis zur Aussichtsplattform kommen auch noch zwei Leitern, die Doll am Ende passieren muss. Erst dann öffnet er den Deckel der obersten Turmebene, der so genannten Ampel. In Augenhöhe hängt er dann den Stern auf. Dabei hat er immer das Loch in der Mitte der Turmhaube vor Augen und muss drum herum balancieren. „Ich sage im Gemeindebüro Bescheid, wenn ich hochklettere, denn das kann auch gefährlich werden“, sagt der 39-Jährige.

Auf dem Weg nach oben wirft Johannes Doll kaum einen Blick nach links oder rechts. Erst ganz oben genießt er den Ausblick. „Am liebsten sehe ich zur Heiliggeistkirche und auf den Kirchgarten“, sagt er. Sonne, Wind und kühle Temperaturen – alles hat der 39-Jährige dort oben beim Aufhängen des Sterns schon erlebt. „Wenn es nieselt, wird es dort glatt und gefährlich.“

Hinweis für die Besucher, die den Aufstieg wagen wollen.
Hinweis für die Besucher, die den Aufstieg wagen wollen.

Somit verfolgt er den Wetterbericht, um einen geeigneten Tag für diese Aktion zu erwischen. Fünf Minuten dauert bei Johannes Doll ein Aufstieg. Fünfmal muss er diese Strecke zurücklegen, um den Stern und das Werkzeug nach oben zu befördern. „Es passiert auch, dass ich etwas unten vergessen habe“, räumt er ein.

Die Glocke vom Uhrwerk der Marienkirche hängt genau neben dem Stern. „Deshalb vermeide ich es, um 12 Uhr dort oben zu arbeiten. Das wäre einfach zu laut“, sagt er. Doch das Zeitfenster ist eng. Spätestens bis 17 Uhr muss er wegen der einbrechenden Dunkelheit den Stern windfest installiert haben. Neben der Marienkirche erstrahlt auch der Turm der Heiliggeistkirche im Licht. Dort befindet sich in gut 44 Meter Höhe ein Herrnhuter Stern – auch dort turnt Johannes Doll die Treppen hinauf: „Ich bin schwindelfrei.“

Silvester gesellt er sich um 24 Uhr zu den Posaunenbläsern, die als Turmbläser von der Aussichtsplattform der Marienkirche das Neue Jahr begrüßen. „Wenn das Feuerwerk um Mitternacht startet, kann man von der Aussichtsplattform direkt darauf sehen, denn die Feuerwerkskörper erreichen nur eine Höhe von gut 40 Metern“, sagt Johannes Doll.

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