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Home Sonderthemen Fläming Eckhard Galys: Masken waren Mangelware im Westhavelland
13:05 08.06.2020
Apotheker Eckhard Galys führt drei Apotheken im Westhavelland. FOTOS: BERND GESKE, DPA

Sechs Wochen lang war sozusagen die Hölle los“, sagt Eckhard Galys, Inhaber der Neustadt Apotheke in Rathenow sowie zweier Apotheken in Premnitz. „Während der Corona-Krise war es zum Teil schwierig, Desinfektionsmittel zu besorgen, und jede Art von Mundschutz war eine Zeit lang gar nicht zu bekommen.“ Hinter den Apothekern der Region liegen kräftezehrende Wochen. Ihre medizinische Beratungs- und Aufklärungsarbeit war gefragter denn je. Gleichzeitig sorgten Versorgungsengpässe für erheblichen Mehraufwand. Auch an die Sicherheit der Mitarbeiter musste gedacht werden.

Zwar habe man von Anfang an versucht, alle notwendigen Hygieneregeln einzuhalten, dies sei allerdings gar nicht so einfach umzusetzen gewesen, berichtet etwa Kirk Berger, Inhaber der Märkischen Apotheke in Brück und der Waldapotheke in Borkwalde. „Wir hatten zwar einige Masken vorrätig, die wir bei der Herstellung von Rezepturen verwenden. Die waren aber recht schnell aufgebraucht.“ Auch die begehrten Plexiglas-Schutzscheiben für die Verkaufsschalter seien nicht sofort verfügbar gewesen. Sein Kollege Galys griff kurzerhand auf Material aus dem Baumarkt zurück und montierte die Scheiben selbst.

Überhaupt spielte die eigene Herstellung nicht nur bei Masken eine Rolle, die in Brück etwa auch von fleißigen Freiwilligen genäht wurden. Um den gestiegenen Bedarf an Desinfektionsmitteln für die Hände zu decken, dürfen es die Apotheken in Deutschland derzeit selbst zubereiten. „Ich hatte in der Woche immer zwei Pharmazeuten abgestellt, die Desinfektionsmittel hergestellt haben“, so Berger. Nicht immer sei es einfach gewesen, an die für die Rezeptur benötigten Inhaltsstoffe zu kommen.

Auch wenn Kirk Berger berichtet, dass sich der Arbeitsalltag inzwischen weitgehend normalisiert habe und dauerhaft verschiedene Desinfektionsmittel und Masken vorrätig seien, ist das Problem der Beschaffung noch nicht gänzlich ausgestanden. „Man sitzt viel mehr am Telefon und am Computer und versucht Medikamente zu besorgen“, so Apotheker Galys, „und man muss viel vorausschauender einkaufen und überlegen, was man in der nächsten Zeit wirklich dringend braucht.“

Das Problem von Lieferengpässen bei Arzneimitteln ist nicht neu. Bereits im Herbst vorigen Jahres galten über 280 Arzneimittel zeitweise als nicht lieferbar. Die Gründe dafür sind vielfältig. Viele Pharmakonzerne lassen ihre Wirkstoffe beispielsweise in China und Indien herstellen, wo sich die Produktion auf wenige Betriebe konzentriert. Steht die Produktion zeitweilig still oder kommt es wegen Verunreinigungen zu Rückrufen, ruckelt es in der gesamten Lieferkette. Durch die Corona-Krise hat sich das Problem weiter verschärft. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte listet derzeit insgesamt 414 Arzneimittel, die von Lieferengpässen betroffen sind. Zwar können Patienten oft auf ähnliche Mittel ausweichen, mehrere für die Zeit der Corona- Krise getroffenen Neuregelungen sollen aber Apotheken zudem die Abgabe von Alternativpräparaten erleichtern. Für die Apotheker der Region bedeuten die Lieferengpässe dennoch einen hohen Mehraufwand. „Es ist nicht mehr so, dass man mit dem Finger schnippt, die Mittel bestellt und sie mit der notwendigen Beratung abgibt. Sondern wir müssen gucken, wo wir Arzneimittel aus anderen Quellen herbekommen. Und das ist eigentlich nicht Aufgabe des Apothekers, sondern der pharmazeutischen Industrie“, so Kirk Berger.

In anderer Hinsicht hat sich die Lage aber entspannt. „Jeder weiß jetzt, was Corona ist und dass man bestimmte Abstands- und Hygieneregeln einhalten muss. Ab und zu kommen noch ein paar Anfragen nach Masken, die haben wir jetzt ebenso wie verschiedene Desinfektionsmittel vorrätig. Und wir können wieder unserer normalen Apothekerarbeit nachgehen, was wir vorher teilweise gar nicht geschafft haben, weil zu viele coronaspezifische Maßnahmen durchzuführen waren.“

Beide Apotheker berichten, dass sie trotz Überstunden und Mehraufwand vor allem deshalb gut durch die Krise gekommen seien, weil sie über ausreichend Personal verfügen. „Ich habe Glück, dass ich im Augenblick genügend Mitarbeiter habe“, so Eckhard Galys, der zehn studierte Pharmazeuten beschäftigt. „Aber ich weiß, dass es in ganz vielen anderen Apotheken nicht so ist. Apotheker werden eigentlich überall gesucht.“

Geschuldet sei dies auch der Tatsache, dass der Studiengang Pharmazie im Land Brandenburg an keiner Hochschule angeboten werde und viele Absolventen nach dem Studium nicht mehr zurückkehren würden. Aber auch bundesweit listet die Bundesagentur für Arbeit den Beruf des Pharmazeuten seit 2016 als sogenannten Engpassberuf. Im Schnitt bleiben offene Apothekerstellen über 150 Tage lang unbesetzt. Dabei hat die Corona-Krise gezeigt, wie wichtig eine entsprechende Versorgung durch die Apotheke vor Ort ist.

Von Jessica Kliem

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