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10:01 12.11.2021
Fotos: Adobe Stock/Britta Laser; dpa

Velten. Zu den Wegwerfartikeln schlechthin im vergangenen wie auch im laufenden Jahr zählte wohl die Einwegmaske. Bis zu 100 000 Tonnen jährlich dürften es allein in Deutschland sein. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ging bereits 2020 von jährlich bis zu zwölf Milliarden Atemschutzmasken aus, die in der Corona-Krise bundesweit benötigt werden. 1,6 Milliarden sollen nur im vergangenen Jahr nach Angaben von Umweltschutzorganisationen wie vieler anderer Müll im Meer gelandet sein. Diese Zahlen sind abstrakt. Tino Christoph hat konkret vor Ort mit den Masken zu tun. Der stellvertretende Centerleiter der AWU Abfallwirtschaftsunion Oberhavel in Velten muss mit den unzähligen Masken umgehen, die, wenn es ordnungsgemäß zugeht, in der dafür empfohlenen Restmülltonne für die anschließende Verbrennung (thermische Verwertung) landen. Hier – wenn nicht in Grünflächen oder auf dem Gehweg – endet der Weg des Mund- und Nasenschutzes gemeinhin. Ideen für Recycling gibt es, ohne aber bisher im realen Wirtschaftsprozess zum Zuge gekommen zu sein. 
      

Bartscherer & Co. Recycling GmbH

Obwohl Unsicherheiten des Umgangs mit und der unsachgemäßen Entsorgung von Einwegmasken augenscheinlich noch nicht ausgeräumt sind, landeten „eher wenige Masken in falschen Tonnen“, berichtet Christoph aus seinen täglichen Erfahrungen. Eine Zeit lang habe es Hinweise aus der Papierverwertungsanlage gegeben, dass zahlreiche Mund- und Nasenschutze wohl irrtümlich in dafür nicht zugewiesene Boxen geworfen worden waren, so Christoph. Nach einer Informationskampagne im Rahmen von Zeitungsanzeigen konnten diese Unsicherheiten aber geklärt werden.

AWU Abfallwirtschafts-Union Oberhavel GmbH

Dass gebrauchte Einwegmasken zunächst einmal in die normale Restmülltonne gehören, weil sie – obwohl teilweise aus Plastik bestehend – gemeinhin als nicht recycelbar gelten, war lange nicht ganz klar. „Es gab dazu zunächst nur Vorschläge, keine Vorgaben“, so Christoph. Ähnliches gilt auch für die Reste von Schnelltests. Das Thema sei ja auch zu Beginn der Pandemie „relativ neu gewesen“.


"Es landeten eher wenige Masken in falschen Tonnen."

Tino Christoph, AWU Oberhavel


Forschungsprojekte zu einem nachhaltigeren Umgang mit den Einwegmasken sind unterdessen inzwischen etwas vorangekommen. So meldete ein Verbund aus Fraunhofer-Instituten unter Beteiligung des Potsdamer Instituts für Angewandte Polymerforschung (IAP) sowie Chemie- und Konsumgüter-Unternehmen wie Procter & Gamble (P&G) kürzlich Fortschritte in einem Vorhaben, „gebrauchte Gesichtsmasken wieder zurück in die Wertschöpfungskette der Maskenproduktion“ zu bringen, wie Peter Dziezok, Direktor für Innovationsprojekte bei P&G es ausdrückt. Im Rahmen des Pilotprojekts wurden an Produktions- und Forschungsstandorten des Konzerns in der Bundesrepublik gebrauchte Gesichtsmasken von Mitarbeitenden und Besuchenden gesammelt. In einem von den Fraunhofer-Einrichtungen entwickelten Konzept wurden sie zerkleinert und anschließend bei Temperaturen von rund 650 Grad in sogenanntes Pyrolyseöl umgewandelt. Schadstoffe oder Krankheitserreger wie der Coronavirus werden dabei restlos zerstört.

Die produzierten Faservliesstoffe wurden auch bereits wieder zu Schutzmasken verarbeitet. Schwierigkeiten bereite derzeit eher noch „die industrielle Sammlung der Masken“, so Frederik Betsch, Sprecher des federführenden Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht). Um einen effektiven Kreislauf hinzubekommen, bedarf es einer größeren Menge. Im Rahmen eines indischen Projekts werden Bausteine für die Bauindustrie aus den Masken produziert. Auch weitere Forschungen der Umsicht-Allianz Velten gehen in diese Richtung. Gerald Dietz 
 

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